Digitale Inklusion: Kakao startet 3.000er-Programm mit 120 Lehrkräften
27.05.2026 - 08:06:04 | boerse-global.de
Die digitale Kluft zwischen den Generationen schließt sich nur langsam – doch weltweit entstehen neue Programme, die älteren Menschen den Zugang zur Technologie erleichtern sollen. Von KI-Seminaren in Australien bis zu staatlich geförderten Bildungsplattformen in Spanien: Der Fokus auf „silberne“ Digitalkompetenz gewinnt an Fahrt.
Am heutigen Mittwoch fand im Edenlea Retirement Village ein spezieller Vortrag zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Alltag statt. Die Veranstaltung ist Teil eines wachsenden Trends, der älteren Menschen den Einstieg in die digitale Welt erleichtern soll. Erst gestern startete Age UK Shropshire Telford & Wrekin neue Workshops zur digitalen Inklusion, die besonders auf Online-Sicherheit und Betrugsprävention abzielen.
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Nationale Programme für Tausende Senioren
Groß angelegte Bildungsinitiativen erreichen mittlerweile Tausende von Senioren. In Südkorea hat Kakao Impact den Ausbau seiner „Senior Digital School“ für 2026 gestartet. Das Programm soll 3.000 Teilnehmer an 150 Standorten erreichen – unterrichtet von 120 speziell geschulten Senioren-Lehrkräften. Der Lehrplan konzentriert sich auf praktische Anwendungen von ChatGPT für die Kakao-Plattform sowie auf digitale Finanzbildung.
Das spanische Programm „Mayores Conectados“ kann bereits beeindruckende Zahlen vorweisen. Mit 45 Millionen Euro EU-Förderung über Orange und Red.es haben bisher 11.000 Absolventen die Schulung abgeschlossen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 73,7 Jahren, 64 Prozent sind Frauen. Die Kurse, die Smartphone-Nutzung, KI und Betrugsprävention abdecken, laufen noch bis zum 30. Juni 2026.
Auch in Deutschland tut sich einiges: Die VHS Bochum startete gestern einen fünfteiligen Android-Smartphone-Kurs für Senioren. Die KEB bereitet derweil eine Konferenz in Regensburg vor, die für den 26. Juni geplant ist. Unter dem Motto „Bildung im und für das Alter“ werden Workshops zu Smartphone-Nutzung, Bibliotheksangeboten und Bewegung angeboten.
KI-Forschung für die Altenpflege
Angesichts des demografischen Wandels setzen internationale Partnerschaften zunehmend auf KI, um den Druck auf die Gesundheitssysteme zu mildern. Ein einjähriges Pilotprojekt zwischen Japan und Singapore startet noch 2026. Die Zusammenarbeit von Kanamic Network, Kwong Wai Shiu Hospital und Lions Befrienders konzentriert sich auf KI-gestützte Dokumentations- und Planungswerkzeuge. Diese Systeme sollen Pflegekräfte durch sprachgesteuerte Dokumentation und automatisierte Übergabeprozesse entlasten.
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Die Iowa State University sucht derzeit Teilnehmer ab 60 Jahren für ihre Studie „Pro-AI: Proactive Health With AI“. Die Forschungssitzungen finden am 5. und 19. Juni im Waverly Senior Center statt. Als Anreiz verlost die Universität 20 iPads unter den Teilnehmern – ein klares Signal, dass Senioren auch die nötige Hardware für moderne Gesundheitstechnologie erhalten sollen.
Skepsis und Sicherheitsbedenken
Trotz der vielen Angebote bleibt die Stimmung in der Bevölkerung gespalten. Eine Bitkom-Umfrage vom Februar und März 2026 unter über 1.000 Personen ab 16 Jahren zeigt: 42 Prozent würden lieber in einer Welt ohne KI leben. Besonders deutlich wird der Graben zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern: Während 58 Prozent der Nicht-Nutzer eine KI-freie Welt bevorzugen, sind es bei den aktiven Nutzern nur 32 Prozent. Allerdings geben 76 Prozent der KI-Nutzer an, dass die Technologie ihnen den Alltag erleichtert.
Auch Sicherheitsbedenken bleiben präsent. Beim DigiTALK-Event in Karlsruhe am 21. Mai stellte Professor Thorsten Strufe vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fest, dass aktuelle Anonymisierungsverfahren oft nicht standhalten. Zudem sorgt die geplante Einführung der Palantir-Plattform „Gotham“ in Baden-Württemberg ab der zweiten Jahreshälfte 2026 für Diskussionen.
Um der unmittelbaren Gefahr von Internetbetrug zu begegnen, haben mehrere Organisationen „Scam-Smart“-Komponenten in ihre Schulungen integriert. Der Wiesbadener Seniorenbeirat bietet am 1. Juni eine telefonische Sprechstunde an, bei der Senioren von polizeilich zertifizierten Sicherheitsberatern persönliche Tipps erhalten.
Kommunale Unterstützung und Gemeinschaft
Auch auf lokaler Ebene zeigt sich der Fokus auf Seniorenwohl. In Wolfsburg bereitet die Stadtverwaltung eine Ratsentscheidung für Juni 2026 zur Einrichtung eines Seniorenbeirats vor. Das Gremium soll 9 bis 17 Mitglieder umfassen und einen beratenden Sitz im Sozial- und Gesundheitsausschuss erhalten. Die konstituierende Sitzung ist für November geplant.
Das ZukunftsRaum-Projekt in Aachen bietet am 1. Juni einen Kompaktworkshop an der VHS an. Thema: Wie Senioren ihren Wohnraum verkleinern und den Alltag vereinfachen können, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Am selben Tag führt der Wiesbadener Seniorenbeirat durch die Mauritius-Mediathek, um ältere Bürger mit lokalen Bibliotheksressourcen vertraut zu machen.
Das OT-CRAft-Projekt der Technischen Hochschule Augsburg und des Digitalen Zentrums Schwaben startete mit fast einer Million Euro Förderung durch Mittelstand-Digital. Die dreijährige Initiative soll die Cybersicherheit von Industrieanlagen für kleine und mittlere Unternehmen verbessern – eine wichtige Voraussetzung für die Infrastruktur, auf die auch die alternde Gesellschaft angewiesen ist.
Ausblick
Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Modelle nachhaltig sind. Das spanische Programm „Mayores Conectados“ erreicht Ende Juni seinen aktuellen Förderzeitraum. Die Ergebnisse des Japan-Singapore-Pilotprojekts dürften richtungsweisend für andere Regionen mit ähnlichen demografischen Herausforderungen sein.
Die Kombination aus lokalen Workshops, akademischer Forschung und internationalen Technologieprojekten deutet auf einen mehrschichtigen Ansatz hin: Die ältere Generation soll beim rasanten Fortschritt von KI und digitalen Diensten nicht abgehängt werden.
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