Diabetes, Demenz

Diabetes und Demenz: Risiko für vaskuläre Form ist 2,48-fach erhöht

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 18:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung an 20 Spendern identifizierte drei Gefäßmuster; Diabetes und weitere Gefäßrisiken erhöhen die Bedeutung früher Prävention.
Nahaufnahme einer komplexen, feingliedrigen Struktur von Hirngefäßen in bläulichen und goldenen Lichttönen. Illustration mit AI erstellt.

Vaskuläre Demenz gilt nach der Alzheimer-Krankheit als eine der häufigsten Formen des kognitiven Abbaus. Wie ein Fachbeitrag von pro-nee.net vom 24. Oktober 2026 darlegt, entsteht das Krankheitsbild durch eine verminderte oder vollständig unterbrochene Durchblutung des Gehirns. Diese kann infolge eines großen Schlaganfalls oder durch wiederholte mikroskopisch kleine, lakunäre Infarkte auftreten, wodurch Nervenzellen irreversibel geschädigt werden.

Die Medizin unterscheidet dabei im Wesentlichen drei Hauptformen: die Einzelinfarkt-Demenz, die Multiinfarkt-Demenz sowie Erkrankungen der kleinen Hirngefäße, die als Small-Vessel-Disease bezeichnet werden.

Typischer Verlauf und Abgrenzung zu neurodegenerativen Formen

Der Verlauf der vaskulären Demenz unterscheidet sich grundlegend von der Alzheimer-Erkrankung. Während Alzheimer typischerweise schleichend beginnt, von frühen Defiziten im Kurzzeitgedächtnis geprägt ist und kontinuierlich voranschreitet, zeigt die vaskuläre Demenz häufig einen plötzlichen oder stufenweisen Beginn.

Symptome können nach einem vaskulären Ereignis zeitweise stagnieren oder sich mit jedem weiteren Schlaganfall sprunghaft verschlechtern. Charakteristisch sind früh auftretende Störungen der exekutiven Funktionen sowie eine Verlangsamung der Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Sheila Martins vom Hospital Moinhos de Vento und Präsidentin der Rede Brasil AVC erläuterte dazu in einem Bericht vom 23. Oktober 2026, dass Gefäßläsionen spezifische Hirnareale für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Denken und Planung beeinträchtigen können. Kleine, akkumulierte Läsionen, die oft mit Bluthochdruck in Verbindung stehen, können zudem mit Alzheimer-Prozessen interagieren.

Vor dem voll ausgeprägten klinischen Bild neurodegenerativer Erkrankungen liegt häufig eine prodromale Phase. In dieser Zeit beginnen pathologische Prozesse im zentralen Nervensystem, während der Körper diese Ausfälle zunächst noch teilweise kompensiert. Ein frühzeitiges Erkennen kognitiver Veränderungen ermöglicht präventive Lebensstilinterventionen und neuroprotektive Maßnahmen, bevor schwere Schäden eintreten.

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Risikofaktoren, Stoffwechsel und Prävention

Die Entstehung einer vaskulären Demenz ist eng mit kardiovaskulären Risikofaktoren verknüpft. Neben arteriellem Bluthochdruck gelten ein hoher Cholesterinspiegel, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus, Tabakkonsum, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung sowie vorangegangene Schlaganfälle oder transitorische ischämische Attacken als maßgebliche Treiber.

Stoffwechselerkrankungen spielen dabei eine erhebliche Rolle. Auf dem 67. Kongress der Spanischen Gesellschaft für Endokrinologie und Ernährung (SEEN) wies Miquel Baquero vom Hospital La Fe in Valencia darauf hin, dass Menschen mit Diabetes ein 1,5- bis 2-fach erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen aufweisen.

Das Risiko für eine vaskuläre Demenz sei bei Diabetikern sogar um das 2,48-Fache erhöht, jenes für Alzheimer um das 1,46-Fache. Die Standards der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) für 2026 empfehlen daher für Erwachsene mit Diabetes ab 65 Jahren ein regelmäßiges Screening auf kognitive Einbußen bei der Erstvorstellung, im jährlichen Rhythmus sowie bei klinischem Verdacht.

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Die Diagnostik stützt sich laut pro-nee.net auf Anamnese, kognitive Tests sowie bildgebende Verfahren mittels MRT oder CT. Zur Prävention gehören die strikte Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker, Bewegung, mediterrane Kost, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie nach ärztlicher Rücksprache der Einsatz von Thrombozytenaggregationshemmern wie Aspirin.

Erkenntnisse zur zerebralen Gefäßerkrankung

Die genauen biologischen Mechanismen in den Mikrogefäßen sind Gegenstand intensiver Forschung. Ein team um Dr. Audrey Chagnot, Dr. Daniela Jaime Garcia, Dr. Conor McQuaid und Dr. Axel Montagne vom UK DRI Edinburgh und dem BHF-UK DRI Centre for Vascular Dementia Research untersuchte über 10.000 mikroskopische Gefäßfragmente aus Gehirnen von 20 Spendern mit zerebraler Small-Vessel-Disease.

Die in der Fachzeitschrift Acta Neuropathologica erschienene Untersuchung zeigte, dass der Verlust schützender Perizyten und entzündliche Reaktionen in Gefäßwänden nicht zwingend gemeinsam auftreten. Die Forscher identifizierten drei verschiedene Gefäßmuster, die bei konventionellen Bewertungen des Schweregrads bislang unberücksichtigt bleiben könnten.

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