Digitale, Befähigung

Digitale Befähigung älterer Menschen: Netzwerke und KI-Tools im Aufschwung

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Kommunen und Unternehmen fördern digitale Fähigkeiten Älterer. KI in der Pflege spart Zeit, während neue Angebote gegen Einsamkeit entstehen.

Digitale Teilhabe im Alter: Netzwerke, KI und neue Tools
Digitale - Eine ältere Frau lächelt, während sie ein Tablet benutzt, unterstützt von einer jüngeren Person in einem modernen Raum. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Initiativen und Technologien zielen darauf ab, die Selbstbestimmung im Alter zu stärken.

Regionale Netzwerke wachsen

In Berlin feierte das Netzwerk „Digitale Befähigung im Alter“ im Juli 2026 sein einjähriges Bestehen. Die Initiative konzentriert sich auf die digitale Selbstbestimmung älterer Menschen. Parallel zeigt der erste Berliner Erwachsenenbildungsbericht: 2024 wurden an Volkshochschulen rund 24.500 Kurse durchgeführt – damit ist das Niveau von 2019 wieder erreicht.

Auch anderswo entstehen niederschwellige Angebote. In Dresden organisiert der Verein Sonay soziales Leben wöchentliche Digitalcafés für Menschen ab 60 Jahren. Im Bergischen Land bot der ASB Regionalverband im Juli kostenlose Hilfe bei Smartphones und Tablets an. In Moers läuft seit Anfang 2025 das Modellprojekt „Moers-Mitte“: Die Caritas ermittelt per Umfrage die spezifischen Bedarfe der Generation 60plus.

Banken und Pflege setzen auf Digitalisierung

Die Privatwirtschaft reagiert auf den Unterstützungsbedarf älterer Kunden. Die Volksbank Lüneburger Heide eG kooperiert mit dem Kreisseniorenbeirat Harburg. Spezielle Stellen für „Digitale Begleitung“ wurden geschaffen, um Kunden in Workshops fit für mobiles Banking zu machen.

In der Pflegeberatung kommen automatisierte Systeme zum Einsatz. In Österreich ging am 8. Juli der Chatbot „PIA“ (Pflege-Informations-Assistent) auf dem Gesundheitsportal an den Start. Der Bedarf ist hoch: Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete das Portal rund 130.000 Besucher. Über 500.000 Pflegegeldbezieher und etwa 950.000 pflegende Angehörige sollen das Tool nutzen.

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KI erobert den Pflegealltag

Das Unternehmen Korian schloss das Modellprojekt „Pflege 2030“ ab. Beteiligt waren die Universität Bremen und das Fraunhofer IIS. Ergebnis: KI-gestützte Sturzerkennung und Sprachsteuerung sparen rund 30 Minuten pro Tag und Fachkraft ein. Das Land Bayern förderte das Vorhaben mit 3,1 Millionen Euro. Bis 2028 soll es an allen 219 Standorten von Korian implementiert werden.

Einsamkeit als gesamtgesellschaftliches Problem

Das Hilfetelefon Silbernetz meldet einen Meilenstein: über eine Million Anrufe bei einer jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent. Eine Evaluation des Deutschen Zentrums für Altersfragen bestätigte die positive Wirkung. Allerdings weisen die Verantwortlichen auf Probleme bei der Basisfinanzierung hin – derzeit tragen nur Berlin und Nordrhein-Westfalen die Kosten.

Auf der dritten Einsamkeitskonferenz in Tempelhof-Schöneberg am 8. Juli wurde die Relevanz internationaler Vorbilder diskutiert. Das „Social Prescribing“ aus England und den Niederlanden steht dabei im Fokus. Die Problematik betrifft nicht nur Senioren: Laut Daten des Deutschen Jugendinstituts fühlen sich 45 Prozent der 16- bis 30-Jährigen regelmäßig einsam.

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Neue digitale Werkzeuge für den Alltag

Das Bundesfamilienministerium stellte am 8. Juli ein neues digitales Tool vor. Die „Lebenskarte“ inklusive Lohnrechner soll Bürgern helfen, die finanziellen Langzeitfolgen von Lebensentscheidungen besser zu kalkulieren – etwa bei der Wahl der Steuerklasse oder der Anpassung von Arbeitszeiten.

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