Depressionsrisiko, Minute

Depressionsrisiko: Eine Minute schneller laufen senkt es um rund 15 Prozent

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktivität mildert bei diagnostizierten Personen depressive Symptome; bei Bildschirmnutzung erklären Gene und Familie einen Großteil des Zusammenhangs.

Studien zu Bewegung, Bildschirmzeit und psychischer Gesundheit
Ein einsamer, geschlängelter Waldweg im goldenen Licht, der Ruhe und Naturverbundenheit ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen analysieren vertieft, wie körperliche Aktivität und digitale Mediennutzung das Risiko für psychische Erkrankungen beeinflussen. Umfangreiche Datensätze aus genetischen Analysen, Langzeitbeobachtungen und Zwillingsstudien liefern differenzierte Einblicke in das Zusammenspiel von biologischen Veranlagungen und alltäglichem Lebensstil.

Bewegung schwächt genetische Risiken ab

Eine am 2. Oktober 2026 im Fachjournal Nature Mental Health veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von He et al. analysierte Daten von 23.517 Erwachsenen aus den USA im Alter von 18 bis 92 Jahren (Durchschnittsalter 56 Jahre, 67,2 Prozent Frauen).

Auf Basis von Gesamtexom-Sequenzierungen, elektronischen Gesundheitsakten und Bewegungsmessungen über durchschnittlich 582 Tage via Fitnesstracker untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen polygenen Risikoscores und Depressionen.

Ein höherer genetischer Risikomarker erhöhte durchgängig die Wahrscheinlichkeit einer Depressionsdiagnose; hierbei zeigte sich keine signifikante Wechselwirkung mit körperlicher Aktivität.

Bei bereits diagnostizierten Personen dämpfte eine höhere habituelle Aktivität, gemessen an Schritten und moderater bis anstrengender Bewegung, jedoch die Schwere der depressiven Symptome. Die Autoren der Beobachtungsstudie wiesen darauf hin, dass die Daten keinen Kausalitätsnachweis liefern, und forderten klinische Studien zu Dosis, Art und Intensität von Bewegung.

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Frühere wissenschaftliche Arbeiten stützen den präventiven und lindernden Nutzen von Training. Eine im Fachjournal Journal of Affective Disorders veröffentlichte australische Langzeitstudie mit über 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 15 Jahren bei Erstmessung begleitete die Teilnehmenden im Schnitt über 32 Jahre bis zum Alter von 34 Jahren.

Wer den 1,6-Kilometer-Lauf rund eine Minute und 15 Sekunden schneller als der Durchschnitt absolvierte, wies ein um rund 15 Prozent geringeres relatives Depressionsrisiko auf, wobei der Effekt bei Frauen stärker ausgeprägt war.

Eine 2018 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Metaanalyse von 33 randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 1.800 Teilnehmern zeigte zudem, dass gezieltes Krafttraining Depressionssymptome unabhängig vom Ausgangsniveau signifikant verringern kann. Fachleute betonen jedoch, dass Sport kein Ersatz für eine Psychotherapie oder Medikation bei schweren Verläufen ist.

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Zwillingsstudie relativiert Einfluss von Bildschirmzeiten

Neben körperlicher Bewegung steht die Bildschirmzeit im Fokus der Forschung. Eine am 8. Oktober 2026 in Nature Human Behaviour erschienene Untersuchung des Karolinska Institutet analysierte 21.797 schwedische Zwillinge der CATSS-Kohorte (49,9 Prozent weiblich). Verglichen wurde eine schwere Mediennutzung von mehr als sechs Stunden pro Tag mit einer Dauer von höchstens zwei Stunden.

In konventionellen Auswertungen korrelierte eine hohe interaktive Bildschirmnutzung im Alter von 15 Jahren mit einer schlechteren mentalen Gesundheit im Alter von 18 Jahren. Bei identischen Zwillingspaaren schrumpften diese Schätzungen jedoch um 32 bis 95 Prozent und blieben nach Korrekturen für Mehrfachtests nicht signifikant.

Die Autoren schlussfolgerten, dass Gene und das familiäre Umfeld einen Großteil des Zusammenhangs erklären und der direkte kausale Einfluss begrenzter ist als oft angenommen.

Ergänzend untersuchte eine in Scientific Reports erschienene Querschnittsstudie 325 Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren aus der Region Westpommern. Darin zeigten 17,7 Prozent eine hohe oder sehr hohe problematische Internetnutzung, die negativ mit gesunden Lebensstilwerten korrelierte.

Ein gemeinsames Vorhaben von OFFIS – Institut für Informatik und der detoxi Health GmbH aus dem Frühjahr 2026 wies ebenfalls auf statistische Zusammenhänge zwischen auffälliger Nutzung, Stress und Beeinträchtigungen hin, betonte jedoch, dass standardisierte Screeningwerte keine klinische Suchtdiagnose darstellen.

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