Diabetische, Retinopathie

Diabetische Retinopathie: Lichtblitze und Rußregen sofort abklären lassen

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DDG empfiehlt regelmäßige Netzhautchecks; Studien untersuchen Risikofaktoren, Therapien und automatisierte Erkennung.

Diabetische Retinopathie: Frühe Kontrollen und neue Studienergebnisse
Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit Fokus auf die Iris und die Pupille in einer klinischen, ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die diabetische Retinopathie zählt zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus, entwickelt sich jedoch über lange Zeiträume hinweg oft unbemerkt. Anlässlich des World Retina Day wies die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass die Netzhaut trotz eines scheinbar unbeeinträchtigten Sehvermögens bereits erhebliche Schädigungen aufweisen kann.

Da funktionelle Sehstörungen häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten, sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen entscheidend, um Gefäßveränderungen frühzeitig zudiagnostizieren und therapeutisch einzugreifen.

Hohe Verbreitung und empfohlene Untersuchungsintervalle

Nach Angaben der DDG betrifft die Erkrankung rund jeden vierten Menschen mit Typ-1-Diabetes. Bei Personen mit Typ-2-Diabetes liegt der Anteil demnach bei 10 bis 15 Prozent. Um irreversible Schäden zu verhindern, empfiehlt die Fachgesellschaft klare Kontrollintervalle: Bei Typ-2-Diabetes sollte die erste Netzhautuntersuchung unmittelbar bei Diagnosestellung erfolgen.

Für Betroffene mit Typ-1-Diabetes wird die Erstuntersuchung fünf Jahre nach der Diagnose empfohlen. Liegen keine zusätzlichen Risikofaktoren vor, genügen in der Folge meist Untersuchungen alle zwei Jahre, während bei erhöhtem Risiko jährliche Kontrollen vorgesehen sind.

Akute Warnzeichen erfordern hingegen ein sofortiges Handeln. Symptome wie Lichtblitze, sogenannter Rußregen oder die Wahrnehmung eines dunklen Vorhangs können laut der Fachgesellschaft auf eine Netzhautablösung oder eine Beteiligung der Makula hinweisen und müssen umgehend augenärztlich abgeklärt werden.

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Risikofaktoren und Krankheitsverlauf

Zusätzliche Einblicke in die Risikofaktoren liefert eine im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Diabetes, Obesity and Metabolism veröffentlichte INAUGURAL-Auswertung der französischen SFDT1-Kohorte durch Cosson E. et al.

Bei 3.548 untersuchten Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes und einer medianen Krankheitsdauer von 20 Jahren hatten 377 Personen eine Intensivaufnahme zum Zeitpunkt ihrer Erstdiagnose angegeben. In dieser Gruppe lag der Anteil mit einer Retinopathie bei 36,6 Prozent, verglichen mit 31,4 Prozent bei Personen ohne Intensivaufnahme.

Schwere Hypoglykämien im vorangegangenen Jahr traten bei 15,4 Prozent gegenüber 10,5 Prozent auf. Die Zusammenhänge blieben auch nach statistischer Anpassung an Alter, Diabetesdauer und Glukosekontrolle bestehen, insbesondere bei Patienten mit jüngerem Diagnosealter. Da es sich um Querschnittsdaten handelt, lässt sich daraus jedoch keine Kausalität ableiten.

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Neue Erkenntnisse aus Präklinik und klinischer Forschung

Neben der Diagnostik stehen molekulare Mechanismen und pharmakologische Ansätze im Fokus der Wissenschaft. In einer am 10. Oktober 2026 im Fachjournal Cell Death Discovery publizierten Studie zeigten Forschende, dass ein hoher Glukosespiegel das mitochondriale Peptid MOTS-c in retinalen Endothelzellen senkt.

Eine Verabreichung von MOTS-c schützte die Zellbarriere und die retinalen Gefäße in Zellkulturen sowie in diabetischen Mäusen über den Signalweg PLA2G6 und den Abbau von Lipidperoxiden. Diese Ergebnisse sind rein präklinisch; Fragen zu Dosierung, Verabreichung und Sicherheit beim Menschen sind noch ungeklärt.

Auf klinischer Ebene legte das Pharmaunternehmen Merck am 11. Oktober 2026 auf der Jahrestagung der American Academy of Ophthalmology Ergebnisse der Phase-2b/3-Studie BRUNELLO zum diabetischen Makulaödem vor. In der Studie mit 984 Teilnehmenden wurde der Wirkstoff Remigromig in Dosen von 0,5 mg und 0,8 mg mit einer monatlichen Gabe von 0,5 mg Ranibizumab verglichen.

Nach einem Jahr lag der mittlere Sehschärfegewinn bei 9,1 beziehungsweise 8,7 Buchstaben unter Remigromig und bei 11,8 Buchstaben unter Ranibizumab. Damit erzielten beide Remigromig-Dosierungen das Kriterium der Nicht-Unterlegenheit, verfehlten jedoch eine Überlegenheit bei sekundären Endpunkten.

Proliferative Retinopathie-Ereignisse traten bei 6,7 Prozent beziehungsweise 6,1 Prozent der Behandelten unter Remigromig auf, verglichen mit 0,9 Prozent unter Ranibizumab. Die Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse beliefen sich auf 4,9 Prozent und 4,5 Prozent gegenüber 0,9 Prozent. Merck kündigte an, Gespräche mit den Zulassungsbehörden führen zu wollen.

Ansätze zur automatisierten Erkennung

Parallel zur Wirkstoffforschung untersuchen Forschende automatisierte Methoden zur Befundung. Eine in Discover Artificial Intelligence publizierte Untersuchung der Forschenden S. Afzal, Biswambhar Rakshit und K. Somasundaram evaluierte die Modelle GraphSAGE und GIN anhand von Netzhautbildern des APTOS-2019-Datensatzes.

In der binären Klassifikation erzielte das Modell GIN eine Genauigkeit von 96,86 Prozent, einen Recall von 98,66 Prozent und einen F1-Wert von 96,96 Prozent. GraphSAGE erreichte eine Genauigkeit von 96,45 Prozent, eine Präzision von 95,53 Prozent, eine Spezifität von 95,29 Prozent sowie einen ROC-AUC-Wert von 0,992319, während GIN hier bei 0,986976 lag.

Die Unterschiede zwischen den Modellen waren statistisch nicht signifikant. Für einen verlässlichen klinischen Einsatz betonen die Autoren den Bedarf an prospektiven, multizentrischen Validierungen.

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