Depression bei Kindern: Jeder 5. Jugendliche verletzt sich selbst
10.06.2026 - 22:07:21 | boerse-global.de
Der gesellschaftliche Umgang wandelt sich – getrieben von Sportinitiativen, öffentlicher Aufklärung und wissenschaftlichen Analysen zur Stigmatisierung.
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„Mut-Tour“: 4100 Kilometer gegen Depressionen
Seit 14 Jahren verbindet die „Mut-Tour“ Sport mit Aufklärungsarbeit. Die aktuelle Tour startete am 30. Mai in Kassel, führt über 4100 Kilometer und endet im September in Bremen. Initiator Peter Kraus nutzt Tandem-Fahrten, um Aufmerksamkeit für Depressionen zu schaffen.
Im Juni standen Stationen in Bayern auf dem Programm – gemeinsam mit dem Bezirkskrankenhaus Lohr, der Caritas und dem Bayerischen Roten Kreuz.
Lauftreff und Motorrad-Ausfahrten
Die Selbsthilfekontaktstelle Bad Vilbel startete im Mai einen wöchentlichen Lauftreff für Menschen mit depressiven Symptomen. Psychotherapeuten begleiten die Gruppe, die im September am Quellenlauf teilnehmen will.
Auch Motorrad-Fans engagieren sich: Die Initiative „Fellows Ride“ organisiert Benefiz-Ausfahrten für mentale Gesundheit. Im Juni fanden Veranstaltungen im Main-Kinzig-Kreis und in Hannover statt. Die Erlöse gehen an die Robert-Enke-Stiftung oder regionale Selbsthilfekontaktstellen. Hintergrund: 2024 gab es in Deutschland über 10.000 Suizide.
Wie Medien über psychische Krankheiten berichten
Die Darstellung in den Medien prägt das Bild psychischer Erkrankungen maßgeblich. Eine Analyse von Schlier/Lincoln untersuchte stigmatisierende Elemente in deutschen Leitmedien. Ergebnis: Zwischen 40,4 und 66,7 Prozent der Artikel über Schizophrenie enthielten stigmatisierende Inhalte. Während Qualitätsmedien die Diagnose oft metaphorisch nutzten, stellten andere Publikationen Betroffene als gefährlich dar.
Podcasts und soziale Netzwerke versuchen, dieses Bild zu korrigieren. Offene Diskussionen über Medikamenteneinnahme oder Therapiemethoden wie EMDR fördern Transparenz. Experten sind überzeugt: Austausch baut Vorurteile ab und stärkt Empathie.
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Kinder und Jugendliche besonders betroffen
Prof. Marcel Romanos von der Uniklinik Würzburg warnt: Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Die Treiber: steigender Leistungsdruck, Cybermobbing und Zukunftsängste.
Die Zahlen sind alarmierend: Rund 20 Prozent der jungen Menschen haben sich im vergangenen Jahr selbst verletzt. Die Aktion „Sternstunden“ stellt 2,6 Millionen Euro für spezialisierte Präventionsprojekte bereit.
Die unsichtbare Hürde: Selbststigmatisierung
Neben gesellschaftlichen Vorurteilen kämpfen Betroffene oft mit verinnerlichten Klischees. Patienten mit bipolarer Störung akzeptieren ihre Stimmungsphasen manchmal als schicksalhaft – statt als behandelbare Symptome.
Die moderne Suchthilfe setzt auf Techniken wie „Urge-Surfing“, um den Umgang mit Impulsen zu verbessern. Das Ziel: Eigenverantwortung stärken und psychische Widerstandsfähigkeit durch fundierte Informationen erhöhen.
