Diabetische Neuropathie: 93% Schmerzlinderung durch Rückenmarkstimulation
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die schmerzhafte diabetische Neuropathie stellt für das Gesundheitswesen eine erhebliche ökonomische und medizinische Herausforderung dar. Schätzungen zufolge sind zwischen 28 und 55 Prozent der Diabetespatienten von dieser Komplikation betroffen.
Allein in den USA verursachen die direkten medizinischen Kosten laut Berichten in Fachzeitschriften wie Drugs & Aging jährlich mehr als 10 Mrd. USD. Aktuelle Forschungsergebnisse beleuchten nun sowohl invasive technologische Ansätze als auch neue pharmakologische Entwicklungen, um die oft therapieresistenten Schmerzen zu lindern.
Ergebnisse zur hochfrequenten Rückenmarkstimulation
Eine im Fachjournal Diabetes Care am 9. September 2026 veröffentlichte Untersuchung der Wake Forest University liefert neue Daten zur Wirksamkeit der 10-kHz-Rückenmarkstimulation (SCS). An der Studie nahmen 91 Erwachsene in 13 Zentren über einen Zeitraum von sechs Monaten teil. Im Fokus stand die Anwendung bei Patienten mit therapieresistenter, schmerzhafter diabetischer Neuropathie.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine signifikante Schmerzreduktion. Bei der Verwendung einer temporären Stimulation erreichten 79,4 Prozent der Probanden eine Schmerzverringerung von mindestens 50 Prozent.
Nach der Implantation eines dauerhaften Systems stieg dieser Anteil bei der Nachbeobachtung nach sechs Monaten auf 93,1 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichnete die Kontrollgruppe lediglich bei 4 Prozent der Teilnehmer eine vergleichbare Schmerzlinderung.
Neben klinischen Therapieverfahren suchen viele Betroffene nach ergänzenden Wegen, um ihre Werte im Alltag positiv zu beeinflussen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt sieben einfache 3-Minuten-Übungen, mit denen sich der Blutzucker auf natürliche Weise senken lässt. 7 einfache Diabetes-Übungen kostenlos herunterladen
Neben der reinen Schmerztherapie dokumentierten die Forscher auch Verbesserungen der sensorischen Funktionen. Diese wurden bei 55,2 Prozent der Studienteilnehmer festgestellt, während der Wert in der Vergleichsgruppe bei 25 Prozent lag.
Zudem deuteten Hautbiopsien an der Wade auf regenerative Prozesse hin: Die Nervenfaserdichte erhöhte sich in der Interventionsgruppe um 56 Prozent. Die Autoren der Studie wiesen jedoch einschränkend darauf hin, dass die Untersuchung vorzeitig beendet wurde und keine Verblindung vorlag. Das Verfahren gilt als invasiv und erfordert eine spezialisierte medizinische Durchführung.
Pharmakologische Entwicklungen und präklinische Daten
Parallel zu den apparativen Verfahren werden neue medikamentöse Ansätze erforscht. Das Unternehmen MIRA Pharmaceuticals (NASDAQ:MIRA) untersucht derzeit das orale Ketamin-Analogon Ketamir-2. In einem Rattenmodell für Typ-2-Diabetes, bei dem die Erkrankung durch eine Hochfettdiät und Streptozotocin (STZ) induziert wurde, konnte der Wirkstoffkandidat neuropathische Schmerzsymptome reduzieren. In einigen Fällen wurde sogar eine Rückkehr zu den Ausgangswerten beobachtet.
Die klinische Entwicklung des Wirkstoffs ist bereits fortgeschritten. Am Hadassah Medical Center in Jerusalem wurde eine Phase-I-Studie durchgeführt, deren Abschluss für das vierte Quartal 2025 geplant war.
Für den Zeitraum Ende 2025 sah die Planung des Unternehmens zudem den Beginn einer Phase-IIa-Studie speziell für Patienten mit diabetischer Neuropathie vor. Erste Daten zur Wirksamkeit dieser Untersuchung wurden für das erste Halbjahr 2026 in Aussicht gestellt.
Da die Ernährung eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Diabetes Typ 2 spielt, rücken fundierte Ernährungskonzepte immer stärker in den Fokus. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Guide eines betroffenen Mediziners die sechs entscheidenden Regeln für eine stabile Blutzuckerkontrolle. Kostenlosen Ernährungs-Ratgeber mit Rezepten sichern
Einordnung der aktuellen Forschungslandschaft
Die vorliegenden Daten verdeutlichen die Diversifizierung der Behandlungsstrategien. Während die Rückenmarkstimulation durch das invasive Einsetzen von Implantaten eine technologische Lösung für schwere, medikamentös nicht behandelbare Fälle bietet, zielen Entwicklungen wie die von MIRA Pharmaceuticals auf eine systemische, orale Therapie ab.
Beide Ansätze adressieren den dringenden Bedarf an wirksamen Therapien, um sowohl die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern als auch die hohen volkswirtschaftlichen Kosten der diabetischen Folgeerkrankung zu senken.
Die weitere Beobachtung der Langzeitwirkung der Rückenmarkstimulation sowie der klinischen Ergebnisse neuer Wirkstoffklassen bleibt für die künftige Versorgungspraxis entscheidend.
