Digitale, Demenz-Risiko

Digitale Nutzung: 58% weniger Demenz-Risiko bei über 50-Jährigen

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 07:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden digitale Nutzung mit unterschiedlichen Effekten auf die geistige Leistung. Im Beruf bleibt der KI-Zeitgewinn begrenzt.

KI im Alltag: Studien zeigen Chancen und Grenzen für das Gehirn
Symbolbild: Schachbrett mit Figuren Illustration mit AI erstellt.

Die fortschreitende Verbreitung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz im Alltag und Berufsleben wirft zunehmend Fragen nach den Auswirkungen auf das menschliche Denkvermögen auf. Mediale Berichte thematisieren verstärkt die Befürchtung, dass eine intensive Nutzung von KI-Werkzeugen zu kognitiven Einbußen führen und geistige Fähigkeiten verkümmern lassen könnte.

Reaktionen im Bildungssektor und neurologische Fragestellungen

Die Debatte über denkbare kognitive Nachteile schlägt sich mittlerweile in konkreten administrativen Maßnahmen nieder. Im Bildungsbereich zieht der Los Angeles Unified School District Konsequenzen und sperrt generative KI auf Schulgeräten für das Schuljahr 2026-27. Die New York City Public Schools folgten mit entsprechenden Nutzungseinschränkungen.

Ein ehemaliger Ingenieur von OpenAI und Anthropic warnte in diesem Zusammenhang vor einer kognitiven Verkümmerung sowie vor Gefahren für die Gehirnentwicklung von Kindern.

Neurologische Auswirkungen stehen auch im Fokus medialer Selbstversuche. Im Rahmen des Formats „Dok 1“ des Senders ORF 1 untersuchte die Journalistin Lisa Gadenstätter in einem zweitägigen Selbstversuch mit intensiver KI-Nutzung mögliche Effekte, während der Neurologe Christian Enzinger messbare Veränderungen nach 48 Stunden erfasste.

Erkenntnisse zu digitaler Nutzung und geistiger Leistungsfähigkeit

Wissenschaftliche Erhebungen zeichnen ein differenziertes Bild zum Einfluss digitaler Technologien auf mentale Prozesse. Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte KiQuNu-Studie untersuchte im Mai und Juni 2026 das Verhalten von 1.285 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren. Dabei wiesen 31 Prozent ein problematisches Smartphone-Nutzungsverhalten nach dem CIUS-Score auf.

In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen lag dieser Anteil bei 55 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 40 Prozent. Die Bildschirme waren im Mittel 4,25 Stunden pro Tag aktiv, was 18 Prozent der Tageszeit entsprach, wobei die Untersuchung einen signifikanten Zusammenhang mit Stress und Gesundheitsproblemen feststellte.

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Andererseits verweist eine 2025 in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour erschienene Metaanalyse der Forscher Benge und Scullin auf gegenteilige Tendenzen bei älteren Nutzern.

Bei der Auswertung von 19 Kohortenstudien mit 411.503 Erwachsenen ab 50 Jahren zeigte sich, dass digitale Nutzung das Risiko kognitiver Störungen um 58 Prozent senkte, gemessen an einem Chancenverhältnis von 0,42. Zudem verringerte sich der Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit um 26 Prozent mit einer Hazard Ratio von 0,74. Diese Schutzeffekte blieben auch nach Bereinigung um Faktoren wie Bildung, Einkommen, Gesundheit und soziale Aktivitäten bestehen.

Arbeitsaufwand und die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle

Im betrieblichen Umfeld relativiert sich zudem der erhoffte Produktivitätsgewinn. Eine von YouGov im Auftrag von Notion durchgeführte Befragung unter 2.067 deutschen Büroangestellten im Juni 2026 ergab einen Netto-Zeitgewinn durch KI von lediglich 22 Minuten pro Woche, was 17,2 Stunden im Jahr entspricht.

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Einem durchschnittlichen Zeitgewinn von 2,17 Stunden stand ein zusätzlicher Aufwand von 1,81 Stunden gegenüber. Zwar sahen 21 Prozent der Anwender von KI-Agenten und 35 Prozent der täglichen Nutzer einen höheren Mehrwert, doch blieben 22 Prozent der Befragten ohne effektive KI-Schulung.

Dass die kognitive Steuerungsfunktion beim Menschen verbleiben muss, betonen auch Branchenexperts. Bei einer Fachdiskussion im Rahmen des FMP Talk hielten Teilnehmer wie Oliver Ellinger von Publicis Media Austria, Laura Sophie Dvorak-Maihoffer von dentsu, Michael Drexler von Teads, Yves Arndt von McDonald's Österreich sowie Michael Katzlberger fest, dass KI-Werkzeuge wie Copilot zwar fest in Arbeitsabläufen verankert seien, der Mensch die Resultate jedoch fortlaufend überprüfen und die Qualität der zugrundeliegenden Daten sichern müsse.

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