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Digitale Brieftasche d-you: 40 Partner beim Start im Januar dabei

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aldi Nord plant RFID-Schutzsets für Karten, während die Bundesregierung d-you vorstellt. Der Start der digitalen Brieftasche ist für 2027 vorgesehen.

Kontaktlos-Karten: Aldi-Schutz und digitale Brieftasche d-you
Moderne, minimalistische Architektur eines öffentlichen Verwaltungsgebäudes in Berlin bei bewölktem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsexperten warnen aktuell vor den Risiken kontaktloser Zahlungskarten, die unter bestimmten Bedingungen unbefugt von Dritten ausgelesen werden können. Während im Handel kurzfristige Schutzmaßnahmen wie spezielle RFID-Blocker an Bedeutung gewinnen, bereitet die Bundesregierung mit der digitalen Brieftasche „d-you“ eine technologische Langzeitlösung vor, um physische Ausweisdokumente und Karten abzulösen.

Physischer Schutz für kontaktlose Karten im Handel

Um das Risiko des unerwünschten Auslesens von Bank- und Ausweiskarten zu minimieren, greifen Verbraucher verstärkt zu physischen Abschirmungen. Sicherheitsexperten empfehlen hierfür spezielle Schutzhüllen, welche die Funkwellen der NFC- und RFID-Chips blockieren.

Der Einzelhändler Aldi Nord reagiert auf diesen Bedarf und bietet ab Donnerstag, dem 17. September 2026, ein entsprechendes Sicherheitsset der Marke Workzone für 3,99 Euro an. Das Paket umfasst ein vierteiliges Set von Kartenhaltern, die den Funkkontakt unterbrechen sollen.

Die Karten müssen für den Bezahlvorgang explizit aus der Hülle gezogen werden. Ergänzt wird das Set durch zwei Autoschlüsseltaschen zum Schutz vor sogenannten Relay-Angriffen bei Keyless-Go-Systemen sowie einen über USB-C wiederaufladbaren Alarm-Schlüsselanhänger mit SOS-Funktion.

Hinsichtlich des Reisepasses geben Experten hingegen teilweise Entwarnung. Das Risiko eines massenhaften Datenklaus per RFID wird hier als überschätzt eingestuft, da die Reichweite der verbauten Chips äußerst gering sei und ein Lesegerät in unmittelbare Nähe gebracht werden müsse. Von Behelfslösungen wie Alufolie raten Fachleute ab: Diese könne den Pass beschädigen und zu Komplikationen bei Grenzkontrollen führen.

Staatliche Digital-Wallet „d-you“ als künftiger Standard

Einen grundlegenden Wandel in der Handhabung sensibler Daten verspricht die neue staatliche digitale Brieftasche „d-you“. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger stellte die Anwendung am 9. September 2026 in Berlin vor. Der offizielle Start ist für den 2. Januar 2027 geplant. Damit setzt Deutschland eine EU-Verordnung um, die Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2027 zur Bereitstellung einer staatlichen Ausweis-Anwendung verpflichtet.

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Zum Start sollen der Personalausweis, der Führerschein sowie die Krankenkassenkarte in die App integriert werden. In späteren Phasen ist die Aufnahme von Universitätszeugnissen, Gehaltsabrechnungen und Versicherungsnachweisen vorgesehen. Die Nutzung der App ist für Bürger kostenlos und freiwillig.

Technische Voraussetzungen und Sicherheitsbedenken

Die Anwendung wird für die Betriebssysteme iOS und Android verfügbar sein. Voraussetzung für die Nutzung ist ein NFC-fähiges Endgerät, das regelmäßige Sicherheitsupdates erhält. Für das kontaktlose Vorzeigen digitaler Dokumente wird bei Apple-Geräten mindestens ein iPhone XS benötigt. Ein zentraler Punkt der Einführung ist die Reaktivierung des PIN-Rücksetzdienstes für den Personalausweis, die bereits ab Oktober erfolgen soll.

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Trotz der Ambitionen gibt es Kritik an der Sicherheit des Projekts. Die IT-Sicherheit gilt in Fachkreisen noch als ungeprüft; ein Bug-Bounty-Programm zur Identifizierung von Schwachstellen soll erst noch anlaufen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) arbeitet derzeit noch an der entsprechenden Technischen Richtlinie 03189, deren Veröffentlichung für Ende 2026 vorgesehen ist. Aufgrund verbleibender Restrisiken halten Beobachter eine Verschiebung des Starttermins durch die Bundesregierung für möglich.

Betrieben wird „d-you“ von der staatlichen Firma Common Code. Das Projekt zielt laut Projektleitung darauf ab, im Jahr 2027 einige Millionen Nutzer zu gewinnen.

Zum Start haben bereits rund 40 Partner ihre Mitwirkung zugesagt, darunter Unternehmen wie Vodafone, Rossmann und Eon sowie Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit und die TU München. Laut dem Branchenverband Bitkom haben zudem rund 170 weitere Unternehmen Interesse an einer Kooperation bekundet.

Die Herausforderung bleibt jedoch groß: Die bereits seit 15 Jahren existierende Online-Ausweisfunktion des physischen Personalausweises wird aktuell nur von knapp 25 % der Bevölkerung genutzt. Zudem war ein ähnliches Digital-Projekt im Jahr 2021 aufgrund von Sicherheitsbedenken gescheitert.

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