Diabetes und Rauchstopp: Acht Jahre Abstinenz senken Augenschäden um 41 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Verzicht auf Tabakkonsum spielt eine zentrale Rolle bei der Vermeidung mikrovaskulärer Spätfolgen einer Diabetes-Erkrankung. Eine im Fachjournal JAMA Network Open erschienene Untersuchung des Kyung Hee University College of Medicine belegt detailliert, wie sich eine zunehmende Dauer des Rauchverzichts auf das Auftreten von Nieren-, Netzhaut- und Nervenschäden auswirkt.
Für die wissenschaftliche Analyse wurden die Daten von 209.698 Personen ausgewertet, bei denen im Zeitraum von 2003 bis 2013 erstmals ein Diabetes diagnostiziert worden war. Das Durchschnittsalter der Kohorte lag bei 57,2 Jahren. Die Gruppe setzte sich aus 162.861 Nichtrauchern, 11.848 ehemaligen Rauchern sowie 34.989 aktiven Rauchern zusammen.
Risikominderung bei langer Dauer des Rauchstopps
Um den Verlauf nach einer Tabakentwöhnung differenziert nachzuvollziehen, unterteilten die Forschenden des Kyung Hee University College of Medicine die Gruppe der Ex-Raucher anhand ihrer Abstinenzdauer in fünf Zeitabschnitte: unter 2 Jahre, 2 bis 3 Jahre, 4 bis 5 Jahre, 6 bis 7 Jahre sowie 8 Jahre und mehr. Die Auswertung zeigte, dass das Risiko mikrovaskulärer Komplikationen kontinuierlich mit der Dauer der Abstinenz abnimmt.
Besonders ausgeprägt waren die positiven Effekte bei denjenigen, die das Rauchen seit mindestens acht Jahren aufgegeben hatten. Im Vergleich zu aktiven Rauchern wiesen sie ein um 19 Prozent niedrigeres Gesamtrisiko für mikrovaskuläre Folgeschäden auf.
Betrachtet nach einzelnen Organbereichen ergaben sich deutliche Rückgänge:
* Diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung): minus 21 Prozent
* Diabetische Retinopathie (Netzhautschädigung): minus 41 Prozent
* Diabetische Neuropathie (Nervenschädigung): minus 20 Prozent
Bereits bei einer Abstinenzdauer von 6 bis 7 Jahren war das Gesamtrisiko gegenüber aktiven Rauchern um 12 Prozent reduziert, während das Risiko für eine diabetische Neuropathie in dieser Spanne sogar um 24 Prozent sank.
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Auch bei den absoluten Krankheitszahlen spiegelt sich dieser Trend wider. Nach den Daten des Forschungsteams lag die Inzidenz mikrovaskulärer Komplikationen bei aktiven Rauchern bei 301,9 Fällen pro 10.000 Personenjahre. Bei Personen, die seit mindestens acht Jahren abstinent lebten, fiel dieser Wert auf 237,6 Fälle pro 10.000 Personenjahre.
Relevanz für die Prävention diabetischer Folgeleiden
Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Dringlichkeit von Rauchstopp-Programmen im Rahmen der Diabetestherapie. Gefäßschäden an Nieren, Augen und Nervenbahnen zählen zu den häufigsten und gravierendsten Komplikationen eines Typ-2-Diabetes.
Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2026 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) leben in Deutschland über 9 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, wobei die Schätzungen bei mindestens 9,3 Millionen liegen.
Neben Bluthochdruck gilt das Rauchen als einer der zentralen Treiber für fortschreitende Organschäden. So leiden hierzulande etwa 9 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenkrankheit, überwiegend im Alter von über 60 Jahren, und jährlich müssen rund 100.000 Personen eine Dialysebehandlung beginnen.
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Gleichzeitig bleibt der Tabakkonsum in der Bevölkerung ein weit verbreitetes Problem. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind jährlich rund 131.000 Todesfälle in Deutschland auf das Rauchen zurückzuführen.
Zudem zeigt eine Untersuchung der Universität Düsseldorf im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, dass mehr als 30 Prozent der Erwachsenen zur Zigarette greifen. Die neuen Langzeitdaten verdeutlichen, dass ein vollständiger Rauchstopp selbst nach einer Diabetes-Diagnose maßgeblich dazu beitragen kann, das Fortschreiten mikrovaskulärer Gewebeschäden auf Dauer abzufedern.
