Diabetes-Vorsorge, Kärnten

Diabetes-Vorsorge in Kärnten: Tests entdecken 1.923 Fälle von Prädiabetes

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 12:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreichische Apotheken bieten Herz-Kreislauf-Checks; Telemedizin und neue Diagnostik erweitern zugleich das präventive Angebot.

Apotheken stärken Vorsorge: EU-Screeningwoche und neue Gesundheitsdienste
Ein minimalistischer Behandlungsraum in einer Apotheke mit hellem Tageslicht und einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Die Bedeutung der Apotheken für die niederschwellige Gesundheitsvorsorge rückt durch neue Initiativen und technologische Entwicklungen verstärkt in den Fokus. Im Zeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 findet die erste EU Screening Week statt, die in österreichischen Apotheken einen Schwerpunkt auf die Herz-Kreislauf-Prävention legt.

Begleitet wird diese Aktionswoche durch den Weltherztag am 29. September 2026. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, chronische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und das Bewusstsein für präventive Check-ups zu stärken.

Screening-Angebote und Wirksamkeit in der Praxis

Im Rahmen der EU Screening Week bieten teilnehmende Apotheken in Österreich verschiedene Gesundheitstests an, die unter anderem Blutdruck, Blutzucker, Langzeitblutzucker sowie Cholesterin- und Lipidprofile umfassen. Zusätzlich können je nach Standort Messungen von Vitamin-D, Ferritin und Körperfett durchgeführt werden.

Gerhard Kobinger, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, wies darauf hin, dass die Apotheke die niederschwelligste Anlaufstelle für die Bevölkerung sei und Vorsorgeangebote einfach erreichbar sein müssten.

Dass solche Programme konkrete Ergebnisse liefern, zeigen Daten aus regionalen Initiativen. Bei einer Diabetes-Vorsorgeaktion in Kärnten nahmen knapp 5.200 Personen das kostenlose Testangebot wahr. Dabei konnten 1.923 Fälle von Prädiabetes sowie 178 bislang unbekannte Diabeteserkrankungen identifiziert werden, die anschließend zur ärztlichen Diagnose weiterverwiesen wurden. Ähnliche Präventionsinitiativen werden zudem in Wien, der Steiermark und Salzburg durchgeführt.

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Diskrepanz zwischen Vorsorge-Einstellung und Inanspruchnahme

Trotz der breiten Akzeptanz von Vorsorgeuntersuchungen klafft eine Lücke zwischen der theoretischen Befürwortung und der praktischen Umsetzung. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der IKK classic vom 25. September 2026 ergab, dass 97 Prozent der gesetzlich Versicherten zwischen 35 und 75 Jahren Vorsorgeuntersuchungen für sinnvoll halten.

Dennoch nehmen nur 67 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer diese regelmäßig wahr. Als Hindernis nannten 29 Prozent der Befragten Schwierigkeiten bei der Terminvergabe.

Die Relevanz einer frühen Diagnose wird durch Zahlen des Robert Koch-Instituts verdeutlicht, wonach jeder fünfte Erwachsene in Deutschland von Prädiabetes betroffen ist, oft ohne davon zu wissen.

Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2026 der Deutschen Diabetes Gesellschaft leiden über 9 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes. Die ökonomische Belastung ist erheblich: Die diabetesbezogenen Gesundheitsausgaben in Deutschland wurden für das Jahr 2024 auf rund 36 Milliarden Euro geschätzt.

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Erweiterung des pharmazeutischen Leistungsspektrums

Die Rolle der Apotheken wandelt sich zunehmend von der reinen Arzneimittelabgabe hin zu einem breiteren Dienstleistungszentrum. Ein Pilotprojekt zur assistierten Telemedizin in Wien und Oberösterreich, das im Februar 2026 startete, verzeichnete bis Juni 2026 insgesamt 481 Telekonsultationen. Dabei gaben 24 Prozent der Teilnehmer an, dass sie ohne dieses Angebot eine Spitalsambulanz aufgesucht hätten.

Tatsächlich war eine Überweisung ins Krankenhaus nur in 0,8 Prozent der Fälle notwendig. Die Kosten einer telemedizinischen Konsultation liegen zudem zwischen 20 und 70 Euro unter den durchschnittlichen Kosten eines Ambulanzkontakts von 364 Euro.

Parallel dazu weiten Apotheken ihr Impfangebot aus. In Baden-Württemberg begann laut Landesapothekerverband am 25. September 2026 die Auslieferung der Influenza-Impfstoffe für die Saison 2026/2027. In Österreich ist die Umsetzung des Impfens in Apotheken mit Zusage der Bundesregierung für den Jahresbeginn 2027 geplant.

Das Spektrum der möglichen Impfungen in Apotheken wurde zudem durch einen Bundestagsbeschluss vom Juli auf alle Totimpfstoffe wie Tetanus, Diphtherie oder FSME erweitert, wobei hierfür noch detaillierte Regularien ausstehen.

Technologische Innovationen in der Diagnostik

Ergänzt wird das präventive Angebot durch neue diagnostische Verfahren. Roche erhielt die CE-Kennzeichnung für den Elecsys NfL-Bluttest, der die Erkennung von Neuroinflammation bei Erwachsenen mit Multipler Sklerose ermöglicht.

In der Notfallmedizin deuten zudem Untersuchungen aus den Jahren 2022 bis 2025 darauf hin, dass hochsensitive Troponin-Schnelltests bei Brustschmerzen innerhalb von 20 Minuten Ergebnisse liefern können, wodurch potenziell ein Drittel der Fahrten in die Notaufnahme vermieden werden könnte.

Während Apotheken ihr Profil schärfen, drängen auch private Anbieter und der Einzelhandel in den Markt der Gesundheitsvorsorge. So eröffnete Neko Health im September 2026 einen Standort in New York, nachdem bereits über 100.000 Europäer deren Ganzkörper-Scans genutzt hatten.

Gleichzeitig beschäftigen juristische Auseinandersetzungen, wie die Klage gegen das Augenscreening bei dm vor dem Landgericht Karlsruhe, die Branche hinsichtlich der Abgrenzung zwischen ärztlichen Leistungen und gewerblichen Vorsorgeangeboten.

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