Depression, Gene

Depression und Gene: Bewegung lindert Symptome besonders bei hohem Risiko

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 23:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei bereits diagnostizierter Depression berichteten besonders genetisch stark vorbelastete Aktive von weniger schweren Symptomen.

Bewegung und Depression: Studie zeigt geringere Symptomlast bei hohem Genrisiko
Ein gewundener Kiesweg in einem lichtdurchfluteten Wald im Herbst. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Bewegung gilt seit Langem als wichtiger Faktor für das psychische Wohlbefinden. Eine Untersuchung der University of Texas at San Antonio unter Leitung von Qiliang He, die Anfang Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Mental Health erschien, liefert nun differenzierte Erkenntnisse darüber, wie sich regelmäßige Aktivität bei einer erblichen Vorbelastung für Depressionen auswirkt.

Die Analyse stützt sich auf Daten von 23.517 US-amerikanischen Erwachsenen aus dem All-of-Us-Forschungsprogramm der National Institutes of Health. Die Teilnehmenden wiesen ein Durchschnittsalter von rund 56 Jahren auf, die Altersspanne reichte von 18 bis 92 Jahren, und der Frauenanteil lag bei 67,2 Prozent.

Genetik, Tracking-Daten und Krankheitsverläufe im Abgleich

Für die Forschungsarbeit verknüpfte das Team Methoden der Gesamtgenom-Sequenzierung und polygene Risikoscores mit elektronischen Patientenakten sowie Aktivitätsdaten aus Fitness-Trackern. Über einen Zeitraum von durchschnittlich 582 Tagen – rund 1,6 Jahren – pro Person wurden täglich die Schrittzahlen sowie die Minuten mit moderater bis hoher körperlicher Intensität erfasst.

Die Auswertung gliederte sich in zwei Kernbereiche. Im ersten Teil untersuchten die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit für die Neudiagnose einer schweren depressiven Episode (Major Depressive Disorder).

Ein höherer polygener Risikoscore erhöhte die Diagnosewahrscheinlichkeit zuverlässig, während ein höheres Maß an Bewegung generell mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine entsprechende Diagnose einherging. Eine statistisch signifikante Wechselwirkung zwischen dem genetischen Risikoniveau und dem Umfang der Aktivität zeigte sich bei der reinen Diagnosehäufigkeit jedoch nicht.

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Geringere Symptomschwere bei hoher erblicher Belastung

Deutliche Unterschiede traten hingegen im zweiten Teil der Untersuchung zutage, der sich mit der Schwere der Symptome bei bereits diagnostizierten Depressionen befasste. Hier zeigte sich, dass aktivere Personen über alle genetischen Risikostufen hinweg von milderen Symptomen berichteten.

Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Personen mit der höchsten erblichen Vorbelastung: Probanden mit einem hohen polygenen Risikoscore, die regelmäßig höhere Schrittzahlen und mehr Trainingsminuten mit mittlerer oder hoher Intensität absolvierten, wiesen deutlich weniger schwere Symptome auf als inaktive Personen mit vergleichbarer Genetik. Die Gruppe mit dem höchsten genetischen Risiko schien somit am stärksten von regelmäßiger Bewegung zu profitieren.

Die Ergebnisse bauen auf früheren Arbeiten auf. Bereits eine Studie von Karmel Choi aus dem Jahr 2019 an mehr als 7.900 Personen über zwei Jahre hinweg hatte angedeutet, dass rund 35 zusätzliche Minuten an Bewegung pro Tag das Risiko für Depressionen senken könnten.

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Grenzen der Beobachtung und methodische Ausblicke

Die Autoren ordnen ihre Ergebnisse zugleich methodisch ein. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein strikter kausaler Nachweis führen. Aus den vorliegenden Daten lasse sich zudem noch kein konkretes therapeutisches Schritt-Ziel ableiten. Um fundierte Aussagen über die optimale Dosierung und Dauer von körperlicher Betätigung treffen zu können, seien klinische Studien erforderlich.

Für künftige Untersuchungen plant das Team um Qiliang He, den bestehenden Datensatz um Schlafanalysen zu erweitern. Zudem soll erforscht werden, welchen Einfluss körperliche Aktivität auf den Verlauf von Angststörungen hat.

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de | wissenschaft | 70306405 |