Diabetesmanagement, Krankenkasse

Diabetesmanagement bei Kindern: Krankenkasse muss Begleitung finanzieren

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lilly startet eine Aufklärungskampagne zu Adipositas, während Novo Nordisk eine Semaglutid-Tablette anbietet und DMP-Programme weiter fehlen.

Adipositas in Deutschland: Neue Therapie und Versorgungslücken
Ein minimalistisches, modernes Behandlungszimmer mit einem Wasserglas und einer medizinischen Verpackung auf einem Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Die gesundheitspolitische Einordnung von Adipositas als chronische Erkrankung steht im Zentrum neuer Aufklärungsmaßnahmen und struktureller Diskussionen in Deutschland. Mit dem Start der Initiative #gutbehandelt durch Lilly Deutschland im September 2026 wird das Ziel verfolgt, das Bewusstsein für die Komplexität dieser Erkrankung zu schärfen.

Hintergrund dieser Maßnahmen sind aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) aus der GEDA-Studie 2023, wonach rund 13,79 Millionen Erwachsene in Deutschland – dies entspricht einem Anteil von 19,7 % – mit Adipositas leben.

Informationsdefizite und neue therapeutische Optionen

Trotz der hohen Betroffenenzahl zeigen Analysen erhebliche Lücken in der Patientenversorgung und Information. Eine von Novo Nordisk beauftragte Civey-Umfrage, die im Juli 2026 unter 5.000 Teilnehmern durchgeführt wurde, verdeutlicht die Situation: Zwar sehen 58 % der Menschen mit Adipositas jeden Tag als neue Chance, doch haben 21 % der Befragten noch nie mit einem Arzt über ihr Gewicht gesprochen.

Zudem fühlen sich 52 % der Betroffenen schlecht informiert. Die Umfrage geht von einer Gesamtzahl von rund 17 Millionen Betroffenen in Deutschland aus.

Parallel zur intensivierten Aufklärung erweitern sich die medikamentösen Behandlungsoptionen. Seit Anfang September 2026 ist eine Semaglutid-Tablette von Novo Nordisk auf dem Markt verfügbar. Das Präparat ist für Personen mit Adipositas oder Übergewicht in Verbindung mit Begleiterkrankungen zugelassen.

Die Dosierung ist auf maximal 25 mg festgelegt. Da die Kosten für diese Therapieform derzeit von den Patienten selbst getragen werden müssen, bleibt die finanzielle Hürde für viele Betroffene bestehen.

Anzeige

Adipositas und Übergewicht sind oft mit weiteren gesundheitlichen Herausforderungen wie einem erhöhten Blutzuckerspiegel verbunden. Ein ehemaliger Betroffener zeigt in seinem kostenlosen Ratgeber, wie er seine Werte durch einfache Alltagsübungen signifikant verbessern konnte. 7 einfache 3-Minuten-Übungen mit Sofortwirkung jetzt kostenlos herunterladen

Kritik an strukturellen Versorgungsdefiziten

Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) kritisieren den aktuellen Stand der strukturierten Versorgungsprogramme (DMP).

Obwohl die Anforderungen für ein DMP Adipositas bereits seit dem 1. Juli 2024 in Kraft sind, wird ein solches Programm bislang in keinem Bundesland flächendeckend angeboten. Die Fachgesellschaften fordern einen raschen Start der Programme, weisen jedoch darauf hin, dass die Erstattung der Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gemäß § 34 SGB V weiterhin rechtlich umstritten ist.

Rechtsprechung und soziale Sicherung bei chronischen Leiden

Neben der Adipositas-Versorgung beschäftigen grundlegende Fragen der Unterstützung bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes die Gerichte. Das Landessozialgericht Sachsen entschied im August 2026 (Az.

L 1 KR 85/26 B ER), dass das Diabetesmanagement bei einem fünfjährigen Kind als häusliche Krankenpflege nach § 37 SGB V einzustufen ist. Damit ist die Krankenkasse verpflichtet, die Begleitung im Kindergarten für bis zu acht Stunden täglich durch eine geschulte erwachsene Person zu finanzieren.

Anzeige

Wer bei chronischen Leiden wie Typ-2-Diabetes nicht allein auf Medikamente setzen möchte, findet in der richtigen Ernährung einen starken Verbündeten. Dieser Gratis-Ratgeber eines erfahrenen Mediziners bietet konkrete Rezepte und Regeln, um die Gesundheit nachhaltig zu unterstützen. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 7 Rezepten direkt sichern

Gleichzeitig präzisierte das Sozialgericht Wiesbaden die Handhabung von Mehrbedarfen für Schwerbehinderte. Ein Anspruch auf den Mehrbedarf in Höhe von 17 % des Regelbedarfs (entspricht 95,71 Euro bei einem Regelsatz von 563 Euro) besteht demnach erst ab der tatsächlichen Vorlage des Schwerbehindertenausweises und wird nicht rückwirkend gewährt. Diese Regelung findet sowohl im Bereich des SGB XII als auch des SGB II Anwendung.

Ausblick auf gesetzliche Neuregelungen und Budgets

Für das Jahr 2026 und darüber hinaus sind weitreichende Änderungen in den Sozialsystemen vorgesehen. Seit Juli 2026 gelten angepasste Mehrbedarfe in der Grundsicherung, etwa bei Zöliakie (112,60 Euro) oder Diabetes (56,30 Euro).

Im Bereich der Pflege wurden für das Jahr 2026 Leistungen wie der Entlastungsbetrag von 131 Euro pro Monat für Pflegegrad 1 sowie Zuschüsse für Wohnraumanpassungen in Höhe von 4.180 Euro festgeschrieben.

Ab Januar 2027 sind zudem signifikante Änderungen durch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) im Gespräch. Der Entwurf sieht unter anderem vor, das Pflegegeld in ein Entlastungsbudget umzuwandeln und die Punkteschwellen für die Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 anzuheben.

Auch im Bereich des Krankengeldes sind für 2027 Verschärfungen geplant: Endet ein Beschäftigungsverhältnis während der Arbeitsunfähigkeit, soll das Krankengeld nach § 47 Abs. 2a SGB V auf 60 % des Nettoarbeitsentgelts (67 % mit Kind) sinken. Diese Neuregelungen sind jedoch teilweise noch nicht abschließend beschlossen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70040175 |