Diabetes und Zahnverlust: Studie zeigt 43,5% Risiko bei schlechter Kontrolle
13.06.2026 - 11:41:14 | boerse-global.de
Das belegt eine aktuelle Studie der Universität Göteborg.
Die Forscher untersuchten über 86.000 Typ-1-Diabetiker und mehr als 786.000 Typ-2-Diabetiker über zehn Jahre hinweg. Das Ergebnis: Bei schlecht eingestelltem Blutzucker steigt das Risiko drastisch.
Schlechte Blutzuckereinstellung als Risikofaktor
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Bei Typ-1-Diabetes verlor ein Drittel der Patienten mindestens einen Zahn. Bei guter Kontrolle lag die Quote bei 25 Prozent, bei schlechter Einstellung kletterte sie auf 43,5 Prozent. In der gesunden Vergleichsgruppe waren es 29 Prozent.
Noch gravierender ist die Lage bei Typ-2-Diabetes. Fast jeder zweite Betroffene büßte mindestens einen Zahn ein. Fünf oder mehr Zähne verloren 7 Prozent der Typ-2-Diabetiker – bei schlechter Einstellung sogar 12,6 Prozent. Zum Vergleich: Bei Gesunden waren es nur 3,7 Prozent.
Die Forscher identifizierten neben dem Blutzucker auch soziale Faktoren wie niedriges Einkommen und geringe Bildung als Risikoverstärker.
Zahnarzt als Diabetes-Früherkenner
Doch die Zahnarztpraxis könnte auch Teil der Lösung sein. Eine Studie des King's College London zeigt ihr Potenzial für die Diabetes-Früherkennung.
Bei 911 Patienten setzten die Forscher einen sechsminütigen HbA1c-Test ein. Über 35 Prozent der Patienten ohne bekannte Diabetes-Diagnose hatten erhöhte Blutzuckerwerte. Höhere Werte hingen direkt mit schwererer Parodontitis zusammen.
Aus Spanien kommen ähnliche Zahlen: Über 50 Prozent der Diabetiker haben dort mindestens einen Zahn verloren, mehr als 66 Prozent leiden an Parodontitis.
Lebensgefahr aus dem Mund
Die Gefahren beschränken sich nicht auf die Zähne. Die Sepsis-Stiftung warnt: Infektionen an Zähnen und Zahnhalteapparat können eine Blutvergiftung auslösen.
In Deutschland sterben jährlich rund 140.000 Menschen an Sepsis – 80 Prozent der Fälle entstehen außerhalb des Krankenhauses. Besonders gefährdet sind Diabetiker, Menschen mit Herzklappenerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.
Die Stiftung empfiehlt regelmäßige Mundhygiene. Antiseptische Mundspülungen mit Chlorhexidin können das Risiko einer Bakteriämie bei Zahnbehandlungen senken.
Die Göteborger Studie zeigt zudem: Parodontitis erhöht bei Diabetikern das Risiko für Folgeerkrankungen an Augen und Nieren sowie für Implantatverluste.
Fasten gegen Zahnfleischentzündung?
Wissenschaftler des King's College London testeten einen ungewöhnlichen Ansatz. 28 Parodontitis-Patienten absolvierten über sechs Monate drei Zyklen einer speziellen Fasten-Diät.
Das Ergebnis: Die Entzündungsmarker im Blut und in der Zahnfleischflüssigkeit sanken signifikant. Eine messbare Verbesserung des Zahnfleischzustands blieb im Untersuchungszeitraum allerdings aus.
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Politische Warnung
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) schlägt Alarm. Vorstandschef Martin Hendges warnt vor geplanten Gesetzesvorhaben wie dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
Eine drohende Budgetierung gefährde die Erfolge in der Parodontitis-Behandlung, die unter anderem die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie dokumentiert. Besonders Risikopatienten wie Diabetiker könnten darunter leiden.
