Digitale, Abhängigkeit

Digitale Abhängigkeit: 88% der deutschen Firmen nutzen US-IT

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ifo-Studie zeigt: 88% der deutschen Unternehmen nutzen US-IT-Lösungen. Trotz erkannter Risiken planen viele keine Gegenmaßnahmen.

ifo-Studie: Deutsche Firmen stark von US-IT-Anbietern abhängig
Ein moderner Serverraum in einem deutschen Unternehmen mit Server-Racks und dezenter blauer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die digitale Infrastruktur der deutschen Wirtschaft ist in hohem Maße von US-amerikanischen Anbietern geprägt. Eine im August 2026 veröffentlichte Untersuchung des ifo-Instituts zeigt, dass die Mehrheit der hiesigen Unternehmen auf Produkte aus den Vereinigten Staaten setzt.

Trotz einer teilweisen Sensibilisierung für die damit verbundenen Risiken zeigt sich bei einem signifikanten Teil der Betriebe eine strategische Zurückhaltung bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen.

Tiefe Verwurzelung US-amerikanischer IT-Lösungen in der deutschen Wirtschaft

Die Ergebnisse der Marktanalyse verdeutlichen die marktbeherrschende Stellung von US-Dienstleistern in der Bundesrepublik. Den Erhebungen des ifo-Instituts zufolge nutzen 88% der deutschen Unternehmen IT-Produkte oder Dienstleistungen von Anbietern aus den USA.

Besonders kritisch wird die Situation von Branchenexperten dort bewertet, wo die Bindung an einzelne Ökosysteme besonders eng ist. Demnach stufen 31% der befragten Firmen ihre eigene Situation als stark abhängig ein. Diese Abhängigkeit betrifft oft Kernbereiche der betrieblichen IT, bei denen ein kurzfristiger Wechsel der Anbieter mit hohen Hürden verbunden wäre.

Strategische Passivität trotz erkannter Risiken

Ein zentraler Befund der Untersuchung betrifft die Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und operativem Handeln. Etwa 20% der deutschen Unternehmen geben an, die bestehende Abhängigkeit von US-Dienstleistern als riskant einzustufen. Bemerkenswert ist jedoch, dass dieser Teil der Wirtschaft gleichzeitig erklärt, derzeit keine konkreten Gegenmaßnahmen zu planen.

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Diese Passivität deutet laut den Studienautoren auf verschiedene strukturelle Herausforderungen hin. Oftmals fehlen offensichtlich die notwendigen Ressourcen oder die technologischen Alternativen, um eine Abkehr von etablierten US-Standards einzuleiten, selbst wenn die Risiken im Bereich der digitalen Souveränität erkannt wurden.

Lösungswege zwischen Diversifizierung und europäischen Alternativen

Für jene Unternehmen, die aktiv an einer Reduzierung ihrer Abhängigkeit arbeiten, zeigen sich unterschiedliche strategische Ansätze. Die Studie identifiziert die Suche nach europäischen Alternativen als den am häufigsten genannten Weg: 34,2% der Unternehmen, die Gegenmaßnahmen planen, setzen auf Lösungen aus Europa.

Weitere Strategien verteilen sich wie folgt:
- 29,8% der Betriebe streben eine Diversifizierung ihrer Anbieterstruktur an, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
- 19% der Unternehmen setzen verstärkt auf Open-Source-Software, um die Kontrolle über ihre IT-Architektur zurückzugewinnen.
- 18,2% planen den Ausbau ihrer eigenen IT-Kapazitäten, um Aufgaben wieder firmenintern zu lösen (Insourcing).

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Forderung nach politischer Flankierung

Angesichts der erhobenen Daten sieht die Führung des ifo-Instituts die Notwendigkeit für ein Eingreifen der Politik. ifo-Präsident Clemens Fuest betonte in diesem Zusammenhang, dass staatliche Maßnahmen erforderlich seien, um die digitale Souveränität zu stärken.

Die reine Marktdynamik scheint laut der Analyse nicht auszureichen, um die tief verwurzelte Abhängigkeit von US-Infrastrukturen in einem Maße zu reduzieren, das die wirtschaftliche Resilienz nachhaltig sichert. Ein koordiniertes Vorgehen auf staatlicher Ebene könne helfen, die Hürden für den Einsatz europäischer Alternativen zu senken und die Entwicklung souveräner IT-Strukturen zu fördern.

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