Diabetisches Makulaödem: Aflibercept 8 mg verlängert Abstände auf 16 Wochen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie medizinische Versorgung beim diabetischen Makulaödem steht vor einer Weiterentwicklung hin zu länger wirksamen Behandlungskonzepten. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) widmet sich dieser Thematik im Rahmen einer Online-Pressekonferenz am 21. Oktober 2026 um 11 Uhr.
Im Mittelpunkt stehen klinische Entwicklungen, die darauf abzielen, die Behandlungsfrequenz für Betroffene durch seltenere Injektionen in das Auge zu verringern, ohne therapeutische Einbußen hinzunehmen.
Klinische Studien zu höherer Dosierung und Depotsystemen
Prof. Katrin Lorenz von der Arbeitsgemeinschaft Klinische Studienzentren der DOG verweist auf neuere Studiendaten zur Reduktion der Behandlungslast. In der Phase-2/3-Studie PHOTON mit 658 Patienten mit diabetischem Makulaödem erzielte Aflibercept in einer 8-mg-Dosierung mit verlängerten Intervallen von 12 oder 16 Wochen nach 96 Wochen vergleichbare Sehschärfengewinne wie die bisherige Standardgabe von 2 mg alle acht Wochen.
Die Verabreichung der höheren Dosis ging dabei mit einer geringeren Anzahl notwendiger Injektionen einher. Ein italienischer Expertenkonsensus befasste sich ebenfalls mit dem Einsatz von Aflibercept 8 mg bei diabetischem Makulaödem und neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration, um Leitlinien für Patientenauswahl, Dosierungsschemata und Sicherheitsaspekte in der Praxis zu definieren.
Parallel dazu untersuchte die Phase-3-Studie PAGODA mit 634 Teilnehmenden ein Ranibizumab-Depot, das alle 24 Wochen nachgefüllt wurde. Nach rund 15 Monaten zeigte sich eine dem monatlichen Injektionsregime vergleichbare Sehverbesserung.
Allerdings traten unter dem Depotsystem häufiger implantat- und behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse auf. Weitere Phase-III-Untersuchungen laufen derzeit zu einem abbaubaren Vorolanib-Depot, wobei der direkte Vergleich mit Aflibercept noch aussteht.
Krankheitslast und Stellenwert der Früherkennung
Ein diabetisches Makulaödem kann in jedem Stadium der diabetischen Retinopathie auftreten, von der leichten, mittelschweren und schweren nicht-proliferativen Retinopathie bis hin zum proliferativen Stadium.
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Epidemiologische Hochrechnungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 weltweit 552 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden. Etwa 40 Prozent davon befinden sich in der Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren, und ein Drittel trägt das Risiko für Sehverluste infolge einer diabetischen Retinopathie.
Die sozioökonomische Dimension verdeutlichen Daten aus Algerien, wo die Diabetes-Prävalenz auf 14 Prozent bis 17,5 Prozent geschätzt wird und über 191.000 Menschen von einem Makulaödem betroffen sind.
Berechnungen von Prof. Achouri Mohamed Yacine (CHU Nefissa Hammoud) zeigen, dass der Sehverlust zu 34,5 Prozent direkte sozioökonomische Kosten verursacht, während 65,5 Prozent der Gesamtlast von Angehörigen getragen werden.
Der Einsatz länger wirksamer Therapien könnte dort über einen Zeitraum von fünf Jahren Nettoeinsparungen von bis zu 6,05 Milliarden Dinar für das nationale Gesundheitssystem ermöglichen.
Präventive Ansätze und therapeutische Optionen
Hinsichtlich prophylaktischer Maßnahmen lieferte das Protokoll W des DRCR Retina Network mit 328 Erwachsenen und 399 Augen langfristige Erkenntnisse: Eine prophylaktische Gabe von Aflibercept senkte die kumulative Vier-Jahres-Rate einer proliferativen Retinopathie oder eines visusbedrohenden Makulaödems auf 33,9 Prozent gegenüber 56,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Die mittlere Sehschärfenänderung wies mit minus 2,7 Buchstaben im Vergleich zu minus 2,4 Buchstaben jedoch keinen signifikanten Unterschied auf.
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Das therapeutische Spektrum bei diabetischen Netzhauterkrankungen umfasst neben intravitrealen Anti-VEGF- oder Kortikosteroid-Injektionen auch die Laser-Photokoagulation sowie Pars-plana-Vitrektomien bei schweren Komplikationen.
Fachleute unterstreichen zudem die strikte Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sowie standardisierte Screening-Intervalle: Bei Typ-1-Diabetes sollte die augenärztliche Erstuntersuchung innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose erfolgen (bei Kindern nach fünf Jahren oder ab der Pubertät), während bei Typ-2-Diabetes eine sofortige Untersuchung nach der Diagnose und anschließend jährliche Kontrollen geboten sind.
