Diabetes und Adipositas: Lilly will Versorgungslücke bis 2040 schließen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Versorgung von Menschen mit chronischen Stoffwechselerkrankungen weist weltweit gravierende Unterschiede auf. Mit dem Programm „Change the Course Commitment“ zielt das Pharmaunternehmen Eli Lilly darauf ab, den Zugang zu modernen Medikamenten gegen Diabetes und Adipositas in ressourcenarmen Regionen bis zum Jahr 2040 dem Niveau wohlhabender Staaten anzugleichen. Das Vorhaben wurde im Rahmen der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand vorgestellt.
Ungleichheit in der globalen Versorgung
Nach Angaben des Unternehmens leben vier von fünf Erwachsenen mit Diabetes sowie sieben von zehn Menschen mit Adipositas in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs). Gleichzeitig besteht eine massive Diskrepanz beim Zugang zu wirksamen Behandlungen.
Wie Ilya Yuffa, Executive Vice President bei Lilly, darlegte, kommt auf vier behandelte Personen in Hocheinkommensländern statistisch lediglich ein Patient in ressourcenarmen Regionen mit entsprechendem Zugang.
Vor diesem Hintergrund formulierte Unternehmenschef David Ricks das Ziel, bis 2040 eine weltweite Behandlungs-Parität zu erreichen. Demnach sollen künftig in Schwellen- und Entwicklungsländern ebenso viele Betroffene mit entsprechenden Arzneimitteln versorgt werden wie in wirtschaftlich starken Nationen.
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Die Initiative baut auf dem bisherigen Programm „Lilly 30x30“ auf, das ursprünglich 30 Millionen Menschen pro Jahr bis 2030 anvisierte; nach Unternehmensangaben wurden im Jahr 2025 bereits rund 40 Millionen Menschen erreicht.
Drei Säulen für schnellere Verfügbarkeit
Um die weltweite Lücke zu schließen, konzentriert sich die Strategie auf drei zentrale Handlungsfelder: die lokale Therapieentwicklung, die Beschleunigung behördlicher Zulassungsverfahren in Regionen wie Afrika, Lateinamerika und Asien sowie die nachhaltige Stärkung der Primärversorgung.
Dass Zulassungsprozesse in ressourcenarmen Gebieten oftmals bis zu 36 Monate hinterherhinken, gilt als wesentliches Hindernis für eine zeitnahe Versorgung. Als Beispiel für eine veränderte regulatorische Praxis verweist das Unternehmen auf den Wirkstoff Orforglipron (Foundayo), der innerhalb von drei Monaten nach der Ersteinreichung in mehr als 40 Staaten zur Zulassung vorgelegt wurde.
Parallel dazu forderte Lilly im Rahmen des sogenannten „Milan Dialogue“ strukturelle Reformen auf europäischer Ebene, um Innovationen auch dort schneller verfügbar zu machen.
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Wachsender Druck auf globale Gesundheitssysteme
Die Notwendigkeit verbesserter Zugänge verdeutlichen Daten der International Diabetes Federation. Denen zufolge forderte Diabetes im Jahr 2024 alle sechs Sekunden ein Menschenleben. Weltweit ist einer von neun Erwachsenen von der Erkrankung betroffen, bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf einen von acht prognostiziert.
Zudem gelten 13 Prozent der Weltbevölkerung als adipös, wobei über 70 Prozent der Betroffenen in LMICs leben. Erschwerend kommt hinzu, dass rund 43 Prozent der Diabetesfälle weltweit nicht diagnostiziert sind – fast 90 Prozent dieser unentdeckten Erkrankungen entfallen auf Entwicklungs- und Schwellenländer.
Auch die ökonomischen Folgen verschärfen sich drastisch: Die Ausgaben für Diabetes stiegen über einen Zeitraum von 17 Jahren um 338 Prozent. Für die weltweiten Folgekosten der Adipositas liegt die Prognose bis zum Jahr 2035 bei jährlich 4,3 Billionen US-Dollar.
Neben regulatorischen Schritten setzt das Unternehmen daher auch auf Kooperationen: Gemeinsam mit dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF wurde eine auf sechs Jahre angelegte Partnerschaft mit einem Volumen von 50 Millionen US-Dollar geschlossen, die in 21 LMICs insgesamt 30 Millionen junge Menschen erreichen soll.
