Digital Identity Law: Kabinett beschließt digitale Brieftasche für 2027
21.05.2026 - 18:02:10 | boerse-global.de
Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch das Digital Identity Law, das den Weg für die europäische EUDI-Wallet ebnet. Die mobile App soll ab Januar 2027 Personalausweis, Führerschein und Impfpass auf dem Smartphone vereinen. Doch aktuelle Studien zeigen: Die Deutschen sind digital gereizt und sehnen sich nach mehr Offline-Zeit.
Die digitale Brieftasche: Was bringt sie wirklich?
Die EUDI-Wallet startet zunächst als „Soft Launch" am 2. Januar 2027. Damit erfüllt Deutschland die EU-Vorgabe, die bis zum 24. Dezember 2026 eine solche Lösung fordert. Die Regierung verspricht enorme Effizienzgewinne: Bürger könnten jährlich rund 3,9 Millionen Stunden an Behördengängen sparen. Die öffentliche Verwaltung wiederum soll langfristig über 120 Millionen Euro pro Jahr weniger ausgeben.
Die Wallet speichert Identitätsdaten lokal auf dem Gerät – geschützt durch PIN oder Fingerabdruck. Ob Kontoeröffnung, Altersnachweis oder Behördengang über die „Bund-ID"-Plattform: Die Anwendungsfälle sind vielfältig. Ein Problem bleibt jedoch die Akzeptanz. Laut einer Bitkom-Umfrage haben bisher nur 18 Prozent der Bürger die Online-Funktion ihres Personalausweises aktiviert.
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Bitkom-Präsident Wintergerst begrüßte die Integration der Wallet in bestehende Systeme, kritisierte aber die 24-monatige Übergangsfrist für Bundesbehörden als zu lang. Zudem fehlten klare Vorgaben für Kommunen.
Dauervernetzt und erschöpft: Die Schattenseite der Digitalisierung
Während die Politik immer mehr Lebensbereiche ins Smartphone verlagert, zeigt eine Studie der IU Internationalen Hochschule aus Januar 2026: Die Deutschen sind digital übersättigt. Von 2.000 Befragten gaben 81 Prozent an, ihr Smartphone mindestens einmal pro Stunde zu checken. Bei den 16- bis 30-Jährigen sind es sogar 90,6 Prozent.
Die psychologischen Folgen sind alarmierend. Rund 56 Prozent der Befragten wünschen sich, öfter offline zu sein. Besonders bei jungen Nutzern ist die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), mit 48,6 Prozent weit verbreitet. 37,2 Prozent berichten, dass sie bei digitalen Unterbrechungen schnell den Faden verlieren.
Die Zahlen offenbaren einen grundlegenden Widerspruch: Die Regierung treibt die totale Digitalisierung voran, während die Bevölkerung zunehmend unter der ständigen Erreichbarkeit leidet.
Bürokratieabbau oder neue Hürden? Der Spagat der Verwaltung
Die Digitalisierung schafft aber auch neue Probleme – besonders für ältere Menschen und Sozialleistungsempfänger. Am Mittwoch tagte erstmals die Expertenkommission zur „Digitalisierung der Sozialstaatsreform" in Berlin. Unter Leitung von Minister Bas und Digitalminister Wildberger soll bis Ende 2027 ein zentrales Portal für Sozialleistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld entstehen. Das Prinzip: Bürger geben ihre Daten nur einmal – für alle Leistungen. Doch verfassungsrechtliche Hürden bremsen das Vorhaben, da der Bund den Kommunen keine direkten Digitalisierungsvorgaben machen darf.
Für Senioren gibt es eine gemischte Nachricht: Menschen über 70 müssen ihren Personalausweis künftig nicht mehr verlängern – das spart jährlich 285.000 Verwaltungsfälle. Allerdings verlieren diese Ausweise ihre Online-Funktion und taugen nur noch zur persönlichen Identifikation im Inland. Um die digitale Kluft zu überbrücken, starten im Juni 2026 in Bendorf und anderen Regionen Schulungen für Senioren – digitale Botschafter helfen bei der Smartphone-Organisation.
Abzocke im Netz: Verbraucherschützer schlagen Alarm
Ein weiteres Ärgernis: dubiose Anbieter, die mit „Fake-Services" Geld verdienen. Die Deutsche Post und Verbraucherzentralen warnten am Donnerstag vor Drittanbietern, die für digitale Nachsendeaufträge bis zu 130 Euro verlangen – die Post selbst bietet den Service für 32 Euro an. Verbraucherschützer sprechen von „dreister Abzocke ohne Mehrwert".
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Gesundheitswesen: Zwischen Kostendruck und Lieferengpässen
Auch das Gesundheitswesen kämpft mit den Folgen der Digitalisierung und neuen Gesetzen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 28. April 2026 bringt tiefgreifende Änderungen: höhere Beitragsbemessungsgrenzen, steigende Zuzahlungen bei Zahnersatz sowie Streichungen bei Homöopathie und Cannabis-Blüten. Der Pharmaverband BPI kritisierte das Gesetz am Dienstag scharf: Preis-Moratorien gefährdeten die Entwicklung von Kinderarzneimitteln.
Am Donnerstag warnten zudem führende Pharmakonzerne wie Roche, Bayer und Eli Lilly vor Medikamentenengpässen. Internationaler Preisdruck mache es zunehmend unattraktiv, neue Medikamente nach Deutschland zu bringen. Die Zahl der Neueinführungen sei um die Hälfte eingebrochen. Konkret: Nach einem Patentstreit um das MS-Mittel Fampyra von Merz Therapeutics übernimmt die AOK die Mehrkosten bis zum 31. Juli 2026.
Souveräne Cloud: Google und Thales gründen Deutschland-Tochter
Um die Datensicherheit bei all diesen digitalen Diensten zu gewährleisten, gaben Google und Thales am Mittwoch die Gründung einer gemeinsamen deutschen Tochtergesellschaft bekannt. Die Rechenzentren werden mit deutschem Personal und unter deutschem Recht betrieben – ein Modell, das sensible Daten vor dem Zugriff ausländischer Gesetze wie dem US Cloud Act schützen soll. Ab Ende 2026 soll der Dienst breit verfügbar sein.
Ausblick: Digitalisierung mit menschlichem Maß
Bis zum Wallet-Start 2027 bleibt der Bundesregierung wenig Zeit, die Balance zu finden zwischen Effizienz und Lebensqualität. Die technische Infrastruktur nimmt Gestalt an – doch die soziale und psychologische Dimension der Transformation bleibt die größte Herausforderung. Ob Senioren-Schulungen, Verbraucherschutz oder die Begrenzung digitaler Überforderung: Die Politik muss zeigen, dass sie nicht nur Datenströme, sondern auch Menschen im Blick hat.
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