Unterhaltungselektronik schrumpft weiter – Streaming boomt
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Talfahrt im deutschen Markt für Unterhaltungselektronik setzt sich fort: Nach dem Allzeithoch im ersten Pandemiejahr 2020 schrumpft die Branche 2026 das sechste Jahr in Folge. Wie der Digitalverband Bitkom im Vorfeld der Technikmesse IFA mitteilte, sinken die Erlöse im laufenden Jahr voraussichtlich um 2,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Zwar stützen Großereignisse wie die Fußball-WM den Absatz, massiver Preisdruck und eine spürbare Kaufzurückhaltung belasten jedoch das Geschäft.
Damit entfernt sich das Marktvolumen weiter von dem 2020 markierten Rekordwert von 9,3 Milliarden Euro. «Nach den außergewöhnlich starken Corona-Jahren hat sich der Markt wieder normalisiert. Technik wird selektiver gekauft: Größere Anschaffungen werden stärker abgewogen, häufiger verschoben oder über Aktionen realisiert», sagte Olaf May, Mitglied des Bitkom-Präsidiums. Ein leichtes Wachstum in Nischen wie den Digitalkameras reiche bislang nicht aus, um die Einbußen im Gesamtmarkt aufzufangen.
Preisdruck belastet TV-Geschäft
Mit einem Umsatz von 2,81 Milliarden Euro stellen Fernsehgeräte weiterhin das mit Abstand größte Marktsegment dar, müssen im laufenden Jahr jedoch ein Minus von 3,5 Prozent hinnehmen. Die Fußball-Weltmeisterschaft sowie der anhaltende Trend zu größeren Bildschirmdiagonalen hätten zwar die Stückzahlen angekurbelt. Gleichzeitig hätten jedoch aggressive Rabattaktionen und der allgemeine Preisverfall in der Unterhaltungselektronik die Erlöse deutlich geschmälert.
Noch kräftiger fällt das Minus bei den Spielkonsolen aus: Nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr brechen die Erlöse um 9 Prozent auf 840 Millionen Euro ein – auch weil Hersteller wie Sony, Microsoft oder Nintendo in diesem Jahr keine neuen Konsolengenerationen vorgestellt haben. Der Markt für klassische Audiogeräte gibt um 4 Prozent auf 870 Millionen Euro nach, während sonstige Unterhaltungselektronik wie Set-Top-Boxen oder Blu-ray-Player auf 810 Millionen Euro (-0,5 Prozent) kommt.
Verbraucher meiden Werbe-Aufpreise
Auf Nutzerseite schreitet der Medienumbruch unaufhaltsam voran. Inzwischen streamen 89 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren Videos über das Netz, während das traditionelle lineare Fernsehen über Kabel, Satellit oder Antenne noch von 81 Prozent genutzt wird. Lediglich in der Generation 65+ bleibt das klassische TV mit einer Reichweite von 94 Prozent vor dem Videostreaming (68 Prozent) führend.
Trotz wirtschaftlicher Verunsicherung bleibt die Zahlungsbereitschaft im Digitalbereich robust: 61 Prozent der Streaming-Nutzer zahlen für Inhalte. Die durchschnittlichen Monatsausgaben für Abonnements kletterten im Vergleich zum Vorjahr von 17,50 Euro auf 18,50 Euro, die Ausgaben für Einzelabrufe stiegen von 11,00 Euro auf 12,80 Euro im Monat.
Gleichzeitig sind die Verbraucher unzufrieden über neu eingeführte Tarifmodelle: 59 Prozent der Befragten stört es, Aufpreise zahlen zu müssen, um Werbeeinblendungen zu umgehen. Zudem reagieren die Verbraucher zunehmend flexibel auf das Überangebot: 17 Prozent der Konsumenten haben bereits «Abo-Hopping» betrieben und Verträge unmittelbar nach dem Konsum bestimmter Serien oder Sportevents gekündigt.
Massive Skepsis gegenüber KI in Kunst und Unterhaltung
Einen deutlichen Schwerpunkt der diesjährigen Erhebung bilden die Einstellungen zu generativer Künstlicher Intelligenz. Das Stimmungsbild der Bundesbürger ist von dem Wunsch nach strengen Regularien geprägt: 91 Prozent fordern eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Filme und Serien. Zudem stufen 72 Prozent KI-Inhalte als existenzielle Bedrohung für die Filmwirtschaft ein.
Im Musikbereich zeichnet sich eine vergleichbare Skepsis ab: 75 Prozent sehen traditionelle Musiker und Komponisten durch KI bedroht, 58 Prozent fordern einen Ausschluss KI-generierter Songs aus den offiziellen Verkaufscharts und 35 Prozent plädieren für ein generelles Verbot auf Streaming-Plattformen. Dass in zehn Jahren der Großteil aller Musik von Algorithmen erschaffen wird, erwarten bereits 44 Prozent der Befragten.
IFA-Chef Lindner: Alltagsnutzen vermitteln und Ängste abbauen
Auch bei der IFA steht das Thema KI ganz oben auf der Agenda. «Bei einer Technikmesse liegt es nahe, dass KI zu 100 Prozent im Vordergrund steht», sagte Leif Lindner, Geschäftsführer der IFA Management GmbH. Angesichts rasanter Innovationssprünge – Entwicklungszyklen hätten sich von Jahren auf wenige Wochen verkürzt – sieht Lindner die Messe in der Verantwortung, Orientierung zu bieten: «Uns ist wichtig, dass sich der Endkonsument von KI nicht überfordert fühlt. Es geht darum, auch den Nutzen im Alltag der Konsumenten zu erklären.»
Entscheidend sei vor allem, den Menschen «die Angst zu nehmen, weil so viel Veränderung natürlich auch für Unsicherheit sorgt». Als greifbares Anwendungsbeispiel für KI kündigte Lindner eine Präsentation von insgesamt 17 Robotern – darunter humanoide und Entertainment-Roboter – auf einem Laufsteg («Robots on the Runway») an. Zugleich forderte er einen realistischen Blick auf persönliche Daten ein: «Wenn man KI massiv nutzen möchte, muss man das Thema Privatsphäre neu verhandeln. Wenn ich weniger Daten von mir preisgebe, dann habe ich auch weniger von der KI.»
