Diabetes und Gürtelrose: Erkrankungsrisiko steigt um bis zu 45 Prozent
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deMenschen mit Diabetes tragen ein signifikant höheres Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Wie Diabetologe Dr. Dietrich Tews darlegt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch der Virusinfektion bei Vorliegen eines Diabetes um bis zu 45% erhöht. Diese gesteigerte Anfälligkeit betrifft sowohl Personen mit Typ-1- als auch mit Typ-2-Diabetes.
Das auslösende Varicella-Zoster-Virus verbleibt nach einer Erstinfektion lebenslang in den Nervenzellen. Über 90% der Erwachsenen tragen den Erreger in sich, laut weiteren Erhebungen sind es über 95% der erwachsenen Bevölkerung. Etwa jeder dritte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an Gürtelrose, wobei das Erkrankungsrisiko ab einem Alter von etwa 50 Jahren ansteigt.
Besonders in den Herbst- und Wintermonaten begünstigt eine geschwächte Immunabwehr die Reaktivierung. Neben Personen ab 50 Jahren zählen chronisch Kranke mit Erkrankungen der Nieren, der Lunge oder mit Diabetes sowie Autoimmunpatienten zu den gefährdeten Gruppen; bei letzteren besteht ein 2,3- bis 4-fach erhöhtes Risiko.
Anhaltende Nervenschmerzen und instabile Blutzuckerwerte
Kommt es zu einem Ausbruch, drohen für Diabetes-Patienten spezifische Folgeprobleme. Nach Angaben von Dr. Dietrich Tews unter Verweis auf Daten aus dem Fachjournal Open Forum Infectious Diseases aus dem Jahr 2014 liegt das Risiko für anhaltende Nervenschmerzen, die sogenannte Postherpetische Neuralgie (PHN), bei Diabetes um 18% höher als bei Personen ohne die Stoffwechselstörung.
Die Infektion wirkt sich zudem unmittelbar auf das Krankheitsmanagement aus. Eine spanische Studie zeigte, dass sich nach einer Gürtelrose-Erkrankung bei rund einem Viertel der Betroffenen mit zuvor gut eingestelltem Diabetes die Blutzuckerwerte verschlechterten.
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Die Postherpetische Neuralgie gilt laut OSF HealthCare als die häufigste Komplikation einer Gürtelrose und beschreibt lang anhaltende Nervenschmerzen nach dem Abklingen des Hautausschlags.
Diese Nervenschmerzen betreffen demnach 65% der Patienten ab 60 Jahren und 75% ab 70 Jahren. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) treten in Deutschland jährlich über 300.000 Herpes-Zoster-Fälle auf, von denen rund 5% eine Post-Zoster-Neuralgie entwickeln.
Vorsorgelücken und medizinische Empfehlungen
Trotz der bekannten Risiken bestehen in der Bevölkerung Informationsdefizite. Eine Umfrage des Pharmaunternehmens GSK in zehn Ländern ergab, dass klinische Studien das Gürtelrose-Risiko durch Diabetes um 38% und durch kardiovaskuläre Erkrankungen um 34% steigen sehen.
Gleichzeitig äußerten 78% der befragten Erwachsenen ab 50 Jahren die Sorge, dass eine Gürtelrose ihren Alltag beeinträchtigen könnte, und 72% fürchteten verlängerte Krankenhausaufenthalte.
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Dennoch hat über die Hälfte der Befragten das Thema Gürtelrose nie mit einem Arzt besprochen. Ein Viertel der Teilnehmer ging irrtümlich davon aus, dass eine chronische Erkrankung keinen Einfluss auf das Immunsystem oder das Gürtelrose-Risiko habe.
Für die Behandlung und Vorsorge existieren klare Zeitfenster und Leitlinien. Bei auftretenden Symptomen soll innerhalb von 72 Stunden gehandelt werden, da eine antivirale Therapie laut OSF HealthCare bei einem Beginn innerhalb von drei Tagen nach Erscheinen des Ausschlags am wirksamsten ist.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Gürtelrose-Impfung standardmäßig für alle Personen ab 60 Jahren sowie bei Vorliegen eines erhöhten Risikos bereits ab 18 Jahren. Der Impfstoff Shingrix ist für Erwachsene ab 50 Jahren zugelassen und wird in einer Zweifachdosis-Serie verabreicht. Er weist eine Wirksamkeit von mehr als 90% bei der Verhinderung einer Erkrankung auf.
Auch Personen, die zuvor mit dem Impfstoff Zostavax geimpft wurden, sollten laut OSF HealthCare eine Impfung mit Shingrix erhalten, um das Erkrankungs- und Schmerzrisiko wirksam zu senken.
