Demenzversorgung: Beirat fordert sechs Reformen für Betroffene und Familien
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 07:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenzerkrankungen stehen in Deutschland vor wachsenden Herausforderungen. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Beirats „Leben mit Demenz“, der seit dem Jahr 2016 bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) aktiv ist, wurden zentrale Handlungsfelder für das Gesundheitssystem und die Politik formuliert.
Wie aus einem Bericht vom 27.10.2026 hervorgeht, fordert das Gremium konkrete Reformen, um die Rahmenbedingungen für Erkrankte sowie deren Familien nachhaltig zu verbessern.
Sechs Kernforderungen für Versorgung und Teilhabe
Der Beirat formuliert einen Sechs-Punkte-Katalog, der sowohl strukturelle als auch rechtliche und gesellschaftliche Aspekte umfasst. An erster Stelle steht die verbindliche Fortschreibung der Nationalen Demenzstrategie, um bestehende Maßnahmen kontinuierlich weiterzuentwickeln und verbindlich zu verankern.
Ergänzend dazu wird eine flächendeckende Demenzberatung und -koordination angemahnt, damit Hilfsangebote Betroffene und ihre Angehörigen wohnortnah erreichen können.
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Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wirksamen Unterstützung pflegender Angehöriger, die den Großteil der alltäglichen Betreuung schultern. Darüber hinaus verlangt das Gremium die konsequente Sicherung der Menschenrechte und der gesellschaftlichen Teilhabe für Personen mit kognitiven Einschränkungen.
Um die Betroffenenperspektive strukturell zu verankern, fordert der Beirat zudem eine Stärkung der Beteiligung an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen sowie einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen.
Mitsprache nach dem Grundsatz der Beteiligung
Die Struktur des Beirats soll sicherstellen, dass die Stimmen der Betroffenen direkt in die Arbeit der Organisation einfließen. Die Mitglieder des Gremiums werden von den regionalen Alzheimer-Gesellschaften vorgeschlagen und anschließend vom Vorstand der Deutschen Alzheimer Gesellschaft berufen.
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In ihrer Funktion beraten die Mitglieder den Verband bei Fachpublikationen, Veranstaltungen und in der Medienarbeit. Die Arbeit folgt dem klaren Leitsatz, nicht über die Betroffenen zu sprechen, ohne sie selbst aktiv an den Prozessen zu beteiligen. Damit soll vermieden werden, dass Maßnahmen an den realen Bedürfnissen der Erkrankten vorbeigeplant werden.
Versorgungsrealität und steigende Fallzahlen bis 2050
Die Notwendigkeit struktureller Anpassungen verdeutlichen die aktuellen epidemiologischen Zahlen. In Deutschland leben derzeit etwa 1,78 Mio. Menschen mit Demenzerkrankungen. Rund zwei Drittel von ihnen werden im häuslichen Umfeld durch Angehörige betreut und gepflegt. Jährlich kommen rund 360.000 Neuerkrankungen hinzu, wobei etwa 60 % der Fälle auf eine Demenz vom Typ Alzheimer entfallen.
Ohne einen grundlegenden Durchbruch in der Prävention oder Therapie rechnen Experten bis zum Jahr 2050 mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Fallzahlen auf 2,3 bis 2,6 Mio. Betroffene. Die Entwicklung unterstreicht den Druck auf Gesetzgeber und Kommunen, Beratungsstrukturen auszubauen und Entlastungsangebote für das häusliche Umfeld langfristig abzusichern.
