Deskbikes bei der Telekom: 220 Geräte sollen Bewegung in den Büroalltag bringen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Deutsche Telekom setzte bereits ab Mitte November 2016 auf neue Arbeitsplatzkonzepte gegen Bewegungsmangel und stellte insgesamt 220 Deskbikes im Konzernhaus Hamburg sowie in der Bonner Service-Zentrale bereit. Zuvor hatten im Jahr 2016 im Rahmen einer Pilotphase 60 Beschäftigte am Standort Köln sechs Wochen lang mobile Bewegungsgeräte getestet.
Diese Erprobung wurde durch eine Studie der Berufsgenossenschaft Verkehr, des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV und der Deutschen Sporthochschule Köln wissenschaftlich begleitet. Für die Nutzung solcher Deskbikes empfehlen Experten zwei- bis dreimal täglich 15 bis 20 Minuten Treten während der Arbeitszeit.
Ergonomie und Dynamik am Bildschirmarbeitsplatz
Den Hintergrund für derartige betriebliche Maßnahmen bildet das weitverbreitete Dauersitzen in der Verwaltung. Laut einem Report der Deutschen Krankenversicherung aus dem Jahr 2015 saßen Deutsche im Schnitt siebeneinhalb Stunden am Tag.
Dr. Anne-Katrin Krempien, Leiterin des Bereichs Health & Safety Management bei der Deutschen Telekom, kündigte damals an, dass die Geräte ab 2017 an weiteren nationalen und internationalen Standorten folgen sollten.
Dass starre Haltungen erhebliche gesundheitliche Belastungen mit sich bringen, belegen Daten von Arbeitsschutzbehörden. Nach Angaben der EU-OSHA erhöht aufrechtes Sitzen ohne Rückenstütze den Druck auf die Lendenwirbelscheiben im Vergleich zum Stehen auf 140 Prozent.
Ein Vorbeugen steigert diesen Wert sogar auf 190 Prozent. Die EU-OSHA empfiehlt deshalb, höchstens 50 Prozent des Arbeitstages sitzend zu verbringen, alle 20 bis 30 Minuten kurze Pausen einzulegen und nach zwei Stunden für mindestens zehn Minuten zu stehen.
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Ein Experte der Aktion Gesunder Rücken e. V. betonte, dass rückengesundes Arbeiten einen häufigen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen erfordere, und verwies auf die sogenannte 25/50/25-Regel: Pro Stunde sollten Beschäftigte 15 Minuten stehen, 30 Minuten sitzen und 15 Minuten Bewegung integrieren.
Wissenschaftliche Befunde zu Bewegung und Interventionen
Ein reines Ausweichen auf Stehtische löst die Probleme moderner Büroarbeit jedoch nicht allein. Eine Untersuchung der University of Sydney zeigte, dass langes Stehen am Arbeitsplatz nicht automatisch gesünder als Sitzen ist und das Risiko für Durchblutungsstörungen, Krampfadern sowie Muskelverspannungen vergrößern kann.
Ein Arbeitsmediziner des Dienstleisters Quirónprevención stellte fest, das Problem liege weniger in einer einzelnen Haltung über wenige Minuten als vielmehr im Wiederholen von Gewohnheiten über viele Stunden ohne Positionswechsel. Regelmäßiges Aufstehen und Bewegen sowie Pausen und Aufgabenwechsel bei repetitiven Tätigkeiten seien daher geboten.
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Nach Angaben der WHO sind rund 90 Prozent der Kreuzschmerzfälle unspezifisch, und Medikamente gelten nicht als Erstlinienbehandlung. Eine Fachmedizinerin von UW Medicine hielt fest, dass bis zu 60 bis 80 Prozent der Büroangestellten über muskuloskelettale Schmerzen berichten, vor allem in den Bereichen Nacken, Schultern und Rücken. Sie empfahl etwa drei Minuten Bewegung alle 30 Minuten sowie mindestens drei Trainingseinheiten pro Woche – aufgeteilt auf 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Aerobic-Aktivität und zwei Krafttrainingseinheiten.
Ergänzende Forschung der Macquarie Universität belegt, dass bereits ein regelmäßiger Spaziergang von 30 Minuten gegen Rückenschmerzen hilft, während 7.000 Schritte am Tag als ausreichend für die allgemeine Fitness eingestuft werden.
Eine Analyse der Cochrane Database of Systematic Reviews und der University of Technology Sydney von 20 klinischen Studien mit 2.478 Personen mit arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Beschwerden zeigte kurzfristig kaum oder keinen Unterschied rein ergonomischer Interventionen bei Schmerzen, Funktion, Genesung oder Krankheitsausfällen.
Ergonomische Ansätze scheinen demnach weniger wirksam zu sein als aktive körperliche Bewegung, wenngleich sich mögliche geringe Vorteile beim Rotatorenmanschetten-Syndrom andeuteten.
