Diabetische Fußhaut: 12 Studien belegen den Vorteil von Harnstoffcremes
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deTrockene Haut an den Füßen stellt für Menschen mit Diabetes mellitus ein erhebliches medizinisches Risiko dar. Eine systematische Übersichtsarbeit der schwedischen Universitäten Malmö und Lund, publiziert in der Fachzeitschrift Frontiers in Clinical Diabetes and Healthcare, liefert nun eindeutige Evidenz zur Wirksamkeit harnstoffhaltiger Pflegeprodukte.
Die Auswertung von zwölf randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 603 Teilnehmenden und 949 untersuchten Füßen belegt, dass feuchtigkeitsspendende Cremes mit Harnstoff (Urea) herkömmlichen Basiscremes bei der Behandlung der diabetischen Fußxerose überlegen sind.
Deutlicher Vorsprung gegenüber Standard-Basiscremes
Die Ergebnisse der Metaanalyse verdeutlichen den Nutzen von Harnstoff über verschiedene Behandlungszeiträume hinweg. Nach zwei Behandlungswochen zeigte sich eine standardisierte mittlere Differenz (SMD) von -0,58 zugunsten der harnstoffhaltigen Formulierungen, wenngleich bei hoher Heterogenität der zugrundeliegenden Daten. Nach vier Wochen lag die standardisierte mittlere Differenz bei -0,30 – diesmal ohne Heterogenität und mit hoher Evidenzsicherheit.
Bei der isolierten Betrachtung harnstoffhaltiger Cremes nach vierwöchiger Anwendung ergab sich ein SMD-Wert von -0,36 bei hoher Ergebnissicherheit. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Kombinationen: Der Vergleich von Formulierungen mit Harnstoff, Arginin und Carnosin gegenüber Glycerin (in Konzentrationen von 40 Prozent und 15 Prozent) wies eine Differenz von SMD -1,09 auf, ebenfalls eingestuft mit hoher wissenschaftlicher Sicherheit. Die in den analysierten Studien untersuchten Harnstoffkonzentrationen bewegten sich in einer Spanne von 5 bis 25 Prozent.
Hohe Relevanz angesichts drohender Spätfolgen
Eine konsequente Basispflege der Haut ist bei Diabetes von zentraler Bedeutung, da die Xerose häufig den Ausgangspunkt für gravierende Folgeschäden bildet.
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Laut der Übersichtsarbeit entwickeln etwa 4 bis 10 Prozent der Diabetiker Fußulzera; das Lebenszeitrisiko für solche Geschwüre liegt bei bis zu 34 Prozent. Die globale Dimension der Erkrankung wächst zudem stetig: Bis zum Jahr 2045 wird weltweit eine Zahl von 783 Millionen Menschen mit Diabetes prognostiziert.
Auch Fachgesellschaften betonen die Dringlichkeit frühzeitiger Prävention. Nach Angaben der spanischen Wundgesellschaft Sociedad Española de Heridas (Seher) entwickeln 15 bis 25 Prozent der Diabetiker ein Fußulkus. Bei 80 Prozent dieser Betroffenen bestehe das Risiko einer nichttraumatischen Amputation.
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Weltweit sind jährlich 18,6 Millionen Menschen von diabetischen Fußulzera betroffen. Seher verweist zudem auf eine Fün-Jahres-Mortalität von 49,1 Prozent nach Auftreten eines Fußulkus, die nach einer Major-Amputation auf über 70 Prozent ansteige.
Wirkungsweise und Grenzen in der Praxis
Harnstoff bindet in der Hornschicht Feuchtigkeit und erweicht verdicktes Keratin. Handelsübliche Produkte enthalten zumeist 10 oder 20 Prozent Urea, wobei höhere Konzentrationen zwar die keratolytische Wirkung verstärken, zugleich aber das Reizungspotenzial erhöhen. Experten empfehlen für die allgemeine Pflege das Auftragen nach dem Baden oder Duschen; das Tragen von Socken kann das Einziehen an den Fersen unterstützen.
Gleichzeitig erfordert der Einsatz bei Diabetikern klare Vorsichtsmaßnahmen: Harnstoffcremes eignen sich für intakte Haut an Fersen oder Handflächen, sind jedoch bei offenen Rissen, Wunden oder Ekzemen ungeeignet.
Bei bereits bestehenden Hautrissen sollte zunächst auf Alternativen wie Vaseline oder verordnete Präparate zurückgegriffen werden. Zeigt sich bei trockener Haut nach zwei bis drei Wochen keine Besserung oder treten akute Läsionen auf, ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unerlässlich.
