Depression, Rheuma

Depression und Rheuma: Charité startet 2,3-Mio-Studie mit DHEA

16.06.2026 - 11:32:37 | boerse-global.de

Forschung rückt das Zusammenspiel von Stoffwechsel, Darmflora und Psyche in den Fokus. DFG fördert Projekte zu IL-1 alpha und DHEA mit Millionenbeträgen.

Ganzheitliche Medizin: Neue Studien zu Darm, Psyche und Entzündungen
Depression - Mikroskopische Ansicht menschlicher Zellen und molekularer Strukturen mit leuchtenden Pfaden, die Entzündungen und Heilung darstellen. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt einzelne Entzündungsherde isoliert zu betrachten, rückt das Zusammenspiel von Stoffwechsel, Darmbakterien und Psyche in den Fokus. Aktuelle Studien zeigen: Der Schlüssel zum Therapieerfolg liegt im ganzen Körper.

Molekulare Steuerung an den Gefäßwänden

Ein Forschungsverbund der Universität des Saarlandes und der TU Dresden nimmt ab Herbst 2026 das Interleukin-1 alpha (IL-1 alpha) ins Visier. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit 500.000 Euro über drei Jahre. Ziel: Die Prozesse an der Innenwand der Blutgefäße besser verstehen, um neue Ansätze gegen entzündungsbedingte Gefäßerkrankungen zu finden.

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Parallel dazu liefern ältere Arbeiten der LMU München wichtige Grundlagen. In Science Translational Medicine veröffentlichten Forscher molekularbiologische Kartierungen zu Chemokin-Dimeren. Die Erkenntnis: CC-Dimere fördern Entzündungen wie Atherosklerose, CXC-Dimere wirken hemmend. Daraus könnten synthetische Peptide entstehen, die gezielt in diese Prozesse eingreifen.

Die Darm-Hirn-Achse als Schlüssel

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) liefert neue Belege für die Verbindung zwischen Darm und systemischen Entzündungen. Ballaststoffreiche Ernährung steigert die Produktion kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat. Das senkt die Zonulin-Produktion und stärkt die Darmbarriere. In Versuchsmodellen zeigte sich: Der Wirkstoff Larazotid-Acetat, bereits in klinischen Prüfungen für Zöliakie, kann den Beginn von Arthritis verzögern.

Ein weiterer FAU-Fund: Das Stoffwechselprodukt Itaconat spielt eine zentrale Rolle bei der Infektionsabwehr. Makrophagen produzieren Itaconat über das Enzym ACOD1, wie eine Veröffentlichung in EMBO Molecular Medicine zeigt. Fehlt dieser Signalweg, vermehren sich Bakterien ungehemmt – etwa beim Q-Fieber.

Rheuma und Depression: Zwei Seiten einer Medaille?

In der Rheumatologie zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Eine Analyse in Nature Reviews Rheumatology von Forschern der Semmelweis Universität empfiehlt bei therapieresistenter rheumatoider Arthritis einen ganzheitlichen Ansatz. Statt die Medikamente einfach zu erhöhen, sollten Ärzte Begleitfaktoren wie Depression, Schlafstörungen, Adipositas und Rauchen angehen.

Diesen Zusammenhang untersucht die Charité Berlin nun systematisch. Mitte Juni 2026 startete dort eine multizentrische Studie zum Hormon DHEA als Zusatztherapie bei therapieresistenter Depression. Die DFG fördert das Projekt mit 2,3 Millionen Euro. Hintergrund: Pilotstudien zeigten, dass Entzündungshemmer wie Tocilizumab eine Remissionsrate von 54 Prozent erreichten – gegenüber 31 Prozent in der Placebogruppe. Auch GLP-1-Agonisten wie Liraglutid schnitten besser ab als Placebos.

Passend dazu erweiterte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 11. Juni die Verordnungsmöglichkeiten für Agomelatin und Vortioxetin – speziell für Long-COVID-Patienten mit kognitiven Defiziten.

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Kritik an Wundermitteln und neue Technologien

Nicht jede neue Wirkstoffklasse hält, was sie verspricht. Ein Forschungsteam der Universitäten Wuppertal und Frankfurt veröffentlichte in Frontiers in Pharmacology ein kritisches Review zu spezialisierten pro-auflösenden Mediatoren (SPM). Diese aus Omega-3-Fettsäuren gewonnenen Substanzen sollen angeblich aktiv Entzündungen auflösen. Die Autoren: Dafür gibt es keine ausreichende Evidenz. Die bisherigen Messmethoden entsprächen oft nicht den erforderlichen Standards.

Gleichzeitig gehen Forscher neue Wege. Das EU-Projekt RESOLVE untersucht mit 1,2 Millionen Euro den Einsatz extrazellulärer Vesikel von Stammzellen gegen chronische Nervenschmerzen. Ein weiteres Großprojekt, IMMEDIATE, sucht bis Ende 2026 nach Biomarkern, um die Langzeitergebnisse nach Organtransplantationen zu verbessern – durch digitale Nachsorge und Coaching-Programme. Vorangegangene Studien zum Programm „NierenTX-360-Grad“ zeigten bereits: Eine umfassende Betreuung steigert die klinischen Ergebnisse signifikant.

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