Diabetesrisiko: UCL-Modelle sagen Erkrankungen bis zu 15 Jahre voraus
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Identifizierung von Personen mit einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes gewinnt angesichts steigender Patientenzahlen und hoher Behandlungskosten zunehmend an Bedeutung.
Forschungsteams des University College London (UCL) haben Modelle entwickelt und validiert, die eine Vorhersage des Erkrankungsrisikos über Zeiträume von 5, 10 und 15 Jahren ermöglichen. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit wurden in der Fachzeitschrift Diabetes, Obesity and Metabolism publiziert.
Validierung neuer Vorhersagemodelle durch UCL-Forschende
Für die Entwicklung der Modelle nutzten die Forschenden Daten aus der WHII-Kohorte. Der Trainingsdatensatz umfasste 4.502 Personen, während der Testdatensatz aus 1.929 Teilnehmenden bestand. Eine externe Validierung der statistischen Modelle erfolgte zudem mithilfe der ELSA-Daten. In der Testkohorte von WHII wurden 235 Diabetesfälle dokumentiert, in der ELSA-Gruppe traten 255 Fälle auf.
Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist die Leistungsfähigkeit der Modelle LASSO und Random Survival Forest (RSF). Nach einem Zeitraum von 10 Jahren lag der sogenannte C-Index für das RSF-Modell in der ELSA-Kohorte bei 0,822, während das LASSO-Modell einen Wert von 0,820 erreichte.
Die Forschenden stellten fest, dass beide Ansätze eine ähnliche Vorhersagequalität aufweisen. Das LASSO-Modell benötige jedoch weniger Prädiktoren, was einen potenziell einfacheren Einsatz in der medizinischen Primärversorgung ermöglichen könnte.
Die sozioökonomische Bedeutung der Diabetes-Prävention in Deutschland
Die Notwendigkeit präziser Vorhersagemodelle wird durch aktuelle Kennzahlen zur Diabetesverbreitung unterstrichen. Laut Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) leben in Deutschland derzeit mehr als 9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes.
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Die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich: Die direkten medizinischen Kosten für betroffene Personen liegen etwa doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Diabetes. Für das Jahr 2024 wurden die diabetesbezogenen Gesundheitsausgaben in Deutschland auf rund 36 Milliarden Euro beziffert.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die DDG eine frühzeitige Ermittlung des persönlichen Risikos. Hierfür stehen bereits geprüfte Instrumente wie der DIfE-Deutsche-Diabetes-Risiko-Test zur Verfügung, der die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung innerhalb der nächsten 10 Jahre schätzt.
Experten der Gesellschaft fordern, Hochrisikopatienten gezielter zu identifizieren, um präventive Lebensstilinterventionen intensivieren zu können. Studien belegen den Erfolg solcher Maßnahmen: Bei Personen mit einem Hochrisiko-Prädiabetes konnte das Leberfett durch eine intensive Intervention um relativ 37 % gesenkt werden.
Soziale Determinanten und lebenslange Risikofaktoren
Aktuelle Analysen auf Basis der German National Cohort (NAKO), die rund 205.000 Teilnehmende umfasst, verdeutlichen zudem den Einfluss sozioökonomischer Faktoren. Forschende des BIPS stellten fest, dass Armut, ein geringeres Bildungsniveau und ein eigener Migrationshintergrund bei jungen Erwachsenen in Deutschland mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert sind.
Diese Zusammenhänge blieben auch unter Berücksichtigung der Familiengeschichte und des individuellen Lebensstils bestehen. Die Wissenschaftler plädieren daher für strukturelle Präventionsmaßnahmen statt einer ausschließlichen Konzentration auf individuelle Verhaltensempfehlungen.
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Ergänzend dazu zeigen Langzeitdaten des Karolinska-Instituts, dass bereits Übergewicht im Kindesalter langfristige Folgen hat. In einer Untersuchung von über 7.000 Kindern mit Adipositas entwickelten 9,1 % bis zum Alter von 30 Jahren einen Typ-2-Diabetes, während dieser Anteil in der Vergleichsgruppe bei lediglich 0,5 % lag. Eine Gewichtsabnahme während der Behandlung reduzierte das spätere Risiko jedoch signifikant.
Innovationen in der Diagnostik und medikamentösen Therapie
Parallel zur Risikovorhersage entwickeln sich auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten weiter. Das Unternehmen Precision Diabetes vereinbarte mit DirectSens die US-Vermarktung eines neuen Tests auf Basis von Alpha-Hydroxybutyrat (AHB).
Eine Studie aus dem Jahr 2026 bestätigte einen unabhängigen Zusammenhang zwischen erhöhten AHB-Werten und einer späteren Diabeteserkrankung. Der Assay ist zudem in der Lage, Störungen des Zuckerstoffwechsels bei Personen mit normalen Nüchternblutzuckerwerten zu erkennen.
Im Bereich der Pharmakotherapie meldete Roche positive Ergebnisse aus einer Phase-II-Studie für den Wirkstoff Enicepatide. Bei einer Dosierung von 24 mg sank der HbA1c-Wert über 48 Wochen im Mittel um 2,65 Prozentpunkte, während das Körpergewicht der Probanden um durchschnittlich 15,5 % abnahm. Das Unternehmen plant, ab der ersten Jahreshälfte 2027 Phase-III-Studien zur Blutzuckerkontrolle und zu kardiovaskulären Auswirkungen durchzuführen.
