Deutscher Philologenverband plädiert für Vollverschleierungsverbot

Veröffentlicht: 05.02.2020 um 07:01 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Der Deutsche Philologenverband nimmt Stellung zum Streit über ein mögliches Vollverschleierungsverbot an deutschen Universitäten. Er würde das Verbot begrüßen.

Burka, Illustration mit AI erstellt.
Burka, Illustration mit AI erstellt.
Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Susanne Lin-Klitzing bezeichnete ein Verbot der Vollverschleierung an Universitäten als „richtig und begründbar“. Das sagte sie in einem Interview, das die „Welt“ am Mittwoch (05.02.20) veröffentlicht. Im Unterricht an Universitäten gehe es um Kommunikation, so Lin-Klitzing. Dazu gehöre neben der rein verbalen Sprache auch ganz klar die Mimik einer Person, ihre Gestik und Körpersprache. Sollten diese durch eine Vollverschleierung nicht mehr zu deuten sein, gäbe es unweigerlich Missverständnisse in den Seminaren und Hörsälen. Der Auffassung von Susanne Lin-Klitzing widerspricht der Deutsche Hochschulverband. Sein Präsident Bernhard Kempen argumentierte ebenfalls in der „Welt“, dass die Religionsfreiheit im deutschen Grundgesetz einen so hohen Stellenwert genieße, dass ein generelles, vom Gesetzgeber verordnetes Vollverschleierungsverbot an Universitäten der deutschen Verfassung zuwiderlaufen dürfte. Verbote seien nach Auffassung der Hochschulvertreter nur dort zu begründen, wo eine Verhüllung des Gesichts die universitären Arbeitsabläufe nachhaltig beeinträchtigen würde. In Seminaren etwa könne er sich ein Verbot vorstellen, weil in den dortigen kleinen Gruppen auf engem Raum auch nonverbal kommuniziert werde. Wenn diese nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten durch eine Verschleierung fehlen sollten, könne dieser Umstand das wechselseitige Verstehen und somit auch funktionale Abläufe beeinträchtigen, so Kempen weiter. Der Studentendachverband fzs (freier zusammenschluss von student*innenschaften) mahnt in der Diskussion um eine Vollverschleierung an Universitäten Verhältnismäßigkeit an. Man lehne zwar grundsätzlich die Burka und den Niqab (Gesichtsschleier) als Extremformen der islamischen, antifeministischen Anstandskultur ab, sagte der fzs-Vorstand Sebastian Zachrau. In Ländern, wo diese Kultur vorherrsche, sei Gewalt gegen „nicht züchtig“ gekleidete Frauen ein Alltagsphänomen, so etwa im Iran. Jedoch bestünde diese Gefahr natürlich nicht in Kiel. Daher müsse sich ein Verbot in Bezug auf seine Verhältnismäßigkeit hinterfragen lassen. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen Lasse Petersdotter, gleichzeitig Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein, bekräftigte nochmals die ablehnende Haltung seiner Partei gegenüber einem Verbot. Man sei grundsätzlich der Auffassung, dass wohl eine Frau auch mit Niqab an Lehrveranstaltungen teilnehmen könne. Die FDP nimmt dazu eine konträre Haltung ein. Ihr Landtagsfraktionschef Christopher Vogt sagte, dass es den Universitäten möglich sein müsse, für bestimmte Lehrveranstaltungen ein Vollverschleierungsverbot auszusprechen.

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