Diabetes-Spritze Tirzepatid: Überraschender Schutz vor Infektionen
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im August 2026 im Fachjournal BMJ veröffentlichte Untersuchung der Technischen Universität München (TUM) und der Harvard University liefert neue Erkenntnisse zur Wirkung von Tirzepatid bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Die Analyse belegt, dass der Wirkstoff, der unter dem Handelsnamen Mounjaro vertrieben wird, bei Personen mit einer bestehenden atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung das Risiko für Herzinfarkte sowie für schwerwiegende Infektionen deutlich senken kann.
Signifikante Senkung kardiovaskulärer Ereignisse
Die Studie verglich die Auswirkungen von Tirzepatid mit denen von Sitagliptin über einen Zeitraum von einem Jahr. Dabei zeigte sich eine deutliche Überlegenheit des GLP-1- und GIP-Rezeptor-Agonisten Tirzepatid bei der Vermeidung schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse (MACE). Während die MACE-Rate unter Sitagliptin bei 4,4 % lag, belief sie sich in der Tirzepatid-Gruppe auf 2,9 %. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion um 32 %.
Ein wesentlicher Treiber dieses Ergebnisses war die Reduktion von Herzinfarkten. Das Risiko für einen Myokardinfarkt sank unter der Behandlung mit Tirzepatid um 33 %. Interessanterweise konnten die Forscher für das Schlaganfallrisiko keinen signifikanten Vorteil im Vergleich zur Kontrollgruppe feststellen.
Unerwartete Schutzwirkung gegen schwere Infektionen
Neben den Herz-Kreislauf-Effekten lieferte die Untersuchung Erkenntnisse zu einem weiteren medizinischen Bereich, der die Studienleiter nach eigenen Angaben überraschte. Die Daten weisen darauf hin, dass Tirzepatid das Risiko für Krankenhausaufenthalte infolge schwerer Infektionen maßgeblich beeinflusst. Die Rate der Hospitalisierungen aufgrund von Infektionen lag bei 3,3 % unter Tirzepatid gegenüber 5,4 % in der Vergleichsgruppe, was einer relativen Reduktion von 36 % entspricht.
Die neue Studie zeigt: Tirzepatid senkt das Herzinfarktrisiko um ein Drittel – und schützt überraschend auch vor schweren Infektionen. Was bedeutet das für Ihre Behandlung? Unser kostenloser Leitfaden fasst die wichtigsten Ergebnisse verständlich zusammen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Besonders deutlich fiel die Wirkung bei der infektionsbedingten Mortalität aus. Laut der Studie reduzierte sich das Risiko, an einer Infektion zu versterben, um 60 %. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Wirkung von Tirzepatid über die reine Blutzuckerkontrolle und Gewichtsreduktion hinausgehen könnte.
Analyse der Studienpopulation und klinische Relevanz
Die wissenschaftliche Arbeit unter der Leitung von Erstautor Nils Krüger von der TUM basiert auf der Auswertung umfangreicher US-Datenbanken. Die Studienpopulation umfasste insgesamt 52.971 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 70 Jahren, wobei der Frauenanteil 51 % betrug.
Zur Einordnung der klinischen Relevanz berechneten die Wissenschaftler die sogenannte Number Needed to Treat (NNT). Diese Kennzahl gibt an, wie viele Patienten behandelt werden müssen, um ein spezifisches Ereignis zu verhindern:
Schützen Sie Ihr Herz – und bleiben Sie gesund. Tirzepatid reduzierte in der Studie Krankenhausaufenthalte wegen Infektionen um 36%. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Risiko senken können. Leitfaden jetzt sichern
- Um ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis (MACE) zu verhindern, ist die Behandlung von 70 Patienten erforderlich.
- Zur Vermeidung einer infektionsbedingten Hospitalisierung liegt die NNT bei 48.
- Ein Todesfall infolge einer Infektion wird statistisch pro 200 behandelten Patienten verhindert.
- Betrachtet man die Gesamtmortalität, wird ein Todesfall pro 122 behandelten Patienten vermieden.
Diese im August 2026 vorgestellten Ergebnisse unterstreichen das potenzielle Spektrum von Tirzepatid in der Behandlung von Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes, wobei insbesondere die Verringerung der Infektionslast einen neuen Aspekt in der therapeutischen Bewertung darstellt.
