DiGA-Boom, Verordnungen

DiGA-Boom: Über eine Million Verordnungen 2024, 80% Aktivierungsquote

21.06.2026 - 04:32:35 | boerse-global.de

Über eine Million DiGA-Verordnungen 2024: Digitale Gesundheitsanwendungen etablieren sich als Therapieoption bei Schlafstörungen.

Schlaf-Apps auf Rezept: Digitale Therapie gegen Insomnie im Aufwind
DiGA-Boom - Eine Person hält ein Smartphone mit einer Schlaf-Tracking-App in einem abgedunkelten Schlafzimmer. Das Display leuchtet sanft. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) – sogenannte „Apps auf Rezept“ – werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Besonders bei chronischer Insomnie setzen Ärzte auf die kognitive Verhaltenstherapie, die nun auch digital verfügbar ist.

Zwei Apps dominieren den Markt

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet spezifische Anwendungen für Ein- und Durchschlafstörungen. Die bekanntesten Vertreter: somnio und HelloBetter Schlafen. Beide basieren auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), die laut medizinischen S3-Leitlinien als vorrangige Behandlungsmethode gilt.

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HelloBetter Schlafen umfasst acht Einheiten über zwölf Wochen. Über 120.000 Teilnehmende haben das Programm bereits genutzt. Voraussetzung für die Kostenübernahme: eine ärztliche Diagnose der Insomnie nach den ICD-Codes G47.0 oder F51.0. Nach dem Rezept erhalten Versicherte einen Freischaltcode von ihrer Krankenkasse – lediglich die gesetzliche Zuzahlung fällt an.

Boom bei digitalen Verordnungen

Die Akzeptanz digitaler Therapien steigt rasant. Einem Bericht des GKV-Spitzenverbandes an den Bundestag zufolge wurden 2024 über eine Million DiGA-Verordnungen ausgestellt. 861.053 Freischaltcodes wurden aktiviert – eine Quote von rund 80 Prozent. Schlafstörungen bilden neben psychischen sowie Muskel- und Skelett-Erkrankungen einen Schwerpunkt.

Doch die Branche diskutiert über Preise und Angebot. Branchenanalysen vom Mai 2025 zeigten: Der Durchschnittspreis für eine DiGA lag im ersten Listungsjahr bei etwa 541 Euro. Spitzenreiter erreichten über 2.000 Euro. Kritiker bemängelten zudem, dass nur ein Bruchteil der gelisteten Apps dauerhaft verfügbar sei. Reformforderungen im Zulassungsprozess wurden laut.

Hormone beeinflussen Schlaf – besonders bei Frauen

Die Medizin rückt geschlechtsspezifische Aspekte in den Fokus. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) betonte am 19. Juni 2026: Hormonelle Schwankungen während Menstruation, Schwangerschaft, Wochenbett oder in den Wechseljahren können den Schlaf massiv beeinträchtigen.

Frauenärzte sind oft die erste Anlaufstelle. Chronische Schlafprobleme erhöhen langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen. Die Fachgesellschaft empfiehlt daher die konsequente Nutzung der kognitiven Verhaltenstherapie. Digitale Angebote gelten als niederschwellige Möglichkeit, die Behandlungslücke zu schließen – besonders wenn Therapieplätze fehlen.

Wann die App nicht hilft: Abgrenzung zur Schlafapnoe

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Die Medizin trennt strikt zwischen psychologisch bedingter Insomnie und organischen Störungen. Während bei Insomnie digitale Therapie-Apps zum Einsatz kommen, erfordert das Schlafapnoe-Syndrom meist apparative Lösungen wie die CPAP-Beatmung. Schätzungsweise 16 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen.

Das Bundessozialgericht präzisierte die rechtlichen Anforderungen für eine Schwerbehinderung. In einem Urteil vom 11. Juni 2026 (Az. B 9 SB 5/24 R) stellten die Richter klar: Eine Schlafapnoe führt nicht automatisch zu einem Grad der Behinderung (GdB) von 50. Voraussetzung ist, dass eine CPAP-Therapie nachweislich nicht durchgeführt werden kann und die Tagesschläfrigkeit einer Narkolepsie gleichkommt.

Für Patienten mit klassischen Ein- und Durchschlafstörungen ohne organische Ursache bleibt die kognitive Verhaltenstherapie das Mittel der Wahl – ob digital oder analog.

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