Depressionen und Angststörungen: Steigerung um 24 und 47 Prozent
28.05.2026 - 09:32:01 | boerse-global.deDie Wartezeiten auf Therapieplätze betragen oft mehr als sechs Monate. Jetzt starten Gesundheitsdienstleister in Deutschland, Österreich und der Schweiz neue Angebote: niederschwellige Beratung, KI-Tools und Prävention direkt im Lebensumfeld.
Safe-Space-Apotheken: Hilfe ohne Termin
Am heutigen Donnerstag startet in Berlin und Brandenburg ein neues Projekt für Jugendliche. Sieben Apotheken in der Hauptstadtregion bieten jungen Menschen fortan anonyme und kostenlose Hilfe bei psychischen Problemen an – ohne Termin. Die von der Jugendinitiative Our Generation Z (OGZ) initiierte Maßnahme umfasst bundesweit knapp 50 Standorte. Vor Ort findet keine Therapie statt, aber die Mitarbeiter vermitteln Betroffene an professionelle Hilfsangebote.
Die Notwendigkeit solcher Angebote ist enorm. Eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Fachzeitschrift The Lancet belegt: Seit 2019 stiegen Depressionen um 24 Prozent, Angststörungen sogar um 47 Prozent. Laut dem Schulbarometer der Bosch-Stiftung zeigen rund 25 Prozent der 8- bis 17-Jährigen in Deutschland psychische Auffälligkeiten.
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Wartezeiten von sechs Monaten – und weniger Honorar
Der steigende Bedarf trifft auf ein überlastetes System. In Deutschland beträgt die Wartezeit auf einen Therapieplatz laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) oft mehr als sechs Monate. Die Lage verschärft sich: Seit April erhalten ambulante Psychotherapeuten 4,5 Prozent weniger Honorar – ein Beschluss des Bewertungsausschusses von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung.
Die BPtK-Präsidentin warnt vor Praxisschließungen, besonders auf dem Land. Schätzungen zufolge fehlen rund 7.000 Kassenplätze. Bis 2030 wird zudem etwa ein Drittel der praktizierenden Therapeuten in den Ruhestand gehen.
Auch stationäre Einrichtungen müssen umdenken. Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) plant Neubauten für bis zu 330 Millionen Franken. In Basel verzeichneten die Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) 2025 zwar einen Gewinn von 4 Millionen Franken, setzen aber verstärkt auf ambulante Angebote und Frühinterventionen. Ab Sommer startet dort ein niederschwelliges Beratungsangebot mit Peer-Unterstützung.
KI als Therapeut? Die Generation Z ist schon da
Ein signifikanter Teil der jungen Generation sucht Hilfe außerhalb klassischer Pfade. Laut einer Studie der mhplus Krankenkasse vom August 2025 nutzen rund 61 Prozent der Befragten bei mentalen Belastungen KI-basierte Tools oder soziale Medien. Bei den unter 30-Jährigen steigt dieser Anteil auf 76 Prozent. Neuere Daten deuten darauf hin, dass bis zu ein Drittel der Generation Z emotionale Probleme lieber mit einer KI bespricht als mit einem Menschen.
In der Schweiz testet die Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland derzeit die App "Ylah". Sie dient als digitale Ergänzung zur ambulanten und stationären Therapie. Das Pilotprojekt soll im Laufe des Jahres evaluiert werden. Gleichzeitig warnen Organisationen wie Common Sense Media vor Risiken unregulierter KI-Anwendungen – sie könnten für Jugendliche ungeeignet sein.
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Handy-Verzicht: 15 Prozent weniger depressive Symptome
Ein zentraler Faktor für die psychische Gesundheit junger Menschen ist der Umgang mit dem Smartphone. Ein großangelegtes Experiment des ORF mit über 45.000 Teilnehmern zeigte: Ein dreiwöchiger Verzicht auf das Mobiltelefon verbesserte die Schlafqualität und reduzierte depressive Symptome um 15 Prozent. Auch die problematische Internetnutzung sank signifikant.
Die Politik reagiert. Die österreichische Gesundheitsministerin Korinna Schumann kündigte am Mittwoch an: Ein Gesetz zur Regulierung der Social-Media-Nutzung für Kinder soll bis Ende Juni vorgelegt werden. Die Initiative folgt auf Daten aus dem Projekt "Gesund aus der Krise". Über 70 Prozent der befragten Therapeuten beobachten einen negativen Einfluss des Social-Media-Konsums auf das Schlafverhalten und das Körperbild ihrer jungen Patienten.
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