Depression: Charité startet 2,3-Millionen-Euro-Studie mit DHEA
15.06.2026 - 05:11:26 | boerse-global.de
Viele Patienten sprechen auf Standard-Antidepressiva nicht an. Jetzt rücken alternative Ansätze in den Fokus – von Ketamin-Infusionen bis zu hormonellen Zusatztherapien.
Ketamin: Schnelle Hilfe bei akuter Krise
Intravenöse Ketamin-Infusionen können bei schweren Depressionen rasch wirken. Das belegt eine aktuelle Metaanalyse. Demnach mildert der Wirkstoff nicht nur die Kernsymptome, sondern reduziert auch suizidale Tendenzen signifikant.
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Doch Vorsicht: Für die dauerhafte Anwendung fehlen noch verlässliche Daten. Die Langzeitsicherheit von Ketamin ist nicht abschließend geklärt. Fachleute fordern weitere Studien zum Nutzen-Risiko-Profil bei wiederholter Gabe.
Hormone als Verstärker: Charité startet Großstudie
Ein anderer Forschungszweig setzt auf hormonelle Unterstützung. Mitte Juni startete eine multizentrische Studie unter Leitung der Charité. Sie untersucht DHEA (Dehydroepiandrosteron) als Zusatztherapie bei therapieresistenten Depressionen.
Das Projekt wird mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Neun Zentren sind beteiligt. Die Frage: Verbessert DHEA den klinischen Zustand von Patienten, die auf bisherige Behandlungen nicht ansprachen?
Überraschende Impulse aus der Diabetes- und Rheumaforschung
Auch andere Fachbereiche liefern neue Ansätze. Eine Studie im Lancet Psychiatry (11. Juni) testete Liraglutid – ein GLP-1-Rezeptor-Agonist aus der Diabetes-Therapie – bei Patienten mit Major Depression. Ergebnis: 30 Prozent Responserate in der Behandlungsgruppe, nur 15 Prozent unter Placebo.
Noch deutlicher fällt eine Pilotstudie der Universität Bristol aus. Der IL-6-Blocker Tocilizumab, bekannt aus der Rheuma-Behandlung, erzielte eine Remissionsrate von 54 Prozent bei therapieresistenter Depression. Das unterstreicht die Bedeutung entzündungshemmender Mechanismen.
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Neue Verordnungsmöglichkeiten bei Long-COVID
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 11. Juni die Verordnungsfähigkeit von zwei Wirkstoffen erweitert. Agomelatin und Vortioxetin sind künftig auch für Long-COVID-Patienten mit Fatigue oder kognitiven Defiziten zugelassen.
Die Regelung schließt eine Versorgungslücke. Viele Betroffene leiden unter neurologischen und psychischen Beeinträchtigungen infolge chronischer Erschöpfung – und bekamen bisher keine passende Therapie.
