Digitale Fabrik: KI senkt Engineering-Aufwand um 70 Prozent
23.06.2026 - 05:10:45 | boerse-global.de
300.000 Jobs sind in der Metall- und Elektroindustrie seit 2019 verloren gegangen. Die Deindustrialisierung schreitet voran. Doch eine Gegenbewegung formiert sich: Unternehmen setzen massiv auf Digitalisierung ihrer Wertschöpfungsketten. Künstliche Intelligenz, Digitale Zwillinge und moderne Instandhaltungssysteme sollen die Wende bringen.
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Wartung wird zum Effizienzturbo
Ein entscheidender Hebel liegt in der Digitalisierung der Wartungsprozesse. Das österreichische Unternehmen Gebrüder Jaeger Austria führte ein Computerized Maintenance Management System (CMMS) ein – und sicherte innerhalb eines Monats die vollständige Dokumentation nach internationalen ISO-Normen. Die zentrale Wartungsplanung beschleunigte Fehleranalysen und reduzierte ungeplante Stillstände.
Parallel dazu setzen Hersteller auf wartungsfreie Komponenten. Der Antriebsspezialist igus meldete im Juni 2026: Polymerlager sparen in spezifischen Anwendungen bis zu 20.000 Wartungsstunden und enorme Mengen Schmierstoff ein.
Digitale Zwillinge steigern Kapazität um 20 Prozent
Die virtuelle Abbildung physischer Prozesse zeigt direkte Wirkung. PepsiCo testete in einem zwölfwöchigen Pilotprojekt in Nordamerika Technologien von Siemens und NVIDIA. Das Ergebnis: 20 Prozent mehr Produktionskapazität. Über 90 Prozent der potenziellen Betriebsprobleme wurden bereits vor der Umsetzung im Digitalen Zwilling erkannt.
In der Logistik punkten Plug-and-Play-Roboter. Das System „Luke“ erreicht bei der Bilstein Group und Geberit Verfügbarkeitsraten von über 98 Prozent. Die Inbetriebnahme dauert nur wenige Wochen, die Integration in bestehende Systeme wie SAP EWM erfolgt ohne zusätzliche Middleware.
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KI revolutioniert die Fabrikplanung
Am 22. Juni 2026 präsentierten führende Automobilhersteller auf dem 21. Kongress Digitale Fabrik in Herzogenaurach ihre Fortschritte. Volkswagen und Audi setzen auf „Physical AI“ – das soll den Engineering-Aufwand für Robotik um bis zu 70 Prozent senken. Ziel: die Hälfte aller Prozesse automatisieren.
Schaeffler hat bereits 100 Prozent seiner E-Mobility-Flächen digital erschlossen. BMW nutzt neurosymbolische KI für die Fabrikplanung. Und Stahlriese ArcelorMittal arbeitet mit AWS zusammen, um durch KI-gestützte vorausschauende Wartung die Effizienz zu steigern.
Daten als Fundament – Cybersecurity als Schutz
Ohne moderne Dateninfrastruktur läuft nichts. Die DID Group modernisierte ihre Datenlandschaft in sechs Monaten auf Microsoft Fabric – für Echtzeit-Auswertungen von Anlagenwerten und Payback-Ratios.
Doch mehr Vernetzung bedeutet mehr Angriffsfläche. Rockwell Automation erweiterte im Juni 2026 sein Portfolio für Cybersicherheit im OT-Bereich. KI-gestützte Schwachstellenerkennung und Zertifizierungen nach IEC 62443-4-1 schützen vernetzte Anlagen – und ermöglichen gleichzeitig sichere Fernwartungszugriffe.
Nachhaltigkeit als Milliardenmarkt
Neben Produktivität gewinnen Umwelttechnologien wirtschaftliche Bedeutung. Eine BCG-Studie, diskutiert auf der IFAT Munich 2026, beziffert das Potenzial für zirkuläre Wertschöpfung in Deutschland bis 2045 auf rund 125 Milliarden Euro. Rheinmetall zeigt, wie das konkret aussehen kann: gusseiserne Ladebordsteine für urbane Elektromobilität integrieren Ladeleistung in den öffentlichen Raum – ohne zusätzliche Aufbauten.
