DiGAs: 59 zugelassene Apps gegen Diabetes, Depression und Tinnitus
01.06.2026 - 20:30:54 | boerse-global.deDas Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet aktuell 59 zugelassene Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) – von ADHS bis Zahnfleischentzündung. Seit dem 1. Juni 2026 setzen immer mehr Praxen auf die digitale Verschreibung.
Die Bandbreite der verordnungsfähigen Apps ist beeindruckend: Sie decken Erkrankungen wie Depressionen, Rückenschmerzen, Tinnitus, Diabetes, Adipositas und Schlafstörungen ab. Üblicherweise werden die Anwendungen für 90 Tage verordnet. Ihr Status im DiGA-Verzeichnis ist entweder vorläufig oder dauerhaft – abhängig von der vorgelegten klinischen Evidenz.
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Der Zugang für Patienten folgt einem klaren Schema: Ein Arzt stellt ein Rezept aus, die Krankenkasse gibt einen Freischaltcode frei. Gesundheitsdienstleister wie Avi Medical haben mittlerweile eine Auswahl klinisch geprüfter Apps in ihr Standard-Angebot integriert. Dazu gehören Oviva gegen Adipositas und Bluthochdruck sowie spezialisierte Anwendungen wie elona explore, Selfapy und somnio.
Klinische Erfolge und technische Hürden
Aktuelle Forschungsergebnisse untermauern den Nutzen digitaler Helfer. Auf der DGK-Jahrestagung Anfang 2026 diskutierten Experten den Einsatz von Wearables und Apps in der Kardiologie. Wearable-basierte EKGs erkennen Vorhofflimmern mit einer Sensitivität von rund 95 Prozent und einer Spezifität von 97 Prozent. Allerdings enthält das DiGA-Verzeichnis bislang nur zwei Anwendungen für die Kardiologie. Eine davon, PreventiPlaque, verbessert nachweislich die LDL-Cholesterinwerte und die Lebensqualität der Patienten.
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Im Bereich der Mundgesundheit untersuchte eine Studie mit 194 Patienten an sieben Universitätskliniken die App ParoComPas zur Behandlung von Parodontitis. Das Ergebnis: Patienten mit moderater Nutzung erzielten eine um 16,2 Prozentpunkte bessere Plaquekontrolle als Wenignutzer. Auch die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität stieg. Doch die Technik hakte: Push-Benachrichtigungen erreichten nur 24 Prozent der Teilnehmer – ein klarer Hinweis auf Verbesserungsbedarf.
Investitionen und Infrastruktur wachsen
Die Expansion digitaler Anwendungen fällt mit der fortschreitenden Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens zusammen. Die elektronische Patientenakte (ePA) startete am 15. Januar 2025 als Widerspruchslösung und bündelt nun Medikationsdaten und Behandlungshistorien. Ärzte wie Dr. Nicolas Kahl sehen darin Potenzial für optimierte Behandlungen, während die gematik auf einen patientenzentrierten Informationszugang setzt. Seit Sommer 2025 übernehmen die Krankenkassen zudem Nikotinersatztherapien bei schwerer Abhängigkeit – Voraussetzung ist die Teilnahme an zertifizierten Entwöhnungsprogrammen.
Die wirtschaftliche Basis dieser Innovationen zeigt regionale Schwerpunkte. Der Leipziger SpinLab-Accelerator hat 226 Startups mit einer Überlebensrate von 89 Prozent unterstützt. Zu den Erfolgsgeschichten zählen die Schlaf-App somnio, die von einem internationalen Medizintechnikunternehmen übernommen wurde, und die Rückenschmerz-Anwendung eCovery.
Die Investitionsbereitschaft bleibt hoch. Laut Berichten von Anfang Juni 2026, die mit dem bio:cap-Investment-Event in Berlin zusammenfallen, hat die IBB Ventures in den letzten drei Jahren jährlich über 40 Millionen Euro in die Gesundheitswirtschaft investiert. Ziel ist es, die Lücke zwischen Forschung, Startups und Marktzugang zu schließen – besonders für Anwendungen, die eine komplexe Zertifizierung nach Medizinprodukterichtlinien benötigen.
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