DiGA-Boom: Über eine Million psychische Erkrankungen digital behandelt
20.06.2026 - 19:13:13 | boerse-global.de
Die digitale Gesundheitsrevolution nimmt Fahrt auf – doch das Preismodell gerät unter Druck.
Rekordzahlen bei digitalen Rezepten
Die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) wächst rasant. Rund 861.053 Freischaltcodes wurden 2024 aktiviert. Das entspricht einer Quote von vier von fünf verordneten Anwendungen.
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Die Schwerpunkte liegen klar: Psychische Erkrankungen dominieren die Verordnungen. Daneben gehören Stoffwechselstörungen sowie Muskel-Skelett- und Ohrenkrankheiten zu den häufigsten Indikationsgebieten. 13 Prozent der Rezepte genehmigten die Krankenkassen direkt – ohne Umweg über den Arzt.
Preise unter Beschuss
Das Vergütungssystem steht in der Kritik. Der durchschnittliche Preis für eine DiGA liegt im ersten Jahr bei 541 Euro. Spitzenreiter kosten über 2.000 Euro. Der GKV-Spitzenverband schlägt Alarm: Von 68 gelisteten Anwendungen haben nur zwölf einen dauerhaften Platz gefunden.
Die Branche fordert Reformen. Hersteller sollen den medizinischen Nutzen bereits vor der Listung nachweisen. Und die Preise? Die könnten künftig schon ab dem ersten Jahr verhandelt werden – statt wie bisher die Hersteller frei entscheiden zu lassen.
Infrastruktur wird digital
Parallel dazu modernisiert sich die technische Basis. Im Juni 2026 einigten sich die Gematik-Gesellschafter auf einen Fahrplan für die TI 2.0 – eine souveräne Open-Source-Plattform. Die neue Infrastruktur bündelt E-Rezept und elektronische Patientenakte (ePA) und setzt verstärkt auf Cloud-Umgebungen.
Das Ziel: weniger Hardware-Abhängigkeit, mehr mobile Nutzung und digitale Identitäten. Krankenkassen fordern eine klare Trennung zwischen Regulierung und Marktaktivitäten. Monopole sollen vermieden werden.
Finanzdruck wächst
Der digitale Ausbau kommt nicht zu früh. Im ersten Quartal 2026 stiegen die GKV-Ausgaben um 7,6 Prozent – die Einnahmen nur um 4,1 Prozent. Für 2027 prognostizieren Experten eine Finanzierungslücke von rund 19 Milliarden Euro.
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Bundesgesundheitsministerin Warken fordert zusätzliche Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro. Der Blick ins europäische Ausland zeigt: Digitalisierung kann helfen. Österreichische Gesundheitseinrichtungen berichten von Zeiteinsparungen zwischen 52 und 62 Prozent pro Aufgabe. 80 Prozent der Einrichtungen meldeten eine gesunkene Arbeitsbelastung bei steigender Zufriedenheit.
Krankenhäuser holen auf
Auch in Deutschland zeigt sich Fortschritt. Der digitale Reifegrad der Krankenhäuser stieg von 33,3 Punkten (2021) auf 55 von 100 Punkten (2026). Fachleute sehen die Impulse des Krankenhauszukunftsgesetzes als Treiber. Allerdings fehlt eine nachhaltige Finanzierung der laufenden Betriebskosten für die neue Infrastruktur.
