Diabetes-Risiko, OBSCORE

Diabetes-Risiko: OBSCORE erkennt 42-fach höheres Risiko als BMI

05.06.2026 - 09:02:28 | boerse-global.de

Forscher identifizieren sechs übersehene Prädiabetes-Anzeichen und stellen den neuen Risikoscore OBSCORE vor.

Diabetes-Risiko: Neue Studien entlarven BMI als unzureichend
Diabetes-Risiko - Nahaufnahme eines Arms mit einem Glukosemonitor-Patch, im Hintergrund verschwommene medizinische Diagramme auf einem Bildschirm. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse zeigen: Entscheidend sind andere Faktoren.

Wissenschaftler haben sechs Anzeichen für einen Prädiabetes identifiziert, die in der Praxis oft übersehen werden. Dazu zählen dunkle Hautveränderungen im Nacken- oder Achselbereich sowie hormonelle Umstellungen bei Frauen in der Perimenopause oder bei PCOS. Auch chronischer Schlafmangel unter sechs Stunden, anhaltender Stress mit erhöhtem Cortisolspiegel und ausgeprägter Bewegungsmangel gelten als kritische Indikatoren.

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Der neue Risikoscore OBSCORE

Am 3. Juni stellte die Queen Mary University London gemeinsam mit der BIH Charité Berlin einen neuen Risikoscore vor. Der OBSCORE nutzt 20 verschiedene Marker und basiert auf Daten von knapp 200.000 Teilnehmern der UK-Biobank.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: 30 Prozent der Personen mit dem höchsten Risiko wären nach dem herkömmlichen BMI lediglich als übergewichtig eingestuft worden. In dieser Hochrisikogruppe lag die Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes um das 42-fache höher. Bei Nierenerkrankungen sogar um das 89-fache.

Leberfett als entscheidender Faktor

Das Deutsche Diabetes Zentrum in Düsseldorf veröffentlichte am 4. Juni eine Studie zum Entstehungsmechanismus von Typ-2-Diabetes. Die Forscher wiesen nach: Der Fettgehalt der Leberzellen spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Glukagonspiegels.

Patienten im ersten Jahr einer Diabetes-Erkrankung weisen nach den Mahlzeiten 75 Prozent höhere Glukagonwerte auf. Der Effekt hängt nicht primär mit einer Insulinresistenz zusammen, sondern mit einer hepatischen Glukagonresistenz. Das Leberfett beeinträchtigt die Glukagonwirkung, worauf der Körper mit verstärkter Ausschüttung reagiert. Eine frühzeitige Behandlung der Fettleber könnte das Risiko für Typ-2-Diabetes senken.

Diabetes und Vorhofflimmern

Die Auswirkungen eines gestörten Glukosestoffwechsels reichen weit über den Blutzucker hinaus. Die Deutsche Herzstiftung wies Anfang Juni darauf hin: Diabetes begünstigt unbemerktes Vorhofflimmern. Das erhöht das Risiko für einen vorzeitigen Tod um 61 Prozent.

Positive Nebeneffekte zeigen moderne Wirkstoffklassen. GLP-1-Rezeptoragonisten könnten das Langzeitrisiko für Kniegelenkersatz senken. Eine Untersuchung der University of Pennsylvania assoziierte die Medikamente mit einer 30 bis 35 Prozent niedrigeren Brustkrebs-Wahrscheinlichkeit. Grund ist der Gewichtsverlust und die damit verbundene Reduktion der Östrogenbelastung.

Neuer Sensor misst Glukose und Ketone

Ende Mai erhielt ein Sensor des Herstellers Abbott die CE-Kennzeichnung für die gleichzeitige Messung von Glukose- und Ketonwerten. Das System ist für eine Tragedauer von bis zu 15 Tagen ausgelegt und soll im zweiten Halbjahr 2026 in Europa eingeführt werden.

Die Technologie zielt auf die Verhinderung der diabetischen Ketoazidose ab. Deren Fallzahlen stiegen in den letzten zehn Jahren um 55 Prozent.

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Fortschritte bei Typ-1-Diabetes

Seit Januar ist in der EU der Wirkstoff Teplizumab zugelassen. Er kann den Ausbruch von Typ-1-Diabetes um durchschnittlich zwei Jahre hinauszögern. Experten betonen die Bedeutung von Früherkennungsprogrammen.

Autoantikörpertests bei Kindern könnten die Rate schwerer Stoffwechselentgleisungen bei der Erstdiagnose von über 20 Prozent auf etwa 2,5 Prozent senken.

Bewegung als Fundament der Prävention

Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt die Lebensstilintervention zentral. Daten der DPP-Studie belegen: Eine Kombination aus 150 Minuten Bewegung pro Woche und einer moderaten Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent senkt das Diabetes-Risiko um 58 Prozent.

Mediziner empfehlen eine individuelle Stoffwechselanalyse und konsequentes Stressmanagement. Nur so lässt sich die Insulinempfindlichkeit der Zellen dauerhaft verbessern.

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