Depression: Biomarker steigern Ansprechrate auf 66,8 Prozent
07.07.2026 - 03:52:40 | boerse-global.de
Diese therapieresistente Depression (TRD) rückt in den Fokus der Forschung.
Biomarker zeigen den richtigen Wirkstoff
Die Auswahl von Antidepressiva per Biomarker steigert die Ansprechraten signifikant. Das legt eine Studie nahe, die am 6. Juli in Nature Mental Health erschienen ist.
Wissenschaftler der UC Irvine und des McLean Hospitals untersuchten 724 Erwachsene. Sie nutzten funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI), kognitive Tests und klinische Daten, um das passende Medikament zu wählen.
Das Ergebnis: Die biomarkergestützte Auswahl von Sertralin oder Bupropion steigerte die Ansprechrate um 66,8 Prozent. Patienten mit positiven Markern für beide Wirkstoffe erreichten eine Rate von 71,4 Prozent – in der Gruppe ohne positive Marker lag sie bei lediglich 42,9 Prozent.
Die Remissionsrate in der biomarkergesteuerten Gruppe betrug 43 Prozent, bei der Standardbehandlung 31 Prozent. Besonders bei Patienten mit Freudlosigkeit (Anhedonie) wirkte Bupropion mit 57 Prozent besser als Sertralin.
Vagusnervstimulation: Nachhaltige Erfolge bei Schwerstkranken
Neue Daten der RECOVER-Studie zeigen: Selbst bei extrem schweren Fällen hilft die Vagusnervstimulation (VNS). Die Patienten hatten im Schnitt 13 erfolglose Behandlungsversuche hinter sich und litten fast 30 Jahre an Depressionen.
Nach zwölf Monaten zeigten 69 Prozent eine klinische Verbesserung. Über 80 Prozent behielten diesen Status nach 24 Monaten. Bei starken Respondern (mindestens 50 Prozent Symptomreduktion) hielt der Nutzen bei 92 Prozent über zwei Jahre an. Jeder fünfte Patient galt nach dieser Zeit als symptomfrei.
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Die FDA ließ das Verfahren bereits 2005 zu. Doch in den USA bleibt die Kostenerstattung durch Medicare oder Medicaid ein Hindernis für die breite Anwendung.
Neue Wirkstoffe: DMT und Nasenspray in der Pipeline
Das Unternehmen AtaiBeckley gab bekannt, den letzten Patienten seiner Phase-2b-Studie „Elumina“ behandelt zu haben. Getestet wird VLS-01, ein DMT-Bukkalfilm, an 156 Patienten mit therapieresistenter Depression.
Die Ergebnisse werden für das vierte Quartal 2026 erwartet. Primärer Endpunkt ist die Veränderung des MADRS-Scores nach 29 Tagen. Bei Erfolg ist eine Phase-3-Studie für Patienten mit Major Depression geplant.
Ein weiterer Kandidat, das Nasenspray BPL-003, befindet sich bereits in Phase 3 und hat von der FDA den Status einer „Breakthrough Therapy“ erhalten.
Kritik am biomedizinischen Modell
Trotz der Fortschritte hält die Debatte über klassische Psychopharmaka an. In den USA und Großbritannien nehmen rund 17 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Antidepressiva. Organisationen wie „Mad in Deutschland“ kritisieren das biomedizinische Erklärungsmodell der Depression.
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Die Psychiaterin Joanna Moncrieff vom University College London gibt zu bedenken: Depressionen seien oft eine Reaktion auf äußere Lebensumstände – nicht zwingend ein chemisches Ungleichgewicht. Zudem berichten Betroffene von schweren Nebenwirkungen wie Akathisie (ausgeprägte Unruhe) oder langanhaltenden sexuellen Funktionsstörungen (PSSD).
Auch Kreatin als Zusatztherapie bleibt umstritten. Eine Metaanalyse der University of Ottawa vom 6. Juli untersuchte fünf kontrollierte Studien mit 238 Teilnehmern. Die Ergebnisse zur antidepressiven Wirkung fielen gemischt aus: Zwei Studien sahen Vorteile, drei nicht. Wegen dünner Datenlage und vereinzelter Manie-Fälle bei bipolaren Patienten sprechen Forscher derzeit keine Empfehlung aus.
