Depressionsrisiko: 7.500 Schritte täglich senken es laut Meta-Analyse um 42 Prozent
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 22:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige körperliche Aktivität im Jugendalter steht in einem engen Verhältnis zum seelischen Wohlbefinden. Eine am 1. Oktober im Fachjournal JAMA Network Open publizierte Untersuchung des King's College London und der University of Massachusetts Amherst zeigt, dass Jugendliche mit einem höheren täglichen Schrittpensum seltener unter psychischen Belastungen leiden.
Die Auswertung basiert auf Daten der US-amerikanischen ABCD-Studie an 21 Standorten und begleitete insgesamt 5.515 Heranwachsende über einen längeren Zeitraum.
Im Alter von 11 bis 12 Jahren erfassten die Teilnehmenden ihre Bewegung über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg mittels Fitbit-Tracking. Die durchschnittliche Aktivität der Jugendlichen belief sich dabei auf rund 9.600 Schritte pro Tag. Genau ein Jahr später ermittelten die Forschenden den psychischen Zustand über den standardisierten Fragebogen CBCL.
Messbare Effekte auf Psyche und Gehirnstruktur
Die Ergebnisse weisen auf einen kontinuierlichen Zusammenhang hin: Unter 5.000 Schritten am Tag traten die meisten psychischen Auffälligkeiten auf, während bei rund 8.000 Schritten bereits deutlich weniger Symptome registriert wurden. Bei mehr als 12.000 Schritten pro Tag zeigten sich die geringsten Belastungen.
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Dieser Zusammenhang verlief im untersuchten Bereich linear und flachte nach oben hin nicht ab. Höhere Schrittzahlen korrelierten ein Jahr später mit geringeren Symptomwerten in den Bereichen Angst, gedrückte Stimmung, Aufmerksamkeit und Verhalten. Auf die schulischen Leistungen hatte die Aktivität hingegen keinen statistisch messbaren Einfluss.
Darüber hinaus dokumentierten die Forschenden physische Veränderungen: Die höchsten Schrittzahlen waren mit einer dickeren Hirnrinde in zwei Arealen verknüpft, die für Bewegungsabläufe und Emotionsregulation zuständig sind.
Studienmitautorin Dr. Amanda Paluch hob hervor, dass bereits 1.000 bis 2.000 zusätzliche Schritte am Tag mit einer vorteilhafteren Gehirnstruktur sowie einer stabileren psychischen Verfassung einhergingen.
Fachleute aus der Kinderpsychiatrie verweisen in diesem Kontext darauf, dass die entsprechenden Hirnregionen Entscheidungen sowie Aufmerksamkeit steuern und körperliche Bewegung zudem Dopamin sowie Serotonin freisetzt, während das Stresshormon Cortisol gesenkt wird.
Grenzen der Kausalität und ergänzende Befunde
Das Autorenteam um Erstautor Qingyang Li und Seniorautor Divyangana Rakesh betonte zugleich den methodischen Rahmen der Analyse: Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, ist ein ursächlicher Wirkungszusammenhang wissenschaftlich nicht abschließend belegt.
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Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Kinder und Jugendliche grundsätzlich mindestens 60 Minuten an moderater bis intensiver körperlicher Aktivität pro Tag. Berichten zufolge raten Forschende Eltern dazu, den Nachwuchs im Alltag gezielt zu mehr Schritten zu motivieren.
Die Resultate decken sich mit weiteren wissenschaftlichen Erhebungen. Eine begleitend zitierte Meta-Analyse aus 33 Studien mit über 96.000 Teilnehmenden in JAMA Network Open ergab ab 5.000 Schritten täglich weniger depressive Symptome sowie ab 7.500 Schritten ein um 42 Prozent verringertes Depressionsrisiko.
Eine weitere Untersuchung an rund 4.250 britischen Jugendlichen stellte fest, dass bereits leichte Bewegung mit weniger depressiven Symptomen im Alter von 18 Jahren verbunden war.
Zudem belegte eine Auswertung von 18 Beobachtungsstudien mit mehr als 3 Millionen Teilnehmenden, dass ein um 10 Prozent höherer Grünflächenanteil im Wohnumfeld das Risiko für Depressionen und Angststörungen signifikant reduziert.
