Diabetes-Medikamente: Infektionssterblichkeit sinkt um 60 Prozent
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Moderne Abnehm- und Diabetesmedikamente senken nicht nur kardiovaskuläre Risiken, sondern auch die Infektionssterblichkeit erheblich. Eine neue Analyse der TU München und der Harvard University, veröffentlicht im August in The BMJ, zeigt: Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sank bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Adipositas innerhalb eines Jahres von 4,4 auf 2,9 Prozent. Das entspricht einer Reduktion um ein Drittel.
Deutlich weniger Krankenhauseinweisungen
Die Forscher beobachteten zudem bemerkenswerte Effekte bei Infektionskrankheiten. Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen gingen um 36 Prozent zurück, die Infektionssterblichkeit sogar um 60 Prozent. Eine konsequente Stoffwechselkontrolle scheint das Immunsystem chronisch Kranker grundlegend zu stabilisieren.
Demenzrisiko und Augengesundheit
Auch neurologische Folgen rücken in den Fokus. Eine US-Studie in Neurology zeigt: Rauchen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes verkürzen die demenzfreie Zeit um fast 13 Jahre. Betroffene mit allen drei Risikofaktoren blieben im Schnitt nur 17 Jahre demenzfrei, Menschen ohne diese Belastungen rund 30 Jahre.
Taiwanesische Forscher untersuchten zusätzlich den Einfluss von GLP-1-Rezeptoragonisten auf die Augen. Bei über 157.000 Patienten ab 60 Jahren war die Anwendung mit einem geringeren Risiko für altersbedingte Makuladegeneration verbunden. Die genauen Mechanismen sind allerdings noch unklar.
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Kostenfrage spaltet Deutschland
Die wirtschaftlichen Effekte sind beachtlich. Eine Analyse der Duke University und des NBER zeigt anhand dänischer Daten: GLP-1-Präparate reduzieren Krankheitsfehlzeiten über 30 Tage um 17,3 Prozent. Der Nutzen entspricht 1,3 bis 1,5 Prozent des Jahreseinkommens pro Erwerbstätigem.
In Deutschland diskutiert der Gemeinsame Bundesausschuss über eine Ausweitung der Erstattung. Die Vorsitzende signalisierte Offenheit unter bestimmten klinischen Bedingungen. Die AOK warnt jedoch vor massiven Kosten: Würden alle GKV-Versicherten mit einem BMI über 30 behandelt, könnten bei Jahrestherapien von rund 4.000 Euro Kosten von bis zu 45 Milliarden Euro entstehen. Frankreich übernimmt die Kosten in spezialisierten Kliniken, das US-System Medicare testet die Erstattung bis Ende 2027.
Markt in Bewegung
Eli Lilly baute seinen US-Marktanteil im zweiten Quartal auf 60,9 Prozent aus, Novo Nordisk kommt auf 38,8 Prozent. Eli Lilly steigerte den Umsatz um 48 Prozent auf knapp 23 Milliarden US-Dollar. Novo Nordisk korrigierte seine Prognosen leicht nach unten – eine Studie zum Wirkstoff Ziltivekimab verfehlte ihre Endpunkte.
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Digital gegen Diabetes
In der Schweiz läuft seit Ende 2025 das Projekt „PreDiabeTx“: Sieben Forschungseinrichtungen und elf Partner aus der Versicherungswirtschaft entwickeln unter der Leitung der Empa KI-gestützte Coaching-Systeme und Wearables. Ziel ist es, rund 500.000 betroffene Menschen vor schweren Folgeerkrankungen zu schützen.
Muskeln erhalten beim Abnehmen
Ein Problem bleibt: schneller Gewichtsverlust kostet Muskelmasse. Eine Studie mit 102 Erwachsenen zeigt einen möglichen Ausweg. Der Antikörper Apitegromab in Kombination mit Tirzepatid reduzierte den Muskelverlust über 24 Wochen um etwa 55 Prozent. Der Gewichtsverlust blieb stabil, Vorteile bei der Muskelkraft ließen sich allerdings nicht nachweisen.
