Diabetes: Stammzelltherapie macht zehn Patienten insulinunabhängig
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Von der Heilung durch Stammzellen bis zu smarten Sensoren – ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Stammzelltherapie macht zehn Patienten insulinunabhängig
Ein Durchbruch gelang Vertex Pharmaceuticals. Das Unternehmen ließ zwölf Typ-1-Diabetikern rund 0,8 Milliarden gezüchtete Inselzellen infundieren – einmalig. Das Ergebnis: Nach zwölf Monaten waren zehn der zwölf Teilnehmer komplett insulinunabhängig. Der Insulinbedarf sank insgesamt um 92 Prozent. Und ab dem 90. Tag nach der Behandlung gab es keine schweren Unterzuckerungen mehr.
Die Studie wurde heute im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Das Verfahren heißt Zimislecel.
Weitere Immuntherapien und Gentherapie-Ansätze
Sanofi brachte bereits im Juni das Mittel Tzield auf den Markt – zugelassen für Patienten im Stadium 3 des Typ-1-Diabetes. Auch der Wirkstoff Tegoprubart von Eledon zeigt vielversprechende Ergebnisse: Alle zwölf Probanden erreichten nach einer Inselzelltransplantation über bis zu 22 Monate Insulinunabhängigkeit.
Und die Forschung geht weiter. Wissenschaftler arbeiten an Gentherapie-Ansätzen, die Skelettmuskelzellen mithilfe von AAV-Vektoren zur Insulinproduktion anregen sollen.
Neue CGM-Sensoren für Typ-2-Patienten
Seit Juli ist in Deutschland das Dexcom Flex System verfügbar. Der Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung wurde speziell für Typ-2-Patienten ohne intensivierte Insulintherapie entwickelt. Er lässt sich 15 Tage tragen und senkt den HbA1c-Wert – Studien zufolge um 0,3 bis 1,0 Prozentpunkte.
Für den Herbst ist der Abbott Libre Duo angekündigt. Er kann neben Glukose auch Ketonwerte erfassen.
Während neue Sensoren die Überwachung erleichtern, können Betroffene auch selbst aktiv werden: Nur 3 Minuten täglich reichen aus, um den Blutzucker mit gezielten Übungen natürlich zu regulieren. 7 einfache Übungen mit Sofortwirkung kostenlos herunterladen
Neue Pumpe und erstes Wocheninsulin
Auf der DDG-Tagung im Juli wurde die Patchpumpe TouchCare Nano vorgestellt. Ihr Reservoir fasst 300 Einheiten – deutlich mehr als bisherige Modelle.
Ebenfalls im Juli: Markteintritt von Kyinsu in China. Es ist die erste einmal wöchentlich zu verabreichende Kombination aus dem Basalinsulin Icodec und dem GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid.
Diabetes-Medikamente schützen auch das Gehirn
Aktuelle Studien zeigen überraschende Nebeneffekte: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Die aktualisierten Leitlinien zum kardiorenalen metabolischen Syndrom empfehlen daher ein frühzeitiges Screening auf Begleiterkrankungen.
Doch es gibt auch Warnungen. Die Annals of Internal Medicine berichteten im Juli über ein erhöhtes Risiko für eine seltene Sehnervenerkrankung (NAION) unter GLP-1-Therapie. Das absolute Risiko bleibt zwar niedrig, liegt aber höher als bei SGLT2- oder DPP4-Hemmern.
Diabetes Typ-2 erfordert oft ein lebenslanges Management, doch Medikamente allein sind häufig nicht die einzige Lösung für stabile Werte. Ein ehemaliger Schwerst-Diabetiker zeigt in diesem Ratgeber, wie er seinen HbA1c-Wert ganz ohne zusätzliche Chemie massiv verbessern konnte. Kostenlosen Ratgeber für bessere Blutzuckerwerte sichern
Warum Betazellen versagen – und was dagegen hilft
Eine Studie der University of Michigan und des Sanford Burnham Prebys Instituts identifizierte Anfang Juni einen neuen Treiber für das Versagen von Betazellen: Fehlfunktionen bei der Proteinfaltung. Entscheidend ist die Koordination zwischen dem Chaperon-Protein BiP und dem Co-Chaperon p58IPK. Eine gezielte Stärkung dieser zellulären Maschinerie könnte künftig neue Therapiewege eröffnen.
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