Diabetes-Medikamente: 81% mehr Ketoazidose-Fälle in acht Jahren
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfangreiche Forschungsdaten aus Skandinavien und Großbritannien erlauben eine detaillierte Einordnung der Sicherheitsrisiken bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes mit SGLT-2-Hemmern.
Eine großangelegte Untersuchung des schwedischen Karolinska-Instituts, deren Ergebnisse am 1. September 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht wurden, untermauert den Zusammenhang zwischen dieser Medikamentengruppe und dem Auftreten der potenziell lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose (DKA).
Analyse des Risikoprofils skandinavischer Patienten
Die Untersuchung des Karolinska-Instituts stützt sich auf eine breite Datenbasis von mehr als 280.000 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes aus Schweden, Dänemark und Norwegen. Die Analyse konzentrierte sich auf die Wirkstoffe Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin. Den Ergebnissen zufolge besteht unter der Einnahme dieser SGLT-2-Hemmer ein messbares Risiko für die Entwicklung einer Ketoazidose.
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betrifft den Zeitraum der Gefährdung. Die Forscher stellten fest, dass das Risiko einer Ketoazidose nicht auf die initiale Phase der Behandlung begrenzt ist, sondern während der gesamten Dauer der Anwendung von SGLT-2-Hemmern bestehen bleibt. Diese Erkenntnis ist für die langfristige Überwachung von Patienten in der klinischen Praxis von Bedeutung.
Identifizierte Risikofaktoren und Patientengruppen
Im Rahmen der am 1. September 2026 vorgestellten Ergebnisse wurden spezifische Faktoren identifiziert, die die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation erhöhen. Zu den maßgeblichen Risikogruppen zählen demnach Patienten, die bereits in der Vergangenheit eine Ketoazidose erlitten haben oder zu hohen Blutzuckerwerten neigen.
Auch wiederkehrende Unterzuckerungen in der Krankenhistorie sowie ein niedriges Körpergewicht beziehungsweise Anzeichen von Mangelernährung wurden als kritische Parameter eingestuft.
Darüber hinaus weist das Karolinska-Institut darauf hin, dass akute gesundheitliche Einschränkungen das Risiko unter einer Therapie mit Wirkstoffen wie Dapagliflozin, Canagliflozin, Empagliflozin oder Ertugliflozin verschärfen können.
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Hierzu zählen insbesondere Infektionen, eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion sowie schwerwiegende Ereignisse wie ein Schlaganfall. Auch im zeitlichen Umfeld von größeren chirurgischen Eingriffen ist laut der Analyse besondere Vorsicht geboten.
Einordnung der Prävalenz und klinische Entwicklung
Zusätzliche Daten verdeutlichen die Relevanz dieser Erkenntnisse für das öffentliche Gesundheitswesen. In Großbritannien setzen Schätzungen zufolge derzeit etwa 1 Million der insgesamt 4,6 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes SGLT-2-Hemmer ein.
Parallel dazu zeigt eine separate Untersuchung des Imperial College London eine deutliche Zunahme von Komplikationen im Beobachtungszeitraum zwischen 2015 und 2023. In dieser Phase stieg die Anzahl der gemeldeten Ketoazidose-Fälle um 81 %.
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Die gesammelten Daten legen nahe, dass eine differenzierte Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Verschreibung dieser Medikamentenklasse erforderlich ist. Insbesondere bei Patienten mit niedrigem Körpergewicht oder instabilen Blutzuckerwerten mahnen Experten zur Wachsamkeit.
Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Patienten für die Symptome einer Ketoazidose zu sensibilisieren, um im Ernstfall zeitnah intervenieren zu können.
