Denosumab, Pflegeheimen

Denosumab in Pflegeheimen: Bei jedem Fünften kommt die Dosis zu spät

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung zeigt Lücken bei Denosumab-Gaben und Medikamentenübergaben; elektronische Systeme und bessere Abstimmung gelten als mögliche Gegenmaßnahmen.
Ein heller, minimalistischer Flur in einer Pflegeeinrichtung mit natürlichem Lichteinfall und Blick in einen Garten. Illustration mit AI erstellt.

In der stationären Altenpflege gefährden Verzögerungen bei der Verabreichung von Osteoporose-Präparaten die Gesundheit der Bewohner. Eine im British Journal of Clinical Pharmacology veröffentlichte Untersuchung des Australian Institute of Health Innovation an der Macquarie University zeigt deutliche Versorgungslücken auf.

Den Studiendaten zufolge wurden im Zeitraum von 2018 bis 2022 bei 20 Prozent der Pflegeheimbewohner mit einer Denosumab-Verordnung in Australien – also bei jedem fünften Betroffenen – Dosen versäumt oder verspätet verabreicht. Dies führt zu einem signifikant höheren Risiko für osteoporotische Frakturen.

Hohe Verbreitung von Denosumab und Risiken bei Therapieunterbrechung

Die Datenbasis der Untersuchung der Macquarie University umfasst mehr als 10.600 Bewohner australischer Pflegeeinrichtungen. Denosumab nimmt in der Versorgung eine zentrale Rolle ein: 86,9 Prozent der älteren Erwachsenen, die in den Einrichtungen gegen Osteoporose behandelt werden, erhalten dieses Medikament. Das Präparat wird regulär in einem sechsmonatigen Injektionsschema verabreicht.

Wird dieser Rhythmus unterbrochen, drohen gravierende Folgen. Wie aus den Erhebungen hervorgeht, schließt sich an einen Abbruch der Denosumab-Therapie nur selten eine Anschlussbehandlung mit Bisphosphonaten an, wodurch das Risiko für Wirbelkörperfrakturen steigt.

Anzeige

Wer sich mit der Medikation im Alter befasst, sollte über die Risiken bestimmter Wirkstoffe informiert sein, da über 180 Präparate für Senioren ungeeignet sein können. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen sichere Alternativen auf, um Wechselwirkungen und gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Sichere Medikamenten-Alternativen jetzt kostenlos entdecken

Auch Mediziner weisen darauf hin, dass das vorrangige Ziel einer Osteoporose-Therapie die Vermeidung von Frakturen und nicht allein der Knochendichtewert sei. Bei Denosumab lasse die Wirkung nach dem Absetzen rasch nach, weshalb ohne Folgetherapie ein schneller Knochenverlust einsetze.

Ein eigenmächtiges Aussetzen oder Verzögern der Injektionen gilt daher als riskant; bei einem Ende der Behandlung ist ein strukturierter Wechsel auf ein anderes Therapeutikum notwendig.

Schwachstellen in den Prozessen des Gesundheitssystems

Leitautorin Marea O'Donnell vom Australian Institute of Health Innovation hob hervor, dass die Ursache der Problematik nicht beim Arzneimittel selbst, sondern im Gesundheitssystem liege. Fehler könnten insbesondere durch den Einsatz elektronischer Medikationssysteme vermieden werden.

Ko-Autorin Magda Raban betonte zudem die Notwendigkeit einer besseren Koordination zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie einer gestärkten Rolle von Apothekern in den Einrichtungen.

Anzeige

Was die Packungsbeilage oft verschweigt: Viele gängige Mittel können im Alter plötzlich riskante Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrtheit auslösen. Erfahren Sie in diesem unabhängigen Experten-Report, welche Medikamente auf die rote Liste gehören und wie Sie sich effektiv schützen. Kostenlosen Report zu Seniorenmedikamenten anfordern

Dass Schnittstellen beim Übergang zwischen Kliniken und Pflegeheimen erhebliche Risiken bergen, verdeutlicht auch eine weitere Auswertung von Austin Health unter Leitung von Rohan Elliott. Bei 397 Patientenfällen aus elf Krankenhäusern im Bundesstaat Victoria erlebten 23 Prozent der Patienten innerhalb von 48 Stunden nach der Entlassung ausgelassene oder verzögerte Medikamentengaben.

Fünf Prozent dieser Vorfälle betrafen Hochrisiko-Medikamente wie Opioide, Antikoagulanzien und Insulin, während 13 Prozent auf Mittelrisiko-Präparate wie antimikrobielle Mittel oder Schmerzmittel entfielen.

Fehlende Pläne und Lösungsansätze an Schnittstellen

Die Erhebung von Austin Health belegt deutliche organisatorische Defizite: Am Tag der Verlegung verfügten lediglich 52 Prozent der Patienten über aktualisierte Medikamentenpläne in den Pflegeheimen. Nur 46 Prozent erhielten ihre angepasste Medikation rechtzeitig über die zuständige Gemeinschaftsapotheke.

Zur Risikosenkung trugen laut der Studie Maßnahmen wie die Nutzung von Originalverpackungen in Kombination mit Übergangs-Verabreichungsplänen und Lieferungen neu verpackter Medikamente direkt am Entlassungstag bei. Als Standardverfahren wird daher empfohlen, solche Übergangspläne routinemäßig einzusetzen und eine Interim-Versorgung mit Medikamenten für bis zu sieben Tage sicherzustellen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70436779 |