Digitale, Dauererreichbarkeit

Digitale Dauererreichbarkeit: 40% leiden unter emotionaler Erschöpfung

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Psychische Widerstandsfähigkeit entsteht durch soziale Kontakte und gute Arbeitsbedingungen, nicht durch angeborene Eigenschaften.

Resilienz 2026: Teamarbeit und Strukturen statt Persönlichkeitsmerkmal
Zwei Kollegen im Gespräch in einem modernen Büro, das Wohlbefinden und soziale Unterstützung am Arbeitsplatz symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Resilienz ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern das Ergebnis von Teamwork und guten Strukturen. Das zeigt die aktuelle Forschung.

Lange galt psychische Widerstandsfähigkeit als Eigenschaft, die man entweder hat oder nicht. Doch Studien aus dem Jahr 2026 zeichnen ein anderes Bild: Wer resilient ist, hat meist stabile soziale Kontakte – und die richtigen Arbeitsbedingungen.

Freunde besuchen hilft mehr als Sport

Eine Studie mit 613 Erwachsenen zeigt: Der stärkste Resilienzfaktor ist der Besuch von Familie und Freunden. Sportliche Betätigung? Wirkte weniger stark.

Besonders deutlich war der Effekt bei Menschen, die in ihrer Kindheit belastende Erfahrungen gemacht hatten. Stabile, wertschätzende Beziehungen sind die Basis für Krisenbewältigung. Das lässt sich direkt auf die Arbeitswelt übertragen: Positive Erfahrungen im Team stärken die Widerstandsfähigkeit.

Die digitale Zwangsjacke

Doch der Arbeitsalltag sieht oft anders aus. Eine Untersuchung der IU Internationalen Hochschule unter 2.000 Beschäftigten zeigt die Schattenseiten der digitalen Erreichbarkeit. Ein Drittel fühlt sich verpflichtet, auch nach Feierabend erreichbar zu sein. 40 Prozent sind gedanklich ständig auf Empfang – ein Drittel leidet unter täglicher emotionaler Erschöpfung.

Frauen und jüngere Beschäftigte trifft der digitale Stress besonders hart.

Der Fachkräftemangel verschärft die Lage zusätzlich. Daten des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) für 2025 zeigen: In Deutschland fehlten durchschnittlich 369.516 qualifizierte Arbeitskräfte. Besonders kritisch in Pflege, Kinderbetreuung und technischen Berufen. Die Arbeitsverdichtung steigt – und mit ihr psychische Belastungen und Unfallrisiken.

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Was Unternehmen jetzt tun müssen

Die Anforderungen an Arbeitnehmer verändern sich rasant. Der „Future of Jobs Report 2025“ des Weltwirtschaftsforums prognostiziert: Bis 2030 verändern sich rund 39 Prozent der Kernkompetenzen. 63 Prozent der Arbeitgeber sehen in Kompetenzlücken das größte Hindernis für die Transformation.

Fachleute für betriebliches Gesundheitsmanagement raten daher zu präventiven Strukturen. Die EAH Jena unterstützt Unternehmen beim Aufbau solcher Systeme. Auch Künstliche Intelligenz erfordert neue Ansätze: Das Kompetenzzentrum WIRKsam empfiehlt eine ganzheitliche Analyse von Mensch, Technik und Organisation.

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Sicherheit wird zur Pflicht

Resilienz ist längst eine regulatorische Anforderung. Die EU-CER-Richtlinie verlangt von Betreibern kritischer Infrastrukturen umfassenden physischen und digitalen Schutz. Betroffen sind Energie, Gesundheit, Verkehr und Finanzwesen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat im Juli 2026 eine Stabsstelle für Sicherheits- und Resilienzforschung eingerichtet. Und der für Ende 2027 angekündigte EU Cyber Resilience Act schreibt Sicherheit bereits im Designprozess vor.

Fazit: Resilienz ist 2026 kein individuelles Projekt mehr. Sie wird zum multidimensionalen Konzept – aus sozialer Unterstützung, struktureller Entlastung, Kompetenzentwicklung und technologischer Sicherheit.

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