Digitalausweis, Deutschland

Digitalausweis: Deutschland startet EUDI-Wallet zum 2. Januar 2027

28.05.2026 - 06:30:07 | boerse-global.de

Samsung integriert US-Reisepässe in seine Wallet, während Deutschland das EU-weite Digital-Identitäten-Gesetz auf den Weg bringt.

Digitalausweis: Deutschland startet EUDI-Wallet zum 2. Januar 2027 - Foto: über boerse-global.de
Digitalausweis: Deutschland startet EUDI-Wallet zum 2. Januar 2027 - Foto: über boerse-global.de

Während Samsung in den USA digitale Reisepässe in seine Wallet integriert, treibt die Bundesregierung parallel die gesetzlichen Grundlagen für den europäischen Digitalausweis voran. Zwei Entwicklungen, die den Alltag von Millionen Bürgern verändern könnten.

Samsung Wallet: US-Reisepass jetzt digital

Seit dem 26. Mai 2026 können US-Bürger ihren Reisepass digital in der Samsung Wallet speichern. Möglich macht das eine Partnerschaft zwischen Samsung Electronics America und dem Identitätsdienstleister CLEAR. Die digitale Version des Dokuments wird nach einer Verifizierung durch CLEAR ausgestellt und lässt sich an über 250 Sicherheitskontrollen der US-Transportbehörde TSA nutzen.

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Galaxy-Nutzer mit Android 9.0 oder höher scannen einfach einen QR-Code oder tippen ihr Smartphone an den Kontrollpunkt. Die Identitätsprüfung für Inlandsflüge erfolgt dann in Sekundenschnelle. Auch für Alterskontrollen im BMO Stadium in Los Angeles ist der digitale Ausweis bereits zugelassen.

Die Sicherheit liegt bei Samsung Knox: Hardware-Verschlüsselung und biometrische Authentifizierung per Fingerabdruck oder PIN schützen die Daten. Dennoch gilt: Für internationale Reisen bleibt der physische Pass Pflicht. Auch als Backup für Inlandsflüge sollten Reisende ihn weiter dabeihaben. Damit zieht Samsung mit Apple und Google gleich, die ähnliche Angebote bereits gestartet haben.

Deutschland bereitet EU-weiten Digitalausweis vor

Während in den USA private Anbieter vorpreschen, setzt Europa auf einen staatlich regulierten Rahmen. Am 20. Mai 2026 billigte das Bundeskabinett den Entwurf für das Digital-Identitäten-Gesetz (DIdG). Es schafft die rechtliche Grundlage für die EUDI-Wallet, eine europaweit einheitliche digitale Identitätsbrieftasche.

Der Start ist für den 2. Januar 2027 geplant. Dann sollen Bürger Personalausweis, Führerschein und andere amtliche Dokumente auf dem Smartphone speichern können. Bereits jetzt ist der Umstellungprozess in vollem Gange: Seit dem 26. Mai 2026 erscheint das Bundesgesetzblatt nur noch digital.

Die Nachfrage ist da. Laut einer Bitkom-Umfrage wollen 54 Prozent der Bürger und 82 Prozent der Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern die EUDI-Wallet nutzen. Digitalminister Karsten Wildberger verspricht sich davon Impulse für den europäischen Binnenmarkt. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst spricht von einem Meilenstein, fordert aber Klarheit darüber, welche Unternehmen zur Akzeptanz der Wallet verpflichtet werden.

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Souveränität als neues Schlagwort

Die digitale Identität ist nur ein Teil eines größeren Puzzles. Am 27. Mai 2026 blockierte die Niederlande die Übernahme des Cloud-Anbieters Solvinity durch Kyndryl, einen IBM-Ableger. Solvinity hostet das niederländische Digital-Identitätssystem DigiD. Die Begründung: Der US-Cloud-Act könnte amerikanischen Behörden Zugriff auf sensible Regierungsdaten verschaffen.

Der Fall passt in ein europäisches Muster. Die EU arbeitet an einem Maßnahmenpaket für "Tech-Souveränität", das ebenfalls am 27. Mai 2026 vorgestellt wurde. Bereits im April hatte die EU einen 180-Millionen-Euro-Auftrag für eine souveräne Cloud an ein Konsortium aus vier europäischen Anbietern vergeben.

Auch Deutschland zieht nach. Die Initiative "Germany Stack" umfasst den Aufbau einer souveränen KI-Plattform für die Verwaltung. Den Zuschlag erhielten Telekom und SAP – nachdem Wettbewerber ihre Einsprüche zurückgezogen hatten.

Banken unter Zeitdruck

Für Finanzinstitute wird die Zeit knapp. Die eIDAS-2.0-Verordnung verlangt, dass Banken ab Dezember 2026 die EUDI-Wallet akzeptieren müssen. Ab dem 10. Juli 2027 wird die eIDAS-basierte Verifikation zur bevorzugten Methode für die Geldwäscheprüfung.

Das Problem: Viele Banken setzen bei der Kontoeröffnung noch auf optische Zeichenerkennung (OCR) für Ausweise. Die neuen digitalen Formate wie ISO/IEC 18013-5 mdoc und SD-JWT VC funktionieren aber anders. Sie erfordern kryptografische Signaturprüfungen und eine Bindung an den Inhaber. Wer jetzt nicht umstellt, droht ab 2027 keine neuen Kunden mehr digital identifizieren zu können.

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