Diabetesprävention: Gewichtsabnahme senkte das Risiko um 58 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht allein klassische Süßigkeiten führen zu starken Schwankungen des Glukosespiegels, sondern vor allem auch raffinierte Kohlenhydrate. Wie Dr. Jin Hui, Chefarzt der Endokrinologie am Zhongda-Krankenhaus der Southeast University in Nanjing, darlegt, lassen Nahrungsmittel wie Weißreis, Weißnudeln und Gebäck aus Weißmehl den Blutzucker rasch in die Höhe schnellen.
Zudem belasten Lebensstilfaktoren wie langes Sitzen, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten und Überessen die körpereigene Insulinproduktion zusätzlich.
Zunehmende Risiken abseits des höheren Alters
Nach Einschätzung von Dr. Jin Hui ist Diabetes keine reine Alterskrankheit mehr. Bei jüngeren Menschen trete die Stoffwechselstörung häufig lebensstilbedingt auf. Dabei könne der Nüchternblutzucker zunächst noch im unauffälligen Bereich liegen, während die Werte nach der Nahrungsaufnahme bereits krankhaft erhöht seien.
Ein besonderes Augenmerk gelte zudem dem Schwangerschaftsdiabetes, der mit einem erhöhten Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes bei Mutter und Kind einhergehe.
Internationale Daten spiegeln diese Entwicklung wider. Das Zentrum für öffentliche Gesundheit und medizinische Prävention in Buryatien berichtet, dass Typ-2-Diabetes vermehrt bei Personen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren diagnostiziert werde.
Neben Bewegungsmangel und Stress tragen Zwischenmahlzeiten unterwegs dazu bei; bereits ein einziger Snack könne die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Tagesmenge von 25 Gramm zugesetztem Zucker überschreiten.
Vito Amendolara, Präsident des nationalen Observatoriums für mediterrane Ernährung, verweist darauf, dass Erstdiagnosen mitunter bereits bei 13- bis 14-Jährigen gestellt werden, begünstigt durch ultraverarbeitete Lebensmittel, Bauchfett und die physiologisch erhöhte Insulinresistenz während der Pubertät.
Mahlzeitengestaltung und Verarbeitungsgrad
Für die Stoffwechselkontrolle ist die Zusammensetzung der Mahlzeiten ausschlaggebend. Die Diabetes-Expertinnen Routhenstein, Taylor und Quiambao heben hervor, dass der häufigste Ernährungsfehler im isolierten Verzehr von Kohlenhydraten ohne begleitende Proteine, gesunde Fette oder Ballaststoffe bestehe.
Einfache Kohlenhydrate führten bereits rund 15 Minuten nach dem Essen zu einem steilen Anstieg des Blutzuckers und begünstigten Heißhunger. Daher sei es ratsam, ballaststoffreiche Quellen wie Vollkornbrot, Hafer, Gerste, Hülsenfrüchte oder ganzes Obst stets mit Proteinen und Fetten zu kombinieren.
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Routhenstein empfiehlt bei Typ-2-Diabetes als Ausgangswert 30 bis 60 Gramm Kohlenhydrate pro Mahlzeit, während ohne Diabetes 45 bis 75 Gramm in ein ausgewogenes Ernährungsmuster passen.
Ein vollständiger Verzicht auf Kohlenhydrate oder extreme Diäten ist nach Ansicht von Dr. Jin Hui hingegen kontraproduktiv, da dies die Insulinregulation schädigen könne. Wichtig sei vielmehr die Reduktion von stark verarbeiteten Grundnahrungsmitteln, raffiniertem Zucker und Frittiertem.
Angaben der Deutschen Leberstiftung und von Dr. Rinneberg zufolge leidet rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland an einer Fettleber, die das Diabetesrisiko steigert und vor allem durch kalorienreiche Ernährung mit Weißmehl und Fruchtzucker begünstigt wird.
Prof. Dr. Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum und dem Universitätsklinikum Düsseldorf betont ebenfalls, dass ein erhöhter Fruktosekonsum die metabolische Fettleber fördere.
Zudem belegt eine Metastudie in der Fachzeitschrift Nature Medicine aus dem Jahr 2025, dass ein regelmäßiger Konsum von verarbeitetem Fleisch mit einem um mindestens 11 Prozent höheren durchschnittlichen Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist.
Prävention durch Bewegung und Gewichtsreduktion
Körperliche Aktivität gilt als wirksames Mittel, um Glukosespitzen direkt abzufangen. Bereits ein Spaziergang von 15 bis 20 Minuten im Anschluss an eine Mahlzeit kann den Blutzucker messbar dämpfen; Fachstellen raten zu mindestens 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche sowie zwei ergänzenden Krafttrainingseinheiten.
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Wie nachhaltig Lebensstilinterventionen wirken, verdeutlichte die US-Diabetes-Präventionsstudie mit 3.234 Teilnehmenden: Eine Umstellung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten verbunden mit einer Gewichtsabnahme von 5 bis 7 Prozent senkte das Typ-2-Diabetes-Risiko um 58 Prozent, während das Medikament Metformin eine Reduktion um 31 Prozent erreichte.
Für die Diagnosekontrolle dient der Nüchternblutzucker: Werte unter 100 mg/dl gelten als normal, 100 bis 125 mg/dl kennzeichnen einen Prädiabetes und ab 126 mg/dl besteht der Verdacht auf eine manifeste Diabeteserkrankung.
