Diabetes, Nierenschäden

Diabetes und Nierenschäden: 40 Prozent entwickeln Nephropathie

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige Nierenkontrollen, angepasste Ernährung und gezielte Medikamente können das Risiko für Folgeschäden bei Diabetes verringern.
Laborumgebung mit einem gläsernen Becherglas und leeren Reagenzgläsern auf einer weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Ein konsequentes Gewichtsmanagement, regelmäßige körperliche Bewegung sowie die Vermeidung einer exzessiven Protein- und Fettaufnahme spielen eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung von Nierenschäden bei Menschen mit Diabetes. Schätzungen zufolge entwickeln rund 40 Prozent der Betroffenen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes nach 10 bis 15 Jahren eine diabetische Nephropathie.

Da die schleichende Beeinträchtigung der Nierenfunktion über weite Strecken schmerz- und symptomlos verläuft, gewinnen frühzeitige Lebensstilanpassungen und standardisierte Vorsorgeuntersuchungen in der klinischen Praxis zunehmend an Bedeutung.

Risikofaktoren und die Bedeutung des Screenings

Anhaltend erhöhte Blutzuckerwerte schädigen schrittweise die kleinen Gefäße und Glomeruli der Niere. Dieser Prozess wird durch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck maßgeblich beschleunigt, aber auch Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Rauchen und ein höheres Lebensalter steigern das Risiko für kardiorenales Versagen. Die diabetische Nephropathie zählt international zu den Hauptursachen für eine terminale Niereninsuffizienz.

In den frühen Stadien 1 und 2 bleibt die Erkrankung meist unbemerkt. Fachgesellschaften wie die ADA und KDIGO empfehlen daher ein regelmäßiges Screening: Bei Typ-2-Diabetes sollte dieses direkt ab der Diagnose erfolgen, bei Typ-1-Diabetes spätestens fünf Jahre nach der Erstfeststellung.

Zur Beurteilung dienen das Serumkreatinin, die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) sowie der Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin (uACR), da konventionelle Urinstreifentests eine beginnende Mikroalbuminurie oft nicht zuverlässig anzeigen.

Die Klassifikation erfolgt über standardisierte Grenzwerte:
* Albuminurie (uACR): Kategorie A1 (unter 30 mg/g), Kategorie A2 bzw. Mikroalbuminurie (30 bis 300 mg/g) und Kategorie A3 bzw. Makroalbuminurie (über 300 mg/g).
* Funktionsstadien (GFR): Bei einer normalen GFR von 95 bis 120 ml/min liegt Stadium 1 bei Werten ab 90 ml/min mit nachgewiesenem Nierenschaden, gefolgt von Stadium 2 (60 bis 89 ml/min), Stadium 3 (30 bis 59 ml/min), Stadium 4 (15 bis 29 ml/min) bis hin zu Stadium 5 (unter 15 ml/min), in dem ein Nierenersatz notwendig wird.

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Das AdventHealth Translational Research Institute weist darauf hin, dass die Behandlungsoptionen bei fortschreitender chronischer Nierenerkrankung, insbesondere bei Typ-1-Diabetes, nach wie vor begrenzt sind. Das Institut beteiligt sich daher an klinischen Untersuchungen wie der SUGARNSALT-Studie, um neue Therapieansätze zu erforschen.

Differenzierte Ernährung und Blutdruckkontrolle

Zur Entlastung des Nierengewebes wird bei bestehender Nierenbeteiligung ein Blutdruckziel von unter 130/80 mmHg angestrebt. Neben der Blutdruckeinstellung kommt der Ernährung eine Schlüsselrolle zu.

Experten warnen jedoch vor schematischen, unüberlegten Verboten: Zu drastische Restriktionen können zu Mangelernährung, Anämie und einem Verlust der Selbstständigkeit führen. Empfohlen wird vielmehr eine an das Erkrankungsstadium angepasste Nährstoffverteilung.

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Für das Stadium 3 der chronischen Nierenerkrankung nennen Leitlinien eine moderate Proteinzufuhr von 0,6 bis 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Ergänzend wird zu einer salzarmen Kost mit einer Natriumzufuhr von unter 2300 mg pro Tag geraten. Fachleute betonen zudem, auf potenziell nierenschädigende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Naproxen zu verzichten.

Therapeutische Säulen

In der medikamentösen Behandlung stehen neben der optimalen Glukosekontrolle renoprotektive Substanzen im Vordergrund. Zum Einsatz kommen vor allem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker in Kombination mit SGLT2-Hemmern sowie nichtsteroidalen Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten.

Treten im fortgeschrittenen Verlauf Komplikationen wie ein therapieresistentes Ödem, Oligurie, deutliche Urämiesymptome oder eine schwere Hyperkaliämie auf, wird eine Dialysebehandlung unumgänglich.

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