Diabetes nach COVID-19: 7,3% der Gesunden entwickeln Stoffwechselstörung
01.07.2026 - 15:12:39 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität São Paulo, veröffentlicht in Scientific Reports.
Verzögerte Genesung und mehr Komplikationen
Die Forscher untersuchten 870 hospitalisierte Patienten über sieben Monate. Das Ergebnis: 94,3 Prozent der Nicht-Diabetiker waren nach dieser Zeit vollständig genesen. Bei Diabetikern lag der Wert mit 89,8 Prozent deutlich niedriger.
Auch die körperliche Verfassung leidet stärker. Die Sturzrate nach der Entlassung war bei Diabetikern mit 21 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe (11,1 Prozent). Der Krankenhausaufenthalt dauerte im Schnitt 16 statt 13 Tage. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Angina Pectoris.
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Kann Corona Diabetes auslösen?
Die Forschung liefert zunehmend Hinweise, dass eine Infektion selbst Diabetes begünstigen kann. In der brasilianischen Studie entwickelten 7,3 Prozent der zuvor gesunden Patienten nach ihrer COVID-19-Erkrankung die Stoffwechselstörung.
Eine schwedische Registerstudie mit 9,5 Millionen Personen untermauert diesen Befund. Innerhalb der ersten 30 Tage nach einem positiven Test stieg das Risiko für Typ-1-Diabetes bei Kindern um das 5,41-Fache, bei Erwachsenen um das 3,33-Fache. Nach einem Monat normalisierte sich das Risiko wieder. Ein Zusammenhang mit Impfungen wurde nicht festgestellt.
Psychische Belastung bei Diabetes
Die RKI-Studie „Gesundheit 65+“ zeigt: Ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden psychisch stärker. Die Wahrscheinlichkeit für depressive Symptome ist um 60 Prozent höher als bei Gleichaltrigen ohne Diabetes.
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Die Lebenszufriedenheit fällt um 41 Prozent geringer aus. Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit und Einsamkeit treten in der Altersgruppe ab 65 Jahren deutlich häufiger auf.
Neue Therapieansätze in Sicht
Auf dem CEDA-Jahreskongress Ende Juni in Düsseldorf stand die Präzisionsdiabetologie im Fokus. Ein Schwerpunkt: die Behandlung der Fettlebererkrankung MASLD, von der rund 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker betroffen sind.
Die EMA hat zudem Empfehlungen für neue Präparate ausgesprochen. Dazu gehört das wöchentliche Insulin Efsitora alfa für Typ-2-Diabetes. SGLT2-Inhibitoren wie Dapagliflozin oder Empagliflozin zeigen vielversprechende Ergebnisse beim Schutz von Nieren und Herz – wichtig, denn 30 bis 40 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln im Verlauf Nierenschäden.
Für Typ-1-Diabetes gibt es Hoffnung aus Chicago: Eine Phase-2-Studie der University of Chicago testete den Antikörper Tegoprubart. Nach einer Inselzelltransplantation erreichten zwölf Probanden vollständige Insulinunabhängigkeit – ohne Abstoßungsreaktionen.
Zuckersteuer ab 2028 geplant
Die Bundesregierung will gegensteuern: Ab 2028 ist eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke geplant. Sie ersetzt eine ursprünglich diskutierte Sonderabgabe, gegen die verfassungsrechtliche Bedenken bestanden. Die erwarteten Einnahmen von rund 450 Millionen Euro pro Jahr sollen den gesetzlichen Krankenkassen zugutekommen. Die Getränkewirtschaft hat bereits Widerstand angekündigt.
