DHRS7-Gen, Entdeckter

DHRS7-Gen: Entdeckter Signalweg schützt Gewebe vor Entzündungsschäden

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Studie entschlüsselt DHRS7s doppelte Funktion bei Immunreaktionen; mögliche Anwendungen bei Erkrankungen sind bislang nicht am Menschen belegt.
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Gewebe in einer Laborumgebung zur Veranschaulichung zellulärer Schutzmechanismen Illustration mit AI erstellt.

Ein Forschungsteam des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSK) hat das Gen DHRS7 als genetischen Bauplan für ein Enzym identifiziert, nach dem in der Fachwelt seit 1992 gesucht wurde. Die in der Fachzeitschrift Nature am 7. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung beschreibt die zentrale Rolle dieses Signalwegs bei der Steuerung von Entzündungsreaktionen und dem Schutz von Gewebe.

Unter der Leitung der Erstautoren Yanan Ma und Miklós Lengyel sowie unter Beteiligung von Philipp Niethammer bauten die Arbeiten auf früheren Erkenntnissen von King Lam Hui auf. Finanziert wurde das Vorhaben unter anderem von den National Institutes of Health (NIH) sowie dem MSK, ohne finanzielle Beteiligung von Pharmaunternehmen.

Doppelrolle im Entzündungsgeschehen und Gewebeschutz

Das Gen DHRS7 reguliert das Lipidmolekül 5-oxoETE, das als starker Lockstoff für weiße Blutkörperchen dient. Wie die Wissenschaftler des MSK feststellten, übernimmt das Signal eine doppelte Funktion: Es rekrutiert Immunzellen an den Ort des Geschehens, verhindert jedoch gleichzeitig, dass das umliegende gesunde Gewebe geschädigt wird. Wird dieser Signalweg unterbrochen, entfällt gewissermaßen die biologische Bremse der Immunantwort.

Die enzymatische Aktivität von DHRS7 hängt maßgeblich vom zellulären Redoxzustand ab. Bei oxidativem Stress fördert das Enzym die Produktion von 5-oxoETE, was den Rezeptor OXER1 aktiviert und weiße Blutkörperchen anzieht. Unter Normalbedingungen begünstigt es hingegen den Abbau des Botenstoffs. Die jeweilige Reaktionsrichtung wird durch das zelluläre NADP+/NADPH-Verhältnis gesteuert.

Tiermodelle und zelluläre Schutzmechanismen

Da Mäuse und Ratten über keinen bekannten Andockpunkt für 5-oxoETE verfügen, nutzten die Forscher den Zebrafisch als Modellorganismus. Wurden bei den Tieren entweder der Rezeptor oder das Gen DHRS7 deaktiviert, entwickelte sich eine spontane Darmentzündung ohne das Vorliegen einer Infektion.

Fische ohne das funktionelle OXER1-Äquivalent hcar1-4 zeigten programmierten Zelltod, Störungen der Gewebebarriere sowie mikrobenassoziierte Entzündungsschübe. Bemerkenswerterweise ließ sich diese Entzündung nicht durch eine Reduktion der neutrophilen Granulozyten stoppen.

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Der eigentliche Gewebeschutz wird den Daten zufolge über NUDIX-Hydrolasen vermittelt, die schädlichen chemischen Stress durch Darmbakterien abwehren. In Versuchen mit humanen Caco-2-Zellen führte eine Vorbehandlung mit 5-oxoETE zu einer erhöhten Expression von NUDT1 und verringerte das durch Wasserstoffperoxid ausgelöste Zellsterben.

Bei einer gezielten Reduktion von NUDT1 blieb dieser Schutzeffekt aus. Zudem gelang es den Forschern, die Akkumulation von Neutrophilen im Darmepithel wieder auf ein Kontrollniveau zu senken, indem sie humanes NUDT1 oder Nudt15 des Zebrafisches exprimierten.

Relevanz für chronische Erkrankungen und Onkologie

Niedrigere Konzentrationen von 5-oxoETE im Darmgewebe stehen mit ungünstigeren Krankheitsverläufen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung. Zudem wurden Mutationen in DHRS7 und OXER1 bei Tumoren des Magen-Darm-Trakts sowie der Gebärmutter nachgewiesen. Veränderungen in OXER1 korrelieren überdies mit schlechteren Verläufen bei Kolon-, Bauchspeicheldrüsen- und Nierenkrebs.

Als potenzielle Anwendungsgebiete benennen die Autoren chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Asthma und Krebserkrankungen. Die gezielte Aktivierung des Signalwegs beim Menschen bleibt nach Angaben der Forscher vorerst jedoch eine Hypothese; belastbare Nachweise an Patienten stehen aus. Dies gilt gleichermaßen für Überlegungen, den Mechanismus zur Linderung von Schäden infolge von Strahlen- oder Chemotherapien einzusetzen.

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Bereits unabhängig davon untersuchte Wirkstoffe wie der OXE-Antagonist S-Y048, zu dem ein Patentantrag vorliegt, hemmten das Signal in humanen Neutrophilen bei rund 20 picomolar und zeigten im Blut von Cynomolgus-Affen nach oraler Gabe eine Halbwertszeit von etwa 7,5 Stunden.

In einer 2021 durchgeführten Studie an zwölf Rhesusaffen senkte dieser Wirkstoff nach Exposition mit Hausstaubmilben die Eosinophilen in der Lungenspülflüssigkeit um 52 Prozent, die Neutrophilen um 77 Prozent sowie die bronchialen Muzin-Zellen um rund 40 Prozent. Die neuen Erkenntnisse zur molekularen Steuerung von DHRS7 liefern der Wirkstoffforschung nun eine präzisere Grundlage für künftige Entwicklungen.

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