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Depression: Forscher belegen Versteifung von Immunzellen

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung belegt: Depression versteift Immunzellen und erhöht Entzündungsrisiko. Nur jeder vierte Betroffene erhält laut WHO eine angemessene Behandlung.

Depression verändert Immunzellen: Neue Studie zeigt körperliche Auswirkungen
Mikroskopische Aufnahme von Immunzellen mit Fokus auf die Zellmembranstruktur in einer klinischen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Depression macht krank – im wahrsten Sinne des Wortes. Forscher der Universitäten Ulm und Innsbruck haben nun entdeckt: Die Erkrankung verändert messbar die physische Struktur von Immunzellen. Die Zellmembranen werden steifer, die Kommunikation zwischen den Zellen gestört.

Versteifte Zellen: Wenn das Immunsystem verstummt

Ein Team um Alexander Karabatsiakis untersuchte die Blutzellen von 26 Personen mit Depressionsdiagnose und verglich sie mit 28 gesunden Probanden. Das Ergebnis: Bei den Erkrankten waren die peripheren mononukleären Blutzellen deutlich steifer. Chronischer Stress und freie Radikale gelten als Auslöser für diese biophysikalische Erstarrung.

Die Folgen sind gravierend: Durch die versteiften Membranen funktioniert die Zellkommunikation nicht mehr reiboslos. Der Körper reagiert mit Entzündungsreaktionen – ein Beleg für den systemischen Charakter der Krankheit, die längst nicht nur die Psyche betrifft.

Darmentzündung als Warnsignal für die Psyche?

Der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Entzündungen wird durch eine schwedische Analyse mit über 40.000 Patienten untermauert. Das Ergebnis überrascht: Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) steigt das Risiko für psychische Erkrankungen bereits zwei bis drei Jahre vor der eigentlichen Diagnose. Besonders kritisch sind die ersten sechs Monate nach der Diagnose – dann liegt das Risiko für psychische Komplikationen um 50 Prozent höher als in der Allgemeinbevölkerung.

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Auch im Gehirn zeigen sich strukturelle Veränderungen. Eine Studie in „NeuroImage: Clinical" fand bei jungen Erwachsenen mit Depressionen niedrigere Myelinwerte in der grauen Substanz. Betroffen waren unter anderem der linke inferiore Frontalsulcus und die Insula. Die Autoren vermuten: Diese Defizite könnten die Verbindung zwischen frühen Kindheitstraumata und späteren Depressionen erklären.

350 Millionen Betroffene – und nur jeder Vierte wird behandelt

Die Zahlen sind alarmierend: Laut WHO leben weltweit 330 bis 350 Millionen Menschen mit Depression. In Österreich sind rund 730.000 Personen erkrankt – fast zehn Prozent der Bevölkerung. Doch nur jeder vierte Betroffene erhält eine adäquate Behandlung.

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Neue Therapieansätze könnten helfen. Eine Studie in „JAMA Psychiatry" untersuchte die Wirkung einer ketogenen Diät bei therapieresistenter Depression. Bei schweren Verläufen reduzierte die Ernährungsumstellung kurzfristig die Symptome – nach zwölf Wochen ließ sich der Effekt allerdings nicht mehr bestätigen.

Immunforschung liefert neue Puzzleteile

Auch abseits der Depressionsforschung wächst das Verständnis für Immunprozesse. Forscher der Universität Bonn zeigten, dass Infektionen wie Malaria Fresszellen in der Milz dauerhaft schädigen können. Solche Erkenntnisse verdeutlichen: Äußere Belastungen hinterlassen Spuren im Immunsystem – mit direkten Folgen für die psychische Gesundheit. Die Forschung steht erst am Anfang, die Wechselwirkungen zu verstehen.

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