Deutschland-App: Sechs Städte testen KI-gestützte Behördengänge
07.06.2026 - 00:09:20 | boerse-global.de
Mehrere Bundesländer und Kommunen haben im Juni 2026 neue Initiativen zur Modernisierung der öffentlichen Verwaltung gestartet. Von Künstlicher Intelligenz bis zu digitalen Selbstbedienungsterminals – die Projekte sollen als Blaupausen für bundesweite digitale Dienste dienen.
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Pilotstädte für die neue Deutschland-App
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat sechs Städte und Kreise für die Erprobung neuer digitaler Infrastrukturen ausgewählt. Am 4. Juni 2026 wurde Wiesbaden als eine von sechs Pilotkommunen für die neue Deutschland-App benannt. Neben der hessischen Landeshauptstadt sind auch Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg und Nürnberg dabei.
Die mobile Anwendung nutzt Künstliche Intelligenz, um Bürger bei Behördengängen zu unterstützen – etwa bei der Beantragung von Wohngeld oder Kindergeld. Ein Prototyp steht kurz vor der Fertigstellung, ein Test mit einer eingeschränkten Nutzergruppe soll in Kürze beginnen.
Im Wetteraukreis startet zudem ein sechsmonatiges Pilotprojekt zur Digitalisierung von Verwaltungsverfahren. Der Kreis wurde am 6. Juni als einer von zwei regionalen Modellstandorten für eine breitere Digitalisierungsoffensive ausgewählt. In Zusammenarbeit mit dem BMDV und dem hessischen Digitalministerium entstehen standardisierte digitale Verfahren für Führerscheine, Kfz-Zulassungen und Aufenthaltstitel. Erste Workshops mit lokalen Behörden laufen bereits.
Digitale Terminals gegen lange Wartezeiten
Um Wartezeiten in Bürgerämtern zu verkürzen, hat die Stadt Dresden am 5. Juni zwei digitale BundID-Terminals eröffnet. Die Kioske in den Stadtteilen Striesen und Wilsdruffer Vorstadt ermöglichen es Bürgern, Behördengänge wie die Beantragung von Führungszeugnissen, Adressänderungen oder das Hochladen von Passfotos eigenständig zu erledigen. Voraussetzung ist ein BundID-Konto mit aktivierter Online-Ausweisfunktion. Die Terminals werden von der DGIV betrieben.
Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg meldet das Jobcenter Fortschritte bei der digitalen Transformation. Seit Anfang Mai 2026 können Bürger über ein neues Formular-Management-System Dokumente einreichen und Rückrufe online anfordern. Nach Angaben lokaler Behörden sind mittlerweile 75 Verwaltungsdienstleistungen im Kreis digital verfügbar. Ziel ist es, die Mitarbeiter zu entlasten und Antragsverfahren für die Bürger zu vereinfachen.
Millionenförderung für offene Daten
Auch die Dateninfrastruktur der Kommunen wird ausgebaut. Der Wetteraukreis erhielt am 6. Juni rund 50.000 Euro Bundesförderung aus dem Programm „Land.Open.Data". Der Kreis plant, bis Ende 2026 ein offenes Datenportal einzurichten. Dort sollen Geodaten, Klimadaten und statistische Daten für 25 Kommunen bereitgestellt werden. In einer ersten Phase werden Flächennutzungspläne digitalisiert.
Hamburg wurde am 7. Juni auf der re:publica-Konferenz für den Einsatz Künstlicher Intelligenz ausgezeichnet. Die Stadt erhielt einen Preis für ein Projekt, das KI nutzt, um Texte in Leichter Sprache mit Bildern zu ergänzen. Die Initiative folgt auf ein Pilotprojekt aus dem August 2022, bei dem KI für automatische Übersetzungen eingesetzt wird. Dieses Werkzeug steht inzwischen allen Hamburger Behörden zur Verfügung.
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Cyberangriffe: Deutlicher Rückgang, aber keine Entwarnung
Mit der Ausweitung digitaler Dienste wächst auch der Fokus auf Sicherheit. Beim 8. Cybersicherheitsgipfel in Marburg betonte Hessens Innenminister Roman Poseck die Notwendigkeit von Resilienz gegen Ransomware und hybride Bedrohungen. Laut aktuellen Zahlen wurden 2026 bisher fünf Cyberangriffe registriert – ein deutlicher Rückgang gegenüber 25 Angriffen im Jahr 2023 und 21 im Jahr 2024. Das hessische Cybersicherheitszentrum (Hessen3C) hat bereits 355 Kommunen bei der Überprüfung ihrer IT-Systeme unterstützt, 309 verfügen über formelle Notfallpläne.
Die wirtschaftlichen Effekte dieser Digitalisierungsinvestitionen hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer Studie untersucht. Die am 5. Juni veröffentlichte Analyse von „Smart City"-Projekten in Jena, Osnabrück und Freiburg kommt zu dem Schluss, dass digitale Stadtentwicklung oft indirekte wirtschaftliche Vorteile für die gesamte Region bringt. Das BBSR stellte zudem eine Checkliste zur Verfügung, die Kommunen bei der Bewertung dieser regionalen Effekte helfen soll.
Ausblick: Neue Formate im Juni
Die Digitalisierungsoffensive setzt sich mit mehreren Fachveranstaltungen fort. Am 11. Juni 2026 befasst sich das Online-Event „Der digitale Shift 4.1" mit der durchgängigen Digitalisierung der Hochschulverwaltung – Schwerpunkte sind die Registermodernisierung und die europäische digitale Identität (EUDI Wallet).
Am 18. Juni 2026 findet in Berlin der erste NEGZ Demo Day statt. Die Veranstaltung zeigt KI-gestützte Low-Code-Entwicklung für öffentliche Verwaltungen. Geplant sind Live-Demonstrationen digitaler Bewohnerparkausweise und Mängelmelder – mit besonderem Fokus auf Open-Source-Technologie und digitale Souveränität.
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