Trade Republic bietet Altersvorsorgedepot ohne ETF-Gebühren an
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 10:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTrade Republic setzt auf kostenfreie ETF-Auswahl
- Trade Republic bietet für mehr als 50 ETFs den Wegfall der Fondskosten an und reinvestiert diese monatlich.
- Das Angebot gilt für ein Standarddepot und ein frei gestaltbares Altersvorsorgedepot.
- Beim Altersvorsorgedepot sind bis zu 540 Euro Zulage jährlich möglich, zusätzlich bis zu 300 Euro pro Kind.
Trade Republic steigt mit einem Gratis-Modell in den Wettbewerb um das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ein und verschärft damit den Preiskampf unter den Anbietern.
Nulltarif für mehrere Depotmodelle
Der Berliner Online-Broker verzichtet wie viele Wettbewerber auf Depot- und Ausführungskosten. Bei mehreren Dutzend ETFs sollen außerdem keine laufenden Verwaltungsgebühren anfallen; die jeweiligen Fondskosten werden nach Unternehmensangaben monatlich wiederangelegt.
Das Angebot soll sowohl für ein festgelegtes Standarddepot als auch für ein Depot gelten, bei dem Anleger die Auswahl selbst treffen. Trade Republic-Mitgründer Christian Hecker erklärte, die staatliche Förderung müsse bei den Menschen ankommen und dürfe nicht durch hohe Gebühren aufgezehrt werden.
Trade Republic bringt große Kundenbasis ein
Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mehr als zehn Millionen Kunden in Europa, darunter über fünf Millionen in Deutschland. Das verwaltete Kundenvermögen beläuft sich auf mehr als 150 Milliarden Euro.
Mit seiner großen Reichweite ist Trade Republic zu einer wichtigen Konkurrenz für etablierte Banken geworden. Besonders viele jüngere Kunden haben sich dem Online-Broker zugewandt.
Förderung startet ab 2027
Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 staatlich gefördertes Sparen in Indexfonds, Fonds und Anleihen ermöglichen. Förderfähig sind Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro pro Jahr; die Kapitalerträge werden während der Ansparphase nicht besteuert.
Die Grundzulage kann bis zu 540 Euro jährlich betragen, für jedes Kind sind zusätzlich bis zu 300 Euro möglich. Inhaber eines Riester-Vertrags sollen in das neue System wechseln und vorhandenes Guthaben übertragen können.
Scalable Capital bietet ebenfalls Nulltarif
Trade Republic tritt damit auch gegen Scalable Capital an. Der Wettbewerber hat Eckdaten für ein Selbstentscheider-Depot vorgestellt und will das Angebot bei bestimmten Finanzprodukten kostenlos machen.
Scalable Capital wirbt außerdem mit einem Renten-Bonus für ausgewählte ETFs, bei dem die Fondsgebühren reinvestiert werden. Für das Standarddepot nennt der Neobroker jährliche Produktkosten von bis zu 0,15 Prozent.
Mehr als 90 Prozent planen ein Angebot
Auch klassische Institute senken ihre Preise. Die Deutsche Bank plant ein Standarddepot mit Kosten von 0,1 Prozent in den ersten beiden Jahren und danach 0,28 Prozent; ein Beratungsdepot soll 0,99 Prozent jährlich kosten.
Die Dekabank, die Produkte für Sparkassen bereitstellt, veranschlagt für ihr Standarddepot 0,1 Prozent pro Jahr. Nach einer Studie der DWPBank planen mehr als 90 Prozent der 88 befragten Institute ein Altersvorsorgedepot.
Ein neues Produkt mit politischem Rückenwind
Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine staatlich geförderte, börsenbasierte private Vorsorge ermöglichen. Sparer können dabei in ETFs, Fonds und Anleihen investieren; die Kapitalerträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Damit verschiebt sich ein Teil der Vorsorge stärker zu kapitalmarktbasierten Produkten.
Gebühren werden zum Wettbewerbsfaktor
Trade Republic nutzt mit dem Gratis-Modell sein digitales Geschäftsmodell als Wettbewerbsvorteil. Der Verzicht auf Depot-, Ausführungs- und bei ausgewählten ETFs auch auf laufende Produktkosten kann besonders preissensible und jüngere Anleger ansprechen. Für Kunden zählt dennoch, welche Fonds tatsächlich verfügbar sind und welche Kosten außerhalb der beworbenen Auswahl anfallen.
Förderung und Risiko im Blick
Die staatlichen Zulagen erhöhen den Anreiz, regelmäßig einzuzahlen. Zugleich tragen Anleger bei Fonds und ETFs das Kapitalmarktrisiko; Kursverluste sind trotz Förderung möglich. Der Wettbewerb dürfte deshalb nicht allein über den Preis entschieden werden, sondern auch über Produktauswahl, Verständlichkeit, Beratung und die langfristige Stabilität der Angebote.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Deutsche-Bank-Chef Sewing lobt die Regierung für das Altersvorsorgedepot“ (11.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, Christian Sewing habe die Bundesregierung für die Einführung des Altersvorsorgedepots gelobt. Er beschreibe das Produkt als börsenbasiertes Anlagekonto, das ab Anfang 2027 eingerichtet werden könne, und betone staatliche Förderung sowie Steuerfreiheit in der Ansparphase. Anders als die aktuelle Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die politische Bedeutung der Reform und nicht auf den Gebührenwettbewerb zwischen Anbietern.
Übergreifend werde damit die Einführung des geförderten Vorsorgekontos bestätigt; der Schwerpunkt liege jedoch auf den politischen Erwartungen, während die konkrete Preisgestaltung von Trade Republic und anderen Anbietern offenbleibe.
