Depressive, Symptome

Depressive Symptome: Doppelbelastung erhöht das Risiko mehr als doppelt

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden das Zurschaustellen von Stress mit geringerer Wertschätzung; hohe Arbeitsanforderungen gehen mit mehr depressiven Symptomen einher.
Ein leerer, ruhiger Büroraum in der Abenddämmerung mit Blick auf die dunkle Skyline, der das Gefühl von Überlastung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Der anhaltende Druck zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Sorgen belastet viele Beschäftigte. Aktuelle Analysen verdeutlichen, dass neben der tatsächlichen Überlastung auch das öffentliche Zurschaustellen von Stress erhebliche negative psychologische Effekte nach sich ziehen und sowohl das eigene Selbstbild als auch die soziale Wahrnehmung im Kollegenkreis beeinträchtigen kann.

Wenn das Prahlen mit Arbeitsstress das Ansehen beschädigt

Während eine Untersuchung im «Journal of Consumer Research» aus dem Jahr 2017 anhand von US-Stichproben noch nahelegte, dass lange Arbeitszeiten und kaum Freizeit auf andere ambitioniert und kompetent wirken, zeichnen neuere Forschungen ein anderes Bild.

Eine im Fachjournal «Personnel Psychology» veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2024, an der 360 Personen fiktive Kollegen nach einer Konferenz beurteilten, belegt den gegenteiligen Effekt: Wer offensiv mit dem eigenen Stress prahlte, wurde von anderen als weniger kompetent sowie als unsympathisch wahrgenommen. Zudem sank die Bereitschaft, diesen Personen Hilfe anzubieten.

Die Studienautorin Jessica Rodell von der Universität Georgia hob hervor, dass nicht der Stress an sich problematisch sei, sondern das Prahlen damit. Dies deckt sich mit Einschätzungen der Kommunikationsexpertin Vanessa Van Edwards im Podcast «Aspire with Emma Grede», wonach Personen, die fortwährend über einen vollen Terminkalender sprechen, auf ihr Umfeld weniger kompetent wirken.

Steigende Belastungen und das Risiko depressiver Symptome

Gleichzeitig wächst die reale Arbeitsbelastung in den europäischen Betrieben. Daten des dänischen Nationalen Forschungszentrums für Arbeitsumgebung (NFA) vom 9. Oktober 2026 zeigen, dass Beschäftigte, die gleichzeitig unter starkem Zeitdruck und hohen emotionalen Anforderungen stehen, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für depressive Symptome aufweisen als Kollegen ohne diese Kombination.

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Die Untersuchung basiert auf den Angaben von über 18.000 dänischen Beschäftigten aus den Erhebungen zwischen 2012 und 2018, deren Symptome zwei Jahre später erfasst wurden. Der festgestellte Zusammenhang wirkte verstärkend und nicht rein additiv, wobei auch Kombinationen aus körperlichen und emotionalen Anforderungen oder Zeitdruck zu einem mehr als verdoppelten Risiko führten.

Erhebungen auf europäischer Ebene unterstreichen diesen Trend. Laut der Erhebung EU-OSHA OSH-Pulse 2025 erleben 29 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union arbeitsbedingten Stress, Depressionen oder Angstgefühle, während über 40 Prozent von starkem Zeitdruck berichten.

Angaben der EU-OSHA zufolge sind 45 Prozent der Beschäftigten in der EU psychischen Risiken am Arbeitsplatz ausgesetzt, und rund 44 Prozent beklagen Zeitdruck oder Überlastung. Dennoch gaben lediglich 45 Prozent an, dass sie im Betrieb zu stressigen Aspekten ihrer Arbeit befragt werden.

Das Europäische Gewerkschaftsinstitut beziffert die jährlichen Kosten durch arbeitsbedingte Depressionen in der EU infolge von Fehlzeiten, Produktivitätsverlusten sowie Gesundheits- und Sozialausgaben auf über 100 Milliarden Euro.

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Zunahme von Ausfällen und Warnsignale für Betroffene

Auch in Deutschland spiegeln sich die Belastungen in den Krankheitsstatistiken wider. Eine Analyse der DAK ergab, dass psychische Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 erstmals die häufigste Ursache für Fehltage im Beruf darstellten und damit Atemwegsinfekte ablösten.

Bei den AOK-Versicherten stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren um 42 Prozent, während die Burnout-Diagnosen seit 2016 um 77 Prozent zunahmen.

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfasst ein Burnout drei Dimensionen: ein Gefühl von Erschöpfung und Energieverlust, eine mentale Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit sowie eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. Anders als bei kurzzeitigem Stress, bei dem Energie zur Bewältigung bleibt und die Anspannung nachlässt, sobald der Auslöser wegfällt, handelt es sich um einen Zustand chronischer Erschöpfung.

Fachleute weisen auf konkrete Warnzeichen hin. Dazu zählen anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Gereiztheit sowie Konzentrationsschwierigkeiten im Beruf. Als Gegenmaßnahmen werden betriebliche Klärungen von Prioritäten, feste Pausen, klare Grenzen bei der Erreichbarkeit und bei länger anhaltenden Beschwerden das frühzeitige Aufsuchen von Fachärzten oder psychotherapeutischen Sprechstunden empfohlen.

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